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Was genau bedeutet die Grundrente der SPD?

Was genau bedeutete Grundrente für die SPD



Die Große Koalition aus Union und SPD hat sich in ihrem Koalitionsvertrag auf verschiedene Verbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung geeinigt. Zwar soll es keine Erwerbstätigenversicherung geben, in die auch Freiberufler und Beamte einzahlen würden – immerhin wurde aber eine Reform angekündigt, um gezielt Altersarmut zu bekämpfen. Durch die Einführung einer „Grundrente“.


„Grundrente“ – wer bekommt sie?


Schon im letzten Jahr hat die Regierung beschlossen, dass das Rentenniveau bis 2025 nicht weiter sinken kann. Gleichzeitig soll der Beitragssatz nicht auf einen Wert über 20 Prozent ansteigen. Für das Jahr 2019 hat Bundesarbeitsminister Heil nun die „Grundrente“ angekündigt. Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Wer soll davon profitieren? Und wie hoch soll diese Grundrente am Ende sein? Wir klären für Sie die wichtigsten Fragen.


Aufgepasst – jetzt kommen die wichtigsten Infos zur geplanten Grundrente!via GIPHY


Wie hoch wird die Grundrente sein?


Die geplante Grundrente soll zehn Prozent über der Grundsicherung liegen. Was genau bedeutet das? Grundsicherung im Alter erhalten Menschen, deren Rente und/oder andere Einkünfte unter einem bestimmten Grundbedarf liegen. Dieser liegt 2019 bei 424 Euro für jemanden, der allein lebt. Dazu kommen noch die angemessenen Kosten der Unterkunft. Ein vereinfachtes Beispiel: Horst W. bekommt eine gesetzliche Rente in Höhe von 350 Euro.  Er lebt in Elmshorn, seine Miete kostet ihn monatlich 400 Euro. Im Kreis Pinneberg liegt dieser Betrag im angemessenen Bereich. Da seine Rente mit 350 Euro deutlich unter dem Regelbedarf (424 Euro) liegt, hat Horst W. Anspruch auf Grundsicherung – 74 Euro im Monat.


— Mehr Informationen zur Grundsicherung im Alter finden Sie hier —


Inklusive Grundsicherung stehen Horst W. nun 824 Euro zur Verfügung, von denen 400 Euro bereits für die Miete draufgehen. Nach dem Vorschlag der SPD zur Grundrente müsste Horst bald zehn Prozent mehr erhalten, also gut 82 Euro.


Wer hat Anspruch auf die Grundrente?


Bleiben wir bei unserem Beispiel von Horst aus Elmshorn. Er bekommt mit 350 Euro eine kleine Rente, weil er viele Jahre nur in Teilzeit gearbeitet hat. Die Politiker der Großen Koalition haben bei den zukünftigen Empfängern der Grundrente vor allem Menschen vor Augen, die in schlecht bezahlten Berufen tätig sind oder eben nur in Teilzeit arbeiten können. Grundrente soll demnach nur bekommen, wer mindestens 35 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Kindererziehungszeiten sowie Zeiträume, in denen nahe Angehörige gepflegt wurden, zählen ebenfalls mit.


Hier setzt unser erster Kritikpunkt an: Viele Menschen bekommen nur deshalb eine kleine Rente, weil sie einmal oder sogar mehrmals ihren Job verloren haben. Wer die 50 überschritten hat und sich auf Arbeitsuche begeben muss, weiß um die großen Schwierigkeiten, wieder eine Festanstellung zu finden. Nach bisheriger Planung würden diese Menschen keine Grundrente bekommen, wenn sie nicht auf 35 Beitragsjahre kommen.


Viele Menschen werden die 35 Beitragsjahre zur Grundrente nicht erreichenvia GIPHY


Was ist mit den Rentnerinnen und Rentnern, die schon heute Grundsicherung bekommen?


Bislang unklar. Zurzeit steht noch nicht fest, wer die Feststellung und Auszahlung der geplanten Grundrente übernehmen soll. Die gesetzliche Rentenversicherung vielleicht? Oder doch die Sozialämter der Kommunen, in denen zurzeit die Grundsicherung verwaltet wird?


Fest steht: Ganz simpel wird es nicht sein, eine wirklich gerechte Einführung der neuen Grundrente hinzubekommen. Eine zusätzliche Schwierigkeit ist, dass es in der Grundsicherung zahlreiche Faktoren gibt, welche die Höhe verändern können. So führt das Merkzeichen „G“ zu einer Erhöhung der Grundsicherung von 17 Prozent. Empfängerinnen und Empfänger der Grundsicherung sind vom Rundfunkbeitrag befreit. Wird das auch für diejenigen gelten, die eine Grundrente bekommen?


— Wir haben mit einer Frau aus Wedel gesprochen, die sich deswegen Sorgen macht —


Als Sozialverband setzen wir uns für Menschen ein, die auf Hilfe im Sozialrecht angewiesen sind. Es ist uns ein großes Anliegen, das mit der Einführung der Grundrente keine neuen Ungerechtigkeiten Einzug halten. Eine mögliche Alternative, die wir schon lange propagieren, wäre ein Freibetrag in der Grundsicherung. Dieser wäre in der Verwaltung einfach zu handhaben, außerdem würden hierdurch alle Betroffenen profitieren.


Der Sozialverband Deutschland vertritt in Schleswig-Holstein mehr als 150.000 Mitglieder. Wir helfen in sozialen Angelegenheiten, etwa bei Problemen mit der Rente oder rund um das Thema Behinderung.



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3 Gedanken zu „Was genau bedeutet die Grundrente der SPD?

  1. und wieder werden die Rentnerinen und Rentner vergessen die 43Jahre für den Staat gebuckelt haben und durch Krankheit eine Rente von 900,00€ und weniger bekommen.

  2. Ich arbeitete 48 Jahre davon 30 Jahre selbständig. Ich bekomme 510€ Rente ,trotz ständigem Einzahlen in die Rentenkasse, und verliere bei meiner mühselig angesparten Zusatzrente 35.000,-€ dank der Zinspolitik. Dank an die Politiker denen es ja allen sehr gut geht.

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