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Erwerbsminderungsrente abgelehnt – die häufigsten Gründe

Behinderung Armut Gesundheit

Etwa jeder zweite Antrag zur Erwerbsminderungsrente wird in Deutschland abgelehnt. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen die häufigsten Ursachen vor und geben Tipps, wie Sie sich nach der Ablehnung verhalten sollten.

Im Jahr 2019 wurden 433.709 Anträge wegen voller Erwerbsminderung gestellt. Eine unvorstellbar große Zahl. Insgesamt 279.977 davon hat die Deutsche Rentenversicherung im gleichen Jahr bearbeitet. Etwas mehr als die Hälfte davon – knapp 142.000 wurden bewilligt, der Rest abgelehnt.

Jede zweite EM-Rente wurde 2019 abgelehnt

Angesichts dieser großen Zahl von Anträgen wollen wir zuerst die Frage beantworten, warum sich so viele Menschen mit der Erwerbsminderungsrente beschäftigen. Dazu haben wir die offiziell zugängliche Online-Datenbank der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ausgewertet. Das Ergebnis dürfte Sie überraschen: Mehr als ein Drittel aller Betroffenen muss die EM-Rente wegen psychischer Schwierigkeiten beantragen.

Allerdings wertet die DRV unter dieser Rubrik auch Menschen, die aufgrund von Suchterkrankungen und deren Folgen eine EM-Rente beziehen. Dennoch ist der große Anteil an seelischen Erkrankungen bei der Rente wegen voller Erwerbsminderung bemerkenswert.

Ebenfalls auffällig ist die große Zahl von Neubildungen, also Krebserkrankungen, die zu einer vollen EM-Rente geführt haben – mehr als 11.000 Fälle gab es dazu im Jahr 2019. Erst knapp dahinter folgen die Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems: Knapp 9.700 Menschen hatten demnach so große Probleme mit Wirbelsäule oder anderen Körperteilen, dass sie dauerhaft nicht mehr arbeiten können.

Warum wird die Erwerbsminderungsrente so oft abgelehnt?

Beim Blick in die Statistik der DRV fallen drei Ursachen ins Auge, die dafür sorgen, dass EM-Renten versagt werden: Lücken bei der Wartezeit, gesundheitliche Gründe sowie fehlende Mitwirkung. Beginnen wir mit den versicherungsrechtlichen Voraussetzungen.

Wartezeit nicht erfüllt

Die Regeln sind eigentlich simpel. Wer Chancen auf eine EM-Rente haben will, muss mindestens fünf Jahre in der DRV versichert sein. In den letzten fünf Jahren vor dem Eintritt der Erwerbsminderung sollten Sie außerdem 36 Monate Pflichtversicherungszeiten vorweisen können. Falls Sie bei einem der beiden Punkte keinen Haken setzen können, brauchen Sie den Antrag gar nicht erst stellen. Eine Ausnahme besteht nur bei sehr jungen Menschen.

Weitere allgemeine Informationen zur EM-Rente finden Sie übrigens in diesem ausführlichen Beitrag.

Erwerbsminderungsrente: Antrag und Voraussetzungen | volle und teilweise Rente | Hinzuverdienst und Versteuern

Dass dennoch so viele Menschen beim Antrag an genau jener Hürde mit den Wartezeiten scheitern, ist überraschend. Im Jahr 2019 wurden fast 31.000 Anträge mit diesem Hinweis abgelehnt. Erkundigen Sie sich also bitte vor dem Antrag, ob Sie diese wichtige Voraussetzung erfüllen. Das geht kostenlos, direkt bei der Deutschen Rentenversicherung. Alternativ können Sie sich auch an den SoVD wenden.

Die weitaus größte Ursache, warum Betroffene auf dem Weg in die Erwerbsminderungsrente scheitern, hängt jedoch mit der Gesundheit zusammen.

Keine verminderte Erwerbsfähigkeit festgestellt

Während es rund um die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen nur wenig zu streiten gibt, liegt die gesundheitliche Verfassung immer ein bisschen im Auge des Betrachters. Da gibt es einmal den Antragsteller selbst. Wenn Sie selbst nicht davon überzeugt wären, dass Sie schwer krank sind – dann würden Sie auch keinen Antrag stellen. Doch um einen Antrag zu bearbeiten, setzt die DRV auf die Meinung von Ärzten. Und hier gibt es in der Praxis oft sehr unterschiedliche Ansichten, wie es um das restliche Leistungsvermögen auf dem Arbeitsmarkt bestellt ist.

Relevant ist sowohl die Meinung Ihrer eigenen Ärzte als auch die eines Amtsarztes. Dessen Gutachten entscheidet am Ende darüber, ob Ihnen die Rente ausgezahlt wird oder nicht. Aber Sie sollten die Auffassung Ihres Haus- oder Facharztes auf jeden Fall unterschätzen: Denn was dieser in seinem Befundbericht dokumentiert, hat in der Regel großen Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens. Genau wie beim Schwerbehindertenausweis kommt Ihrem Vertrauensarzt also eine enorm wichtige Rolle zu.

2019 wurden mehr als 93.000 Anträge zur Erwerbsminderungsrente abgelehnt, weil die gesundheitlichen Voraussetzungen nicht erfüllt waren. Oder mit anderen Worten: Weil die Ärzte der Deutschen Rentenversicherung der Meinung waren, dass die betroffenen Personen noch mehr als drei Stunden am Tag irgend einer Arbeit nachgehen können. Mehr als zwei Drittel aller Anträge scheitern also an diesem Punkt.

Auch mangelnde Mitwirkung kann EM-Rente verhindern

Fast 14.000 Anträge wurden 2019 abgelehnt, weil der Antragsteller es an „Mitwirkung“ fehlen ließ. Im Durchschnitt also 37 Anträge pro Tag. Doch was genau heißt „mangelnde Mitwirkung“ in Bezug auf den Antrag zur Erwerbsminderungsrente?

Unter dieser Rubrik führt die Deutsche Rentenversicherung all jene Fälle, in denen der Antragsteller nicht dem nachgekommen ist, was von ihm erwartet wird. Ein Klassiker ist zum Beispiel der Termin beim Gutachter. Im Gegensatz zum Schwerbehindertenrecht erfordert die Reise zur EM-Rente in fast allen Fällen einen Besuch beim Amtsarzt. Wenn nun ein Antragsteller diesen Termin sausen lässt oder sich dort wenig kooperativ verhält, kann dies zur Ablehnung der Erwerbsminderungsrente führen.

Aber ganz ehrlich: Auch ich persönlich war überrascht über den recht großen Anteil in dieser Statistik. Demnach wurde jeder zehnte Antrag abgelehnt, weil der Versicherte seinen Pflichten nicht nachgekommen ist.

Fazit:  Meistens liegt es an der Gesundheit – und/oder am Befundbericht

Dass jeder zweite Antrag zur EM-Rente erfolglos ausfällt, klingt erst einmal viel. Doch beim Blick in die Zahlen der DRV stellen wir fest, dass ein Viertel dieser Fälle sehr schnell aussortiert wird, weil die rentenrechtlichen Voraussetzungen nicht vorliegen. Ziehen wir dann noch die 10 Prozent ab, bei denen es am Antragsteller selbst lag – und die Statistik sieht schon anders aus.

Dennoch – selbst mit großen gesundheitlichen Problemen ist der Antrag zur Erwerbsminderungsrente kein Selbstgänger. Insbesondere bei den Befundberichten läuft in der Realität leider viel verkehrt. Nicht weil die Ärzte Ihnen gegenüber gleichgültig oder gar böswillig wären – nein, in der Regel fehlt es einfach an sozialrechtlichen Kenntnissen. Woher soll der Facharzt auch wissen, welche Informationen für den Befundbericht von Bedeutung sind?

Von daher bieten wir unseren Mitgliedern an, bei Problemen mit der EM-Rente an Ihrer Seite zu stehen. Mit einer ausführlichen Beratung vor dem Antrag und einer professionellen Begleitung, falls Widerspruch oder Klage nötig werden.

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

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Kommentare (3)

  • Elke Wegener
    Elke Wegener
    am 01.12.2020
    Bin bei Euch ausgetreten weil der Vorsitzende unserer Ortsgruppe irgendwo nicht durchzieht,mal haben wir den Beitrag nicht bezahlt obwohl immer abgebucht wurde dann hätte ich uns nicht zur Jahreshauptversammlung angemeldet, letzten s kam wieder ein Brief obwohl schon über ein Jahr nicht mehr dabei, das muss ich mir nicht mehr antun, bin froh einigermaßen gesundheitlich stabil zu sein
  • Maria
    Maria
    am 10.01.2021
    Hallo zusammen,

    ich bin 58 Jahre alt und seit fast 2 Jahren krankgeschrieben wegen Depression und neurologischer Erkrankung. Habe 50 Grad der Schwerbehinderung. Mir geht es immer noch nicht gut. Während ich noch das Krankengeld bezog, hat mich die Krankenkasse aufgefordert einen Reha Antrag zu stellen.

    Obwohl es mir graute schon bei der Vorstellung die Reha anzutreten, habe ich es trotzdem getan, weil ich dachte, ich wäre dazu verpflichtet (Mitwirkungspflicht gegenüber der Krankenkasse).

    Im Sommer 2020 wurde der Reha-Antrag bewilligt. Inzwischen haben zwei Rehakliniken wegen medizinischen Gründen mir abgesagt. Die dritte Klinik hat mir den Termin in März 2021 bestätigt.

    Jetzt beziehe ich schon das Arbeitslosengeld I (Nahtlosigkeitsregelung.) Mein behandelnder Psychiater bestätigte, dass ich immer noch Reha-unfähig bin. Er sagte mir, dass mich keiner zwingen kann die Reha abzusolvieren. Deswegen möchte ich den Reha-Antrag zurückziehen und einen Erwerbsminderungsrentenantrag stellen.

    Aber es heißt doch immer "Reha vor Rente“? Muss ich befürchten, dass deswegen die Erwerbsminderungrente abgelehnt wird? Mit welchen Konsequenzen muss ich rechnen?

    Ich danke euch für eure Erfahrungsberichte und Ratschläge schon im Voraus!

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