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Folgebescheinigung bei Krankengeld – muss ich immer zum gleichen Arzt?

Folgebescheinigung bei Krankengeld

 

Wer Krankengeld bekommt, weiß: Es ist immens wichtig, dass Sie sich lückenlos krankschreiben lassen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen müssen zeitnah bei der Krankenkasse eingehen – nur dann wird das Krankengeld nahtlos weiter gezahlt.

 

Nach der Erstbescheinigung müssen Sie also regelmäßig Ihren Arzt aufsuchen, um die sogenannte Folgebescheinigung zu bekommen. Doch ist es wirklich nötig, immer zum selben Arzt zu gehen?

 

Krankengeld: Nur mit Krankschreibung

Wenn Sie länger als sechs Wochen krank sind, muss Ihr Chef Ihnen kein Gehalt mehr zahlen. Die Lohnfortzahlung läuft aus, jetzt muss die Krankenkasse ran. Doch Krankengeld gibt es nur so lange, wie Sie krankgeschrieben sind. Suchen Sie Ihren Arzt also rechtzeitig auf, spätestens am Tag nach dem Auslaufen Ihrer letzten Krankmeldung.

 

Grundlegende Informationen zum Krankengeld finden Sie in diesem Beitrag:

 

Krankengeld: Höhe und wie lange? | Antrag und Probleme mit der Krankenkasse | Minijob und Kurzarbeit

 

Was ist, wenn mein Arzt Urlaub hat?

Jeder kennt diese Situation: Die Krankheit tritt ausgerechnet jetzt ein, wenn sich der Hausarzt im Jahresurlaub befindet. Die gleiche Situation kann auch auftreten, wenn Sie Krankengeld beziehen und nun dringend eine Folgebescheinigung benötigen.

 

Was also tun? Die Krankenkasse vertrösten und die Krankmeldung nach der Rückkehr des Arztes nachreichen? Bitte nicht. Falls während Ihrer Krankmeldung eine Lücke entsteht, verlieren Sie für diesen Zeitraum den Anspruch auf Krankengeld. Ausnahmen gibt es zwar, doch diese rückwirkenden Krankschreibungen beschränken sich auf Einzelfälle.

 

Daher raten wir Ihnen: Falls Ihr Arzt – aus welchem Grund auch immer – nicht anzutreffen ist, gehen Sie bitte zur Vertretung. Zwischen der aktuellen Krankmeldung und der neuen Folgebescheinigung darf keine Lücke entstehen.

 

Vertretung – aber welche?

Wenn Ihr Arzt Urlaub macht, ist die Vertretungsfrage normalerweise klar geregelt. Falls nicht, müssen sie selbst aktiv werden. Suchen Sie einen anderen Arzt auf, der sich mit Ihrer Erkrankung auskennt. Sind Sie zum Beispiel wegen Ihres Halswirbelleidens krankgeschrieben, macht es wenig Sinn, zum Augenarzt zu gehen. Fällt Ihr Facharzt aus, sollte Sie Ihr erster Weg also zum direkten Vertreter führen. Falls das nicht klappt, gehen Sie bitte zu Ihrem Hausarzt.

 

Experte Krankengeld - Christian Schultz vom SoVD Schleswig-Holstein„Lassen Sie keine Lücke entstehen. Falls Ihr Arzt Sie nicht weiter krankschreiben kann, gehen Sie bitte zu einem anderen Mediziner.“

 

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

 

Immer wieder melden sich bei uns Mitglieder mit einer besonders kniffligen Fragestellung. Macht es eigentlich einen Unterschied, welche Diagnose auf der Folgebescheinigung steht? Läuft mein Krankengeld auch weiter, wenn die Folgebescheinigung für eine völlig andere Erkrankung ausgestellt wird?

 

Ja, es kommt einzig und allein darauf an, dass Sie rechtzeitig eine Folgebescheinigung vorlegen können. Um die Fortzahlung des Krankengeldes zu garantieren, ist das der Casus Knaxus. Schauen wir uns das anhand eines Beispiels an:

 

Peter aus Bad Schwartau ist seit vier Monaten aufgrund von Depressionen krankgeschrieben. Deswegen erhält er Krankengeld. Nun hatte er einen Autounfall, sein Bein ist gebrochen, und er liegt in einer Reha-Klinik.

In einer Woche läuft die aktuelle Krankeschreibung des Psychiaters aus. Peter erreicht die Praxis aber leider nicht. Um die Zahlung des Krankengeldes nicht zu gefährden, genügt es nun, eine Folgebescheinigung über seinen Beinbruch vorzulegen.

 

Das Krankengeld läuft also lückenlos weiter. Wichtig ist nur, dass es sich bei der Ausstellung um eine Folgebescheinigung handelt. Zurück zum Beispiel: Würde die Klinik aufgrund des Beinbruchs eine neue Erstbescheinigung ausstellen, hätte Peter mit seiner Krankenkasse ein Problem – und möglicherweise wäre die Zahlung des Krankengeldes erst einmal unterbrochen.

 

Folgebescheinigung bei Krankengeld - Grafik
Achten Sie beim Krankengeld darauf, dass vor der Folgebescheinigung keine zeitliche Lücke entsteht.

 

Fazit: Folgebescheinigung sorgt dafür, dass Krankengeld weiter gezahlt wird

Der springende Punkt lautet also: Kümmern Sie sich rechtzeitig um eine Folgebescheinigung, um weiterhin Krankengeld zu beziehen. Im Normalfall suchen Sie den Arzt auf, den Sie immer konsultieren. Fällt der jedoch aus, melden Sie sich bei dessen Vertretung. Wenn es gar nicht anders geht, reicht auch eine Folgebescheinigung für eine andere Erkrankung. Wichtig: Das gilt aber nur, wenn es sich bei dem Dokument um eine Folge-, nicht um eine Erstbescheinigung handelt.

 

Wenn Sie längere Zeit Krankengeld erhalten, müssen Sie außerdem immer einen Blick auf der Blockfrist haben. Denn auch wenn Sie – wie oben beschrieben – eine Folgebescheinigung für eine zweite Erkrankung einholen können: Ihr genereller Anspruch auf Krankengeld wird dadurch nicht verlängert.

 

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

 

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