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Grad der Behinderung von 30: Diese Vorteile können Sie nutzen

Behinderung

Ein Grad der Behinderung (GdB) von 30 führt nicht zum Schwerbehindertenausweis. Unter Umständen ist jedoch eine Gleichstellung möglich. Was das ist und welche Vorteile ein GdB von 30 mit sich bringen kann, erläutern wir in diesem Beitrag.

Frau im roten Pullover lehnt auf weißem Tisch

Sie haben einen Antrag zum Schwerbehindertenausweis gestellt, es hat aber nicht zum Grad der Behinderung von 50 gereicht? Dann haben Sie jetzt mehrere Möglichkeiten. Wenn es knapp war und Sie das Gefühl haben, dass nicht alle gesundheitlichen Einschränkungen realistisch zur Kenntnis genommen wurden, können Sie Widerspruch einlegen. Sobald Sie den Bescheid der zuständigen Behörde erhalten haben, bleibt Ihnen hierfür ein kompletter Monat Zeit.

Falls das Ergebnis realistisch ist und Sie die Erfolgsaussichten für einen höheren GdB als gering einschätzen, bleiben zwei weitere Optionen. Sie können sich mit dem Ergebnis abfinden und ihr Leben weiterleben. Oder – wenn im Bescheid ein Grad der Behinderung von 30 oder 40 vermerkt wurde – Sie kümmern sich um eine Gleichstellung.

Ab GdB 30 ist eine Gleichstellung möglich

Auch wenn der Name etwas verwirrend ist. Die Gleichstellung bedeutet nicht, dass Sie sämtliche Nachteilsausgleich einer Schwerbehinderung in Anspruch nehmen können. Genau genommen geht es nur um einen recht kleinen Teil davon.

Aber zunächst einen Schritt zurück. Für wen ist die Gleichstellung überhaupt interessant?

Wenn Sie in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt sind oder auf der Suche nach einem neuen Job sind – dann lohnt es sich, über eine Gleichstellung nachzudenken. Immer vorausgesetzt, Sie haben einen Grad der Behinderung von 30 oder 40. Wenn Sie bereits in Rente sind, kommt eine Gleichstellung für Sie nicht in Frage. Auch bei Beamten macht das Thema nur sehr selten Sinn.

Wo bekomme ich eine Gleichstellung?

Bei der Bundesagentur für Arbeit. Auch wenn Sie einen Job haben. Den Antrag stellen Sie beim Arbeitsamt. Allerdings sollten Sie sich nur dann die Mühe machen, wenn Ihr Antrag Aussicht auf Erfolg hat. Das ist immer dann der Fall, wenn Ihre Behinderung oder chronische Erkrankung so stark ausgeprägt ist, dass Sie deshalb Schwierigkeiten haben, ihren Job auszuüben. Etwa wenn Sie deutlich häufiger als Ihre Kollegen krankheitsbedingt ausfallen. Wenn Sie langsamer arbeiten als früher. Oder wenn Sie bestimmte Tätigkeiten in der Firma gar nicht mehr machen können oder nur mit Schmerzen.

Falls Sie beim Lesen dieser Zeilen an Ihre eigene Situation erinnert werden, sollten Sie sich um eine Gleichstellung kümmern.

Kann ich mit dem Grad der Behinderung von 30 früher in Rente?

Nein, eine Gleichstellung berechtigt Sie nicht, eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu beziehen. Dafür ist weiterhin ein GdB von 50, also der Schwerbehindertenstatus, notwendig. Sie erhalten auch keinen zusätzlichen Urlaub. Mit Gleichstellung dürfen Sie Ihren Wagen nicht auf Behindertenparkplätzen abstellen. Also – wozu ist der GdB 30 dann überhaupt nützlich?

Im Wesentlichen ist die Gleichstellung mit drei Vorteilen verbunden. Alle drei Punkte stehen im Zusammenhang mit dem Berufsleben.

  • Erweiterter Kündigungsschutz
  • Unterstützung bei der Ausstattung des Arbeitsplatzes
  • Lohnkostenzuschüsse

Gleichstellung führt zu besonderem Kündigungsschutz

In diesem Punkt sind Sie einem Menschen mit „kompletter“ Schwerbehinderung tatsächlich gleichgestellt. Hat Ihr Arbeitgeber vor, ihnen zu kündigen, muss mit Gleichstellung das Integrationsamt angehört werden. Die staatliche Behörde wird versuchen, Ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Zum Beispiel durch einen Wechsel in eine andere Abteilung. Oder durch die Anschaffung einer besonderen Software, damit sie vielleicht häufiger von zu Hause aus arbeiten können.

Natürlich bedeutet das Eingreifen des Integrationsamtes nicht immer, dass Ihr Job zu retten ist. Liegen die Gründe für eine Kündigung im persönlichen Bereich, kann das Integrationsamt nichts ausrichten. Auch wenn die Kündigung betriebsbedingt erfolgt – falls zum Beispiel eine Insolvenz bevorsteht – ist der GdB von 30 nutzlos. Aber eine Gleichstellung sorgt in jedem Fall dafür, dass eine zusätzliche Hürde zwischen Ihnen und dem Verlust des Arbeitsplatzes errichtet wird.

Grad der Behinderung von 30 kann für Hilfsmittel am Arbeitsplatz sorgen

Ihre Erkrankung hindert Sie daran, bestimmte Aufgaben im Betrieb auszuführen? Auch in diesem Fall hilft eine Gleichstellung. Wenn etwa ein bestimmtes Programm für Ihren Rechner angeschafft werden muss oder besondere Werkzeuge in der Produktion – dann können diese durch das Integrationsamt übernommen werden. Um Ihren Arbeitsplatz so einzurichten, dass Sie trotz Behinderung gut klarkommen, kann auch ein sogenannter Integrationsfachdienst eingeschaltet werden.

Das Ziel ist immer gleich: Ihr Arbeitsplatz soll gesichert werden. Damit Sie Ihren Job behalten können, kann das Integrationsamt Hilfsmittel anschaffen oder speziell geschulte Mitarbeiter in Ihre Firma schicken.

Das Arbeitsamt zahlt Ihr Gehalt: Lohnkostenzuschuss bei Gleichstellung

Sowohl bei der Bundesagentur für Arbeit als auch beim Jobcenter stehen Instrumente bereit, Menschen mit besonders schwierigen Vorraussetzungen bei der Jobsuche zu unterstützen. Das können Fortbildungen oder Schulungen sein, sehr häufig ist aber auch der Lohnkostenzuschuss.

Insbesondere wenn Sie schon länger als ein Jahr arbeitslos sind, kann Ihr Arbeitsvermittler unter bestimmten Bedingungen einen Teil Ihres Lohns übernehmen. In manchen Fällen zahlt das Jobcenter sogar 100 Prozent. Die gute Nachricht: Auch eine Gleichstellung kann dazu berechtigen, einen Lohnkostenzuschuss zu erhalten. Falls Sie selbst auf Jobsuche sind, erkundigen Sie sich am besten umgehend bei Ihrem Vermittler.

Fazit: Ein Grad der Behinderung von 30 bringt einige Vorteile mit sich

Der Name Gleichstellung verspricht zwar etwas zu viel. Doch insbesondere beim Kündigungsschutz und den Möglichkeiten, Ihren Arbeitsplatz auszustatten, bietet ein GdB von 30 eine große Hilfe. Wenn Sie die Chance auf eine Gleichstellung haben, sollten Sie sich beim Arbeitsamt melden und eine Beratung in Anspruch nehmen. Wenn alles passt, kann der Antrag zur Gleichstellung sofort vor Ort gestellt werden.

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

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Kommentare (16)

  • Brigitte Piper
    Brigitte Piper
    am 31.10.2020
    Ich bin auch Mitglied, bekomme aber nur die Zeitung, sonst nie was. Gehöre zur Nebenstelle Langballig bei flensburg
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 02.11.2020
    Hallo Brigitte, wie meinen Sie das? Die Zeitung wird an alle Mitglieder versandt. Wenn Sie eine sozialrechtliche Frage haben, können Sie sich jederzeit an unsere Sozialberatungszentren wenden: https://www.sovd-sh.de/sozialberatung/
  • Simone Pietsch
    Simone Pietsch
    am 14.01.2021
    Guten Tag. Ich würde gern kostenlos informiert werden.vielen dank mit freundlichen grüßen SimonePietsch
  • Stefanie Schulz
    Stefanie Schulz
    am 22.01.2021
    Guten Tag :)
    Gern würde ich informiert werden, zu diesem Thema.
    GdB von 30 Bescheinigung kam heute.
    Antrag auf Gleichstellung ist gestellt.
    Ich bin 42 J.alt und chronisch krank was die Wirbelsäule betrifft und das im Verkauf.

    Vielen Dank vorab :)
  • eichler bernd
    eichler bernd
    am 28.01.2021
    an wen kann ich mich mit meinen problem direckt wenden
  • Helena
    Helena
    am 02.02.2021
    Hallo Christian,
    ich bin zu SGB 30 zugewiesen, gleichzeitig einen Antrag auf Gleichstellung gestellt.
    Und soll jetzt als Grunde der Antragstellung eine Frage beantworten: wie meine Krankheit auf Arbeitstätigkeit auswirkt.
    Ich bin Bürokauffrau, kann ich schreiben,
    dass wegen Taubheit höre ich meine Kollegen und unseren Kunden schlecht, soll immer nachfragen und sehr laut reden?
    Die chronische Krankheit ( Anfallsleiden) hat folgende Auswirkung: Nebenwirkungen von Medikamenten :
    Konzentration und Aufmerksamkeitstörungen, mentale Geschwindigkeit, Entscheidungsstörungen, Kopfschmerzen,
    Erfährt mein Arbeitgeber und Personalrat über meine Diagnosen ?

    Freundliche Grüße
    Helena
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 02.02.2021
      Hallo Helena, Ihr verschlechterter Hörsinn kann tatsächlich ein Grund für die Gleichstellung sein. Das sollten Sie dann auch so schreiben. Normalerweise erfährt der Arbeitgeber, dass Sie einen Antrag gestellt haben - aber er kennt dann nicht unbedingt alle Hintergründe. Ich empfehle Ihnen, da noch einmal mit Personalrat bzw. am besten der Schwerbehindertenvertretung zu besprechen.
  • Rebhan, Kerstin
    Rebhan, Kerstin
    am 02.02.2021
    Hallo, ich bin sehr froh, diese Seite gefunden zu haben. Ich bin noch im Angestelltenverhältnis, was sich jedoch dieses Jahr noch ändern könnte. Seit 2008 habe ich GdB 40, keinen Gleichstellungsantrag gestellt, da ich bisher immer in Arbeit stand. Kann ich auch jetzt noch den Antrag auf Gleichstellung stellen? Oder soll ich die neue Berechnung meines GdB auf meines Verschlechterungsantrages abwarten?
    Vielen Dank für Ihre Hilfe.
    Freundliche Grüße, KerstinRebhan
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 02.02.2021
      Hallo Kerstin, das kann man schlecht allgemein empfehlen, weil es immer von der persönlichen Situation abhängt. Fragen Sie am besten einmal bei Ihrer SB-Vertretung nach. Die kann Sie kostenlos und vertraulich beraten.
  • Axel
    Axel
    am 02.02.2021
    Hallo Christian,
    seit Ende 2018 habe ich GdB 40 und wechsele den Arbeitgeber zum April 2021.
    Die künftige Tätigkeit ist von meiner chronischen Erkrankung nicht beeinträchtigt, aber die Krankheitsentwicklung kann sich ja in der Zukunft womöglich ändern und ich will mich dann vor der Kündigung schützen.
    Fragen:
    1. Muss ich meinen neuen Arbeitgeber von meinem GdB in Kenntnis setzen? Wenn ja, wann?
    2. Ist es ratsam für mich eine Gleichstellung zu beantragen? Wenn ja, wann ist der geeignete Zeitpunkt dafür?

    Vielen Dank für Ihre Hilfestellung.

    Freundliche Grüße
    Axel
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 03.02.2021
      Hallo Axel, es gibt keine Pflicht, den Arbeitgeber über Ihren GdB und dessen Hintergründe aufzuklären. Falls Sie Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie dem Chef natürlich Bescheid geben.

      Zum richtigen Zeitpunkt bei der Beantragung zur Gleichstellung kann ich nichts sagen, weil das sehr individuell ist. Da würde ich mit der Schwerbehindertenvertretung in Ihrem Betrieb sprechen.
  • ULLI Natschke
    ULLI Natschke
    vor 20 Stunden
    Ich hätte mal eine Frage. Weiß nicht ob ich bei Ihnen richtig bin Ich habe einen Behindertengrad von 30 Prozent und meine Frage wäre nun kann ich beim Arbeitsamt einen Antrag auf Gleichstellung stellen um einem Schwerbehinderten gleichgestellt zu sein
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 10 Stunden
      Hallo Ulli, im Beitrag oben ist das Wichtigste beschrieben :) ... Sprechen Sie am besten mit der Schwerbehindertenvertretung in Ihrem Betrieb. Alternativ direkt mit der Bundesagentur für Arbeit.

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