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Krankengeld und Hinzuverdienst

Aktuelles Gesundheit

Wer Krankengeld bezieht, kann auch nicht arbeiten. Das sollte man zumindest meinen. Doch so ganz korrekt ist diese Aussage nicht - denn die Arbeitsunfähigkeit bei Krankengeld bezieht sich erst einmal nur auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit.

Krankengeld und Hinzuverdienst

Wahrscheinlich wissen Sie, dass es im Krankheitsfall nur sechs Wochen lang weiter Gehalt gibt - die sogenannte Lohnfortzahlung. Wenn Sie anschließend immer noch nicht arbeiten können, erhalten Sie nun Krankengeld. Und haben damit im Schnitt rund 20 Prozent weniger im Portemonnaie. Mehr zur Berechnung des Krankengeldes erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wer also gesundheitsbedingt längere Zeit flachliegt, bekommt das schnell auch finanziell zu spüren. Vermutlich vor diesem Hintergrund hat uns folgende Leserfrage erreicht: Ist es eigentlich möglich, im Bezug von Krankengeld einer Nebenbeschäftigung nachzugehen?

Minijob im Krankengeld: Darf ich hinzuverdienen?

Diese Frage müssen wir aus zwei Perspektiven angehen: Einmal schauen wir uns die Frage der Arbeitsunfähigkeit an. Wir wollen also wissen, ob die Krankmeldung an sich auch eine Nebenbeschäftigung ausschließt. Erst wenn das geklärt ist, widmen wir uns dem zweiten Aspekt. Wie sieht das Ganze dann finanziell aus?

Arbeitsunfähig - was heißt das?

Wenn Sie zum Arzt gehen und sich krankschreiben lassen, bezieht sich diese Krankmeldung immer auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit. Dazu ein kurzes Beispiel:

Doris aus Gettorf arbeitet als Bürokauffrau in einem mittelständischen Betrieb. Nach einer Krebsdiagnose wird sie krankgeschrieben und erhält zunächst Lohnfortzahlung und nach Ablauf von sechs Wochen Krankengeld von ihrer Krankenversicherung.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - also der gelbe Zettel - bezieht sich auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit. Da Doris im Büro arbeitet, ist sie für genau diese Tätigkeit krankgeschrieben.

Und genau vor diesem Hintergrund bezieht Doris aus dem Beispiel nun Krankengeld. Sollte sie trotz ihrer Krebserkrankung gesundheitlich in der Lage sein, "nebenbei" etwas anderes zu machen - dann wäre das theoretisch möglich. In unserem Beispiel ist das allerdings schwer vorstellbar. Wäre Doris im echten Leben Gerüstbauerin, könnten wir ein realistischeres Szenario entwerfen: Für den Hauptjob krankgeschrieben, da dieser körperlich zu fordernd ist. Der Minijob als Spielhallenaufsicht wäre aber noch im Rahmen des Möglichen.

"Der gelbe Zettel, also die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, bezieht sich immer auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit."

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

Rein theoretisch könnte man in dieser Konstellation also einem Nebenjob nachgehen. Ohne das Krankengeld zu verlieren. Aber: In der Praxis macht ein solches Vorgehen überhaupt keinen Sinn. Und zwar aus zwei Gründen.

Für das erste Argument bleiben wir beim Begriff der Arbeitsunfähigkeit. Denn im echten Leben macht die Krankenkasse häufig Probleme, wenn in einem solchen Szenario ein Zweitjob ins Spiel kommt. Dann kann die Kasse anzweifeln, dass die Krankmeldung für den Hauptjob gerechtfertigt ist. In der Regel läuft das dann über den Medizinischen Dienst (früher MdK), der jetzt nach Aktenlage prüft, ob Sie überhaupt noch krank sind. Auch für den Hauptjob. Um es ganz deutlich zu sagen: Wer im Krankengeld-Bezug einem Nebenjob nachgehen will, gefährdet damit die Zahlungen der Krankenkasse.

Nebenjob beim Krankengeld: Wie viel Geld darf ich behalten?

Aber nehmen wir einfach mal an, der Begriff der Arbeitsunfähigkeit spielt in Ihrer Situation keine Rolle. Die Krankenversicherung zweifelt also nicht an, dass Sie tatsächlich krank sind. Würde es sich finanziell lohnen, im Bezug von Krankengeld zu arbeiten?

Nein, in aller Regel nicht. Denn in diesem Fall wird Ihr kompletter Verdienst aus der Nebentätigkeit auf Ihr Krankengeld angerechnet. Sie erhalten aus einem Minijob 300 Euro im Monat? Dann würde dieses Geld zu 100 Prozent im Krankengeld aufgehen, wenn dieses ebenfalls mindestens 300 Euro beträgt. Sie sehen also: Wer arbeitsunfähig ist und Krankengeld bezieht, hat - normalerweise - keinen Grund, einer Nebentätigkeit nachzugehen.

Fazit

Theoretisch ist ein Nebenjob im Krankengeld also möglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Nebentätigkeit im Rahmen eines Minijobs oder freiberuflich erfolgt. Grundsätzlich geht es um die Frage: Besteht die Krankmeldung tatsächlich nur für den Hauptjob? Oder hat die Erkrankung auch Auswirkungen auf den Nebenberuf?

Doch selbst wenn das zu "Ihren Gunsten" geklärt ist, wird das Einkommen aus dem Zweitjob komplett auf Ihr Krankengeld angerechnet. In aller Regel ist dieser Weg also sinnlos.


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