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Nach dem Krankenhaus pflegebedürftig – brauchen Sie Hilfe?

Nach dem Krankenhaus pflegebedürftig

 

Elsa B. war nie ernsthaft krank. Als die 91-Jährige jedoch nach einem schweren Schlaganfall ins Krankenhaus kam, war schnell klar, dass sie ohne Hilfe nicht mehr allein in ihrer Wohnung bleiben könnte. Die Familie von Elsa kümmerte sich um alles: Noch in der Klinik wurde durch den sozialen Dienst ein vorläufiger Pflegegrad erwirkt. Doch in den eigenen vier Wänden angekommen, wartete eine böse Überraschung.

 

Kein Pflegegeld nach der Eilbegutachtung

 

Das übliche Verfahren im Krankenhaus sieht so aus, dass der soziale Dienst der Klinik die Patienten vor dem Ende des stationären Aufenthaltes berät und über das weitere Vorgehen aufklärt. Bei Personen, die pflegebedürftig erscheinen, bringt der soziale Dienst selbst einen vorläufigen Pflegegrad (sehr häufig Pflegegrad II) auf den Weg. Auf diesen vorläufigen Pflegegrad haben Sie in der Regel so lange Anspruch, bis der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MdK) Sie begutachtet hat. Im Anschluss setzt Ihre Pflegeversicherung den amtlich bestätigten Pflegegrad fest.

 

Auch Elsa B. wurde nach der sogenannten Eilbegutachtung mit einem Pflegegrad II entlassen. Was sie und Ihren Angehörigen nicht aufgefallen war: Der soziale Dienst des Krankenhauses hatte im Antrag als gewünschte Leistung „Sachleistung“ angekreuzt. Dieser Antrag wurde von der Pflegeversicherung genauso angenommen – mit der Folge, dass Elsa nun ausschließlich Pflegesachleistungen bewilligt bekommen sollte.

 

„Kein Pflegegeld, nur Sachleistungen!“ – via GIPHY

 

Einen ambulanten Pflegedienst wollte die Familie von Elsa B. allerdings gar nicht beauftragen. Im Gegenteil, von Beginn an war klar gewesen, dass sich die eigenen Angehörigen innerhalb der nächsten Monate um die betagte Dame kümmern wollten. Doch die Pflegekasse berief sich in allen Telefonaten auf die im Antrag angekreuzte Sachleistung und weigerte sich, stattdessen das gewünschte und dringend benötigte Pflegegeld auszuzahlen.

 

„Das ist grundsätzlich falsch“, so Katrin Kardel aus der Sozialberatungsstelle des SoVD in Rendsburg. „Natürlich haben Sie ein Recht auf Pflegegeld. Niemand kann gezwungen werden, nach dem Klinik-Aufenthalt ausschließlich Pflege-Sachleistungen zu beziehen.“

 

In solch einem Fall heißt es also: Bleiben Sie im Gespräch mit der Pflegeversicherung hart. Lassen Sie sich nicht abwimmeln, wenn es heißt, im Antrag sei schließlich eine Sachleistung beantragt worden. Falls die Pflegekasse stur bleibt, wenden Sie sich gern an die Sozialberatung des Sozialverbands. Die Worte von Katrin Kardel machen Mut: „Wir haben in diesen Fällen alle Widersprüche gewonnen. Die Betroffenen haben alle ihr Pflegegeld bekommen, und zwar rückwirkend.“

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

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