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30 Jahre Berufsbildungswerk Stendal

1.550 junge Menschen mit Beeinträchtigung an den ersten Arbeitsmarkt vermittelt – eine Erfolgsgeschichte.

Auszubildende mit Schubkarre in einem Gehege
Als einziges Berufsbildungswerk in Deutschland bildet das BBW Stendal seit 2005 zu Tierpfleger*innen aus. Foto: BBW Stendal

Auf eine 30-jährige Geschichte kann das Berufsbildungswerk Stendal in diesem Jahr zurückblicken. Die geplanten Feierlichkeiten im April mussten aufgrund der Corona-Pandemie leider abgesagt werden. Daher lud vor Kurzem die Geschäftsführung zu einem Pressegespräch, um die bisherige Zeit Revue passieren zu lassen sowie auf die aktuelle Situation und die kommenden Herausforderungen einzugehen. Die Jubiläumsfeier soll nun im Rahmen des Tages der offenen Tür am 23. April 2022 nachgeholt werden.

Das Berufsbildungswerk (BBW) in Stendal war mit seiner Gründung 1991 neben der Einrichtung in Bremen das zweite Berufsbildungswerk des damaligen Reichsbundes. Mit Unterstützung einiger Kolleg*innen aus Bremen starteten damals 71 Mitarbeitende in Stendal, die ab September 1991 74 Auszubildende und 35 Teilnehmende des Förderlehrganges, einer Berufsvorbereitungsmaßnahme, betreuten. Von den seinerzeit 71 Mitarbeitenden sind aktuell noch 19 im Unternehmen beschäftigt.

Ein wesentlicher Aspekt in der Geschichte des BBW Stendal ist die Zentralisierung der Ausbildungsstätten einschließlich einer Sporthalle und Mensa, die Mitte beziehungsweise Ende der 1990er-Jahre abgeschlossen war. 2005 startete man mit drei Auszubildenden die Ausbildung zum Tierpfleger – damals und bis heute als einziges Berufsbildungswerk deutschlandweit. Heute ist sie der größte Ausbildungsbereich im BBW Stendal.

Großer Arbeitgeber in der Region

Mitte der 2010er-Jahre öffnete sich das BBW auch für andere Geschäftsfelder. So führt es Projekte zur Arbeitsmarktförderung durch, betreibt mit 92 Plätzen das Wohnheim des Landkreises Stendal für Auszubildende und ist darüber hinaus eine Einrichtung der Jugendhilfe.

Die Zahlen des Berufsbildungswerkes lesen sich beeindruckend: Mit über 130 Mitarbeitenden ist die Einrichtung einer der größten Arbeitsgeber in der Region. Insgesamt haben 1.250 junge Menschen am Förderlehrgang beziehungsweise an der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) teilgenommen. 2.200 haben eine Ausbildung absolviert; 1.550 von ihnen fanden anschließend sofort ihren Platz auf dem 1. Arbeitsmarkt.

Derzeit nehmen 55 Jugendliche und junge Erwachsene an der BvB teil, während 160 eine Ausbildung in einem der neun Ausbildungsbereiche absolvieren – dazu gehören Metall- / Kfz-, Holz- und Bautechnik, Agrarwirtschaft, Ernährung, Hauswirtschaft, Gästebetreuung, Personale Dienstleistung, Wirtschaft / Verwaltung, Farbtechnik und Raumgestaltung sowie Tierpflege / Tierhaltung.

Ausbildungsbegleitende Unterstützungsangebote

Die Teilnehmenden erhalten zahlreiche ausbildungsbegleitende Unterstützungsangebote wie der „Lernort Wohnen“, in dem etwa zwei Drittel von ihnen untergebracht sind. Auch Case Manager*innen / Bildungsbegleiter*innen als persönliche Ansprechpartner*innen, psychologische Beratung und Betreuung, heilpädagogische und bewegungstherapeutische Hilfen, Stütz- und Förderunterricht, sozialpädagogische Begleitung und der Integrationsdienst gehören dazu. Die Mitarbeitenden der genannten, verschiedenen Professionen arbeiten in interdisziplinären Teams zusammen.

In der 30-jährigen Geschichte des BBW hat es einen Wandel der Beeinträchtigungen der Teilnehmenden gegeben. Während sie in den 1990er-Jahren zumeist Lernbeeinträchtigungen besaßen, nahmen zunehmend psychische Beeinträchtigungen eine immer größere Rolle ein. Mittlerweile haben Teilnehmende nicht selten sowohl lern- als auch psychische, also mehrfache Beeinträchtigungen. Zu den häufigsten psychischen Beeinträchtigungen zählen ADHS, Autismus, Borderline-Syndrom, Depressionen sowie Persönlichkeitsstörungen.

Im Zuge der Corona-Pandemie mussten die Lernformen seit März 2020 immer wieder vom Präsenzbetrieb auf einen kombinierten Heimlern-/ Präsenzbetrieb umgestaltet werden. Die Ausbildungsergebnisse zeigen, dass dies keine negativen Auswirkungen auf den Ausbildungsbetrieb hatte. Rainer Erdmann, Geschäftsführer des BBW, stellt in diesem Punkt das überaus hohe Engagement und die Kreativität der Mitarbeitenden heraus.

Teilnehmende auch für soziale Anforderungen fit machen

Oberste Priorität der Arbeit im BBW Stendal wird es weiterhin sein, durch die Sicherstellung der Ausbildungsinhalte dafür zu sorgen, dass auch künftig Teilnehmende mit Beeinträchtigungen für den ersten Arbeitsmarkt „fit“ gemacht werden. Neben der reinen Berufsausbildung findet deshalb auch die Vorbereitung auf die sozialen und gesellschaftlichen Anforderungen des Lebens viel Berücksichtigung.

Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung und den Herausforderungen stellt das BBW drei Aspekte heraus: Zur Verbesserung der Situation im Lernort Wohnen ist in den nächsten Jahren eine umfangreiche Sanierung der beiden Gebäude in der Werner-Seelenbinder-Straße geplant.

Die Pandemie hat zudem gezeigt, dass die Digitalisierung von Lerninhalten und Lernmethoden forciert werden muss. Dies wird ein Schwerpunkt der Arbeit im BBW sein. Auch geht es darum, die Attraktivität der Einrichtung als Arbeitgeber aufrechtzuerhalten und zu fördern, um das für die Ausbildung und Betreuung der Teilnehmenden erforderliche Fachpersonal sicherzustellen.

„Es gibt viele Herausforderungen und Anforderungen, die vor uns liegen. Mit unseren tollen Mitarbeitenden, unserer 30-jährigen Erfahrung sowie unserer regionalen und überregionalen Vernetzung freuen wir uns darauf, diese in den nächsten Monaten und Jahren anzugehen“, macht BBW-Geschäftsführer Rainer Erdmann deutlich. 

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