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Wie muss ein barrierefreies WC aussehen?

Wir kommen viel in Schleswig-Holstein herum. Oft schauen wir uns Gebäude an, die für eine Auszeichnung mit dem SoVD-Gütezeichen vorgeschlagen worden sind. Bei jedem dieser Besuche gibt es einen besonders kritischen Moment: Der Blick ins Behinderten-WC (oder besser: ins barrierefreie WC).

 

Worauf kommt es an?

Die meisten Menschen verbinden ein barrierefreies WC mit Rollstuhlfahrern. Eine ganze Menge Maßnahmen, die in barrierefreien Anlagen zu finden sind, haben tatsächlich Menschen mit Gehbehinderung im Blick: Automatisch öffnende Türen, Stützgriffe links und rechts von der Toilette, höhenverstellbare Spiegel etc. Doch barrierefreie Toiletten sind selbstverständlich auch für Menschen mit anderen Behinderungen gedacht – etwa Nutzer mit einer Sehbehinderung.

 

Zunächst einmal müssen barrierefreie Toiletten zu erreichen sein. Bestens geeignet sind hierfür auf Knopfdruck öffnende Türen. Die Schalter sollten farblich von der Wand abgehoben werden, damit sie auch von Menschen erkannt werden, die nicht gut sehen können.

 

Der Schalter hebt sich farblich von der Wand ab.

 

Ist das nicht möglich, empfehlen wir bei nach außen öffnenden Türen die Installation eines „Rückholgriffs“. Dabei handelt es sich um eine Stange aus Kunststoff, Holz oder Metall (ähnlich einem Handtuchhalter), die an der Innenseite der Tür angebracht wird. Will man die WC-Tür von innen schließen, ist der Rückholgriff für Menschen mit Gehbehinderung eine große Hilfe. Denn auf diese Weise müssen Rollstuhlfahrer nicht rückwärts fahrend nach vorne greifen, um die Türklinke zu ergreifen. Das Ziehen am Rückholgriff genügt, um die Tür komfortabel zu schließen.

 

Rückholgriff an der Innenseite einer WC-Tür

 

Noch ein Hinweis: Einen Rückholgriff können Sie in jedem Sanitätshaus erwerben. Denselben Zweck erfüllen aber auch Handtuchhalter oder dieses günstige Utensil eines großen schwedischen Möbelhauses.

 

Die meisten Behinderten-WC verfügen über normale Schlösser, die von innen über einen Drehgriff verriegelt werden können. Häufig sieht man jedoch barrierefreie Anlagen, in denen der sogenannte Euro-WC-Schlüssel gebraucht wird. Wenn Sie berechtigt sind, einen solchen Schlüssel zu besitzen, können Sie ihn beim Verein CBF Darmstadt anfordern. Befindet sich das Behinderten-WC in einer öffentlichen Anlage mit Publikumsverkehr, ist es darüber hinaus meist möglich, den Schlüssel am Empfang bzw. Informationsschalter auszuleihen.

 

Kleinigkeiten machen den Unterschied

Ein barrierefreies WC sollte an der Toilette selbst über Stützgriffe an beiden Seiten verfügen. Nur auf diese Weise können sich Menschen mit Gehbehinderung ohne fremde Hilfe vom Rollstuhl auf die Schüssel umsetzen. Um das Abspülen zu erleichtern, sind Schalter in den Stützgriffen optimal.

 

Barrierefreies WC mit Stützgriffen an beiden Seiten

 

Mit dem Schalter im Stützgriff kann die Spülvorrichtung betätigt werden.

 

 

In jedem barrierefreien WC sollte es die Möglichkeit geben, Alarm auszulösen. Das kann zum Beispiel bei einem Sturz lebenswichtig sein. In den meisten Fällen sehen wir bei unseren Besuchen Schnüre oder dünne Fäden, die in der Nähe der Toilettenschüssel von der Decke hängen. Wichtig: Die Schnur muss so weit heruntergehen, dass sie auch erreicht wird, wenn man auf dem Boden liegt. Idealerweise sollte das Ende etwa zehn Zentimeter über dem Boden hängen. Außerdem sollte die Schnur leicht erkennbar sein. Leider sehen wir sehr oft weiße Schnüre, die in den meist weiß gekachelten Bädern selbst für Menschen ohne Sehschwäche nur schlecht auszumachen sind. Hier sind farbliche Kontraste ratsam.

 

Wo ist hier die Schnur zum Auslösen des Alarms?

 

In diesem Beispiel ist die Situation auch nicht optimal gelöst:

Der rote Kegel an der Schnur ist zwar besser zu erkennen, besser wäre aber ein komplett roter Faden. Zudem hängt das Ende der Schnur zu hoch.

 

Fazit: Beim Bau eines barrierefreien WC werden oft die Kleinigkeiten übersehen. Aber die entscheiden in der Praxis oft, ob das WC von Menschen mit Behinderung selbstständig – und vor allem komfortabel – genutzt werden kann.

 

9 Gedanken zu „Wie muss ein barrierefreies WC aussehen?

  1. Hallo, alles schön und gut, aber warum werden immer die Schwerstbehinderten vergessen, die gewindelt werden müssen? Wir z.B. bräuchten einen Wickeltisch, der ausreichend lang und breit ist.
    LG Imke

    1. Ganz genauso ist es !!! Ich kann meine 22 Jährige Tochter nie unterwegs wickeln ..weil da nicht dran gedacht wird….man müsste zu der Liege auch einen Lifter haben 🙂

    2. Der Fußboden vor der Toilette muss rutschfest sein, damit man beim Hochziehen an den zwei Haltegriffen nicht mit den Beinen unter das Klobecken rutscht und unsanft mit dem Hintern auf die Fußbodenfliesen knallt (sehr schmerzhaft für die Wirbelsäule!).

  2. Und zu bedenken ist auch, dass es Menschen gibt, die Gelenk- oder Muskelerkrankungen haben, die deshalb von xen üblichen, niedrigen Toiletten aufstehen können. Auch die Stützgriffe helfen da nicht immer. Eine erhöhte Toilette wäre angebracht.

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