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Grundsicherung – diese drei Dinge müssen Sie beim Antrag beachten

Behinderung Armut

*aktualisiert am 27.08.2020.

Wenn die Rente nicht reicht, bleibt deutschen Rentnerinnen und Rentnern nur die Grundsicherung im Alter. Schon wer in jüngeren Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, ist in vielen Fällen auf diese Sozialleistung angewiesen. Beim Antrag zur Grundsicherung müssen Sie Ihre Einkommensverhältnisse sowie Ihr Vermögen komplett offenlegen. Doch wenn Sie hier nicht aufpassen, verzichten Sie über einen längeren Zeitraum vielleicht auf mehrere Tausend Euro.

„Ich brauche Hilfe bei der Beantragung von Grundsicherung!“

Jetzt sollte man besonders gut aufpassen …

Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung müssen Sie vor Ort beantragen. Entweder bei der Stadt- oder der Kreisverwaltung. Doch nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sozialämtern sind so zuvorkommend, dass Sie Ihnen die wichtigsten Punkte im Formular unaufgefordert zeigen. Deshalb sensibilisieren wir Sie in diesem Beitrag für drei elementare Fragen, die Ihnen in der Praxis viel Geld sparen können.

1. Haben Sie eine Gehbehinderung?

Falls Ihre Antwort auf diese Frage „ja“ lautet, werfen Sie bitte sofort einen Blick auf Ihren Schwerbehindertenausweis. Steht dort das Merkzeichen „aG“ oder „G“? Dann gehört eine Kopie Ihres SB-Ausweises unbedingt zum Antrag auf Grundsicherung dazu. Denn auf diese Weise bekommen Sie 17 Prozent des Regelbedarfes mehr – und das jeden Monat.

Ein Beispiel: Weil er alleinstehend ist, steht Horst B. ein Regelbedarf in Höhe von 432 Euro zu. Davon muss er Lebensmittel, Kleidung, Strom und vieles andere bezahlen. Da Horst B. einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „G“ hat, bekommt er aber gut 73 Euro mehr vom Amt (17 Prozenjt von 432 Euro). Weitere Vorteile des Merkzeichens „G“ finden Sie in diesem Beitrag.

Übrigens, einen Schwerbehindertenausweis beantragen Sie in Schleswig-Holstein beim Landesamt für soziale Dienste. Falls Sie bereits einen SB-Ausweis haben und überlegen, einen Verschlimmerungsantrag zu stellen, sollten Sie VORHER unbedingt diesen Beitrag lesen.

2. Haben Sie eine Hausrat- oder Haftpflichtversicherung?

Wenn Sie alleinstehend sind, gewährt Ihnen der Gesetzgeber in der Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung gerade einmal 432 Euro im Monat. Dazu kommen noch die angemessenen Kosten der Unterkunft. Da kommt mancher ins Grübeln, wie er in Zukunft etwas Geld einsparen kann, um über die Runden zu kommen. Eines sollten Sie aber ganz sicher nicht tun: Kündigen Sie auf gar keinen Fall Ihre Haftpflichtversicherung!

In der Regel kostet diese ein paar Euro im Monat. Ein wenig teurer ist möglicherweise Ihre Hausratversicherung. Doch Sie sichern damit elementare Risiken ab. Und jetzt kommen wir zum relevanten Punkt: Bei der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch XII werden die Beiträge für beide Versicherungsarten angerechnet. Mit anderen Worten, das Sozialamt bezahlt sowohl Ihre Haftpflicht- als auch Ihre Hausratversicherung. Achten Sie bitte bei Ihrem Antrag auf Grundsicherung ganz besonders auf diesen Punkt.

Eine Einschränkung gibt es bei dieser guten Nachricht jedoch: Die Versicherungsbeiträge können Sie in der Grundsicherung nur von Ihrem Einkommen absetzen. In der Regel ist das eine kleine Rente, die Sie neben der Grundsicherung beziehen. Wenn Sie jedoch über keinerlei eigene Einkünfte verfügen, müssen Sie die Versicherung weiterhin selbst bezahlen.

3. Sind Sie Mitglied im Sozialverband?

Die Mitgliedschaft im SoVD Schleswig-Holstein kostet zurzeit 6,90 Euro im Monat. Das klingt erst einmal nicht viel. Für jemanden, der von 432 Euro leben muss, ist aber auch dieser Betrag ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

Wenn Sie als Mitglied unsere Sozialberatung in Anspruch genommen haben, gibt es jedoch auch für dieses Problem eine Lösung. Denn in diesem Fall kann der Mitgliedsbeitrag zum Sozialverband ebenfalls auf die Grundsicherung angerechnet werden. Genauso wie bei Haftpflicht- und Hausratversicherung übernimmt dann die Sozialbehörde für Sie diese sechs Euro im Monat.

Fazit:

Beim Antrag zur Grundsicherung gilt es, besonders diese drei Fragen zu beachten. Selbst wenn Sie bereits seit einiger Zeit Grundsicherung bekommen, können Sie sich bei Ihrem zuständigen Amt melden, um eine Änderung zu beantragen. Es zahlt sich aus.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

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Kommentare (13)

  • Kohler, Margareta
    Kohler, Margareta
    am 13.05.2019
    Dankeschön für ihre wertvollen Hinweise für alle Menschen mit Behinderung.
  • Rolf Unger
    Rolf Unger
    am 13.11.2019
    Hallo. Danke für Ihre Infos.
    Frage: Wird eine Rechtsschutzversicherung auch bei der Grundsicherung angerechnet / berücksichtigt ? MfG. R. Unger.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 13.11.2019
    Hallo Rolf, das wird in der Praxis unterschiedlich gehandhabt, siehe hier: https://rechtsanwalt-und-sozialrecht.de/versicherungsbeitraege-einkommen-berechnung/
  • Lauenburger
    Lauenburger
    am 07.02.2020
    I Wird die Hausratversicherung vom Sozialamt übernommen...oder wird sie mir von meinem Bedarf abgezogen.?Ich bin alleinstehend (Witwe) und bekomme Grundsicherung,letzte Woche war ich auf dem Sozialam und die Sachbearbeiterin erklärte mir das mir die Hausratvers abgezogen wird weil das als Einkommen zählt,ich überweise aber persönlich die Beiträge für die HRVS ,das kommt mir nicht ganz korrekt vor.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 10.02.2020
    Hallo, die Beiträge zur Hausratversicherung werden beim zu berücksichtigenden Einkommen abgezogen. So wird weniger von Ihrer Rente (oder anderen Einkünften) bei der Grundsicherung angerechnet. Es ist richtig, dass Sie die Beiträge weiter selbst beim Versicherer bezahlen.
  • Egon Klee
    Egon Klee
    am 23.06.2020
    Hallo! Kann ich als Grundsicherungs empfänger meine seit 2016 geltende Haftpflichtvericherung rückwikend geltend machen,? /Kosten wurden nicht berechnet)
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 23.06.2020
    Hallo Egon, normalerweise geht das nicht rückwirkend. Es gibt jedoch die Möglichkeit, einen "Überprüfungsantrag" zu stellen. Mit etwas Glück bekommen Sie so zumindest einen Teil der Beiträge zurück.
  • Tina Be
    Tina Be
    am 29.07.2020
    Guten Tag, vielleicht stelle ich mich jetzt echt dumm an, aber was heißt bitte, beide Versicherungen werden angerechnet? Ich habe kein Einkommen, bekomme Grundsicherung, bin auch noch schwerbehindert, also besteht noch eher Gefahr, etwas kaputt zu machen und mein Amt verweigert die Übernahme der Versicherungen. Was kann ich dene da vorlegen, damit sie die Ernsthaftigkeit erkennen und doch noch bezahlen?
    Vielen Dank im voraus MfG
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 29.07.2020
    Hallo Tina, natürlich ist das keine dumme Frage. Die Beiträge zu Haft- und Hausratversicherung werden bei Ihrem Einkommen angerechnet, das heißt: Wenn Sie Grundsicherung bekommen, dann sicherlich neben einer Alters- oder Erwerbsminderungsrente. Und hier werden dann die Versicherungsbeiträge abgezogen, so dass die Behörde diese Zahlungen indirekt für Sie übernimmt.
  • Frank Lemnitzer
    Frank Lemnitzer
    am 26.08.2020
    Ich habe keinerlei Einkommen/Rente etc u. beziehe nur Grundsicherung auf Grund Erwerbsminderung. Ich bezahle monatlich 8€ für meine Hausrat-u. Haftpflichtversicherung. Bei der Antragstellung wollte das Amt auch die Nachweise dafür haben. Allerdings wurde meine Versichrungsbeiträge bei der Grundsicherungsberechnung nicht berücksichtigt. Also muß ich, wenn ich KEIN Einkommen habe, wo man die Versicherungsbeiträge absetzen kann, die Versichungsbeiträge doch selbst zahlen? Und die Versicherungsbeiträge werden nur übernommen, wenn ein Einkommen da ist? Das ist ungerecht!
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 27.08.2020
    Hallo Frank, Sie haben Recht. Wer neben der Grundsicherung über keinerlei regelmäßige Einkünfte verfügt, kann leider auch keine Beiträge von diesem Einkommen absetzen.
    Danke für Ihren Hinweis, wir haben unseren Beitrag dahingehend etwas präziser formuliert.
  • Oppermann Marika
    Oppermann Marika
    am 25.12.2020
    Hallo,ich habe ca.3 Wochen vor unserem Umzug telefonisch mit dem Grundsicherungsamt Kontakt aufgenommen, und die finanzielle Situation geschildert, kleine Erwerbsunfähigkeitsrente,Freundin arbeitet nur 4 Stunden. Mir wurde gesagt ich bekäme nur 8,76 € und soll Wohngeld beantragen, da die Sätze erhöht wurden und ich mehr Wohngeld bekomme.2 Zeugen hörten über Lautsprecher das komplette Gespräch mit ,zudem habe ich einen dauerhaften Schwerbehindertenausweis mit 70 %.Wohngeldantrag habe ich gestellt,wurde abgelehnt.Nun will Grundsicherungsamt keine Kosten für den Umzug erstatten,zudem bräuchten wir ei inge Möbel/G3brauchte Küche, ect. Des Weiteren habe ich in diesem Jahr 20 Kilo an Gewicht verloren,nichts passt mehr.Habe eine Laktoseintoleranz und benötige spezielle Nahrungsmittel und Medikamente hierfür.Was kann ich tun?Wer kann mir bitte helfen?606 € Kaution sind auch noch offen.Herzlichen Dank für eure Ratschläge Marika

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