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„Sorgen mache ich mir über die Nachfolge im Ehrenamt“

Dirk Weber ist Vorsitzender des SoVD in Heidgraben und Seestermühle

 

Wie überall in Deutschland hat das Corona-Virus auch die ehrenamtliche Arbeit des Sozialverbands in Schleswig-Holstein auf den Kopf gestellt. In unserer monatlichen Serie zum Ehrenamt im SoVD sind wir heute beim Ortsverband Heidgraben-Seestermühle. 235 Mitglieder hat der SoVD vor Ort, den Vorstand bilden unter anderem Rosemarie und Dirk Weber.

 

Wir haben mit dem Vorsitzenden über Corona, den Alltag im Ehrenamt und den SoVD an sich gesprochen. Aufgrund der nach wie vor aktuellen Kontaktsperre natürlich nicht persönlich, sondern ausschließlich per Telefon und E-Mail.

 

Hallo Herr Weber, wie sieht Ihr Ehrenamt in Zeiten von Corona aus?

Das hat nichts mehr mit dem zu tun, was wir normalerweise alles machen. Die Fahrt zum Hamburger Hafengeburtstag fällt natürlich aus. Da hatten wir 50 Anmeldungen. Dann war ein Vortrag zur gesetzlichen Betreuung geplant – kann nicht stattfinden. Sämtliche Veranstaltungen mit persönlichem Kontakt haben wir fürs erste absagen müssen. Das ist schon bedrückend, man sieht sich ja außerhalb der Familie gar nicht mehr persönlich.

 

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Ihren Mitgliedern im Ortsverband?

Das ist unterschiedlich. Einige tauchen mit dem vorläufigen Ende aller Veranstaltungen komplett ab. Andere wiederum melden sich aktiv bei uns. Jeder geht mit diesen besonderen Umständen anders um. Wir hoffen natürlich alle, dass wir bald wieder zu dem zusammen kommen, was den SoVD ausmacht. Unser Motto lautet ja nicht umsonst „Gemeinsam statt einsam“. Das kommt auf der persönlichen Ebene zurzeit leider zu kurz.

 

Können Sie als Vorsitzender denn irgendetwas machen, um Kontakt zu den Mitgliedern zu halten?

Kurz vor Ostern haben wir alle Mitglieder im Ortsverband mit einem Ostergruß angeschrieben. In normalen Zeiten haben wir so etwas bisher noch nicht gemacht. Die Reaktion darauf war durchweg positiv, wir hatten einige dankbare Anrufe. Da das Wetter in den Tagen vor Ostern schön war, haben meine Frau und ich die Briefe mit dem Fahrrad persönlich zugestellt. Dabei haben wir hier Ecken gesehen, die kannten wir gar nicht. Man muss halt immer versuchen, das beste aus der Situation zu machen.

 

Rosemarie Weber bei der Briefaktion ihres Ortsverbands für den SoVD
Rosemarie Weber bei der Briefaktion ihres Ortsverbands für den SoVD

 

Lassen wir Corona einmal beiseite. Warum engagieren Sie sich denn generell ehrenamtlich?

Ich habe das große Glück gehabt, bis zu meinem 65. Lebensjahr, ohne einen Tag arbeitslos gewesen zu sein, in meinem Beruf in Vollzeit als Angestellter arbeiten zu können. Jetzt habe ich Zeit und fühle mich auch gesundheitlich so fit, mich neuen Aufgaben zu stellen.

 

Und wie hat das mit dem Ehrenamt beim SoVD begonnen?

Das Ehrenamt „ist zu mir gekommen“. Beim Ortsverband hier in Heidgraben-Seestermühe war die Position des ersten Vorsitzenden lange nicht besetzt. Durch den plötzlichen Tod des damaligen „Ersten“ und die lange Krankheit des zweiten Vorsitzenden fand praktisch kein aktives  Vereinsleben vor Ort mehr statt. Durch meine Tätigkeit als langjähriger ehrenamtlicher Schiedsmann der Gemeinde wurde ich gefragt, ob ich diese Position für unseren Ortsverband übernehmen würde. Nachdem auch schon meine Frau dem Kreisverband Pinneberg angehörte, haben wir uns gemeinsam entschlossen, in unserem Ortsverband aktiv zu werden. Meine Frau ist jetzt meine Stellvertreterin und Frauensprecherin.

 

Aber warum bringen Sie sich beim SoVD ein? Und nicht bei einem anderen Verein?

Ich stehe voll und ganz hinter den Zielen und Aufgaben des SoVD und bin deshalb gern bereit, meine Kraft und einen Teil meiner freien Zeit dieser guten Sache zu widmen.

 

Gibt es auch Schattenseiten und besondere Herausforderungen im Ehrenamt?

Wirklich negative Argumente gibt es eigentlich bei unserem Ehrenamt hier nicht. Aber es ist natürlich wichtig darauf zu achten, dass wir als Vorstand ein Team sind und alle Entscheidungen gemeinsam beraten und dann auch nach außen gemeinsam vertreten. Sorge macht mir, wer irgendwann mein Nachfolger oder Nachfolgerin wird, denn ich werde auch älter. Wie bei allen Vereinen und Verbänden ist es schwierig, Vorstandsmitglieder für die aktive Mitarbeit zu gewinnen.

 

Gibt es ein bestimmtes Ereignis aus Ihrem Ehrenamt, an das Sie immer wieder gern mit einem Lächeln zurückdenken?

Es sind die „kleinen Dinge“ über die wir uns freuen Zum Beispiel wenn nach einer Veranstaltung oder Ausfahrt einige Teilnehmer zu uns kommen und sich für den schönen Tag oder die gute Organisation bedanken. Oder wenn sich unsere Mitglieder telefonisch für unsere Ostergrüße bedanken und man dann in ein nettes Gespräch kommt.

 

Ehrenamtlich arbeiten wäre auch für Sie ein Thema? Dann melden Sie sich bei:

Christian Schultz
Referent für Sozialpolitik
Telefon: 0431 / 98 388 – 70
Mail: sozialpolitik@sovd-sh.de

 

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

 

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2 Gedanken zu „„Sorgen mache ich mir über die Nachfolge im Ehrenamt“

  1. Da ich mich auch schon seit vielen Jahren ehrenamtlich betätige und das bislang auch im beruflichen Sektor einbringen kann, möchte ich den Kommentar unterstützen.
    Nun bin ich mittlerweile auch in der Vorstandsarbeit des SoVD angekommen, noch nicht lange aber dafür mit Spaß und Zuversicht an der Sache.
    Da ich mich in einigen Monaten mit Freude in den Ruhestand verabschieden darf, kommt mir die Mitarbeit sehr gelegen. Die Fülle an sozialen Kontakten gerade im Alter und einer ausfüllenden Betätigung, sehe ich als eine Art Garant für Zufriedenheit im Leben eines Ruheständlers.
    Ich wünsche und hoffe, das dieses derzeit ungeliebte Leben unter der Bedrohung von Corona bald zum Erliegen kommt und wir zu entspannter Verbandsarbeit zurückkehren können.

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