Abrechnungs-Gaga bei der Krankenkasse
Aktuelles Gesundheit
Stellen Sie sich vor, Sie müssen wegen Schulterschmerzen ins MRT. Auf so einen Termin wartet man manchmal einige Wochen, oft auch Monate. Weil Ihre Schultern auf beiden Seiten Probleme bereiten, müssen Sie sogar zweimal in die Röhre. Und jetzt der Knaller: Aufgrund eines wirklich hanebüchenen Abrechnungs-Irrsinns müssen Sie für diese Prozedur an zwei unterschiedlichen Tagen in die Praxis kommen.
Zu verrückt, um wahr zu sein? Leider nicht – denn genau das hat unser Mitglied Katharina Schütt aus Eutin erlebt. Die Schultern der 69-Jährigen schmerzen seit über einem Jahr – eine echte Einschränkung im Alltag. Dank ihres Orthopäden konnte sie nun endlich im Mai ins MRT. Doch dafür musste sie nicht einmal nach Lübeck fahren, sondern zweimal: „Ich habe erst gedacht, da will mich jemand auf den Arm nehmen“, erinnert sie sich, als wir sie in Eutin besuchen. „Aber die nette Mitarbeiterin in der Praxis sagte, dass das nicht anders geht. Auch wenn sie das selbst für Schwachsinn hielt.“
Worum genau geht es? Wir haben bei der Krankenkasse von Frau Schütt nachgehakt. Der Pressesprecherin der Knappschaft-Bahn-See ist zwar wichtig zu betonen, dass die Krankenkasse eine doppelte MRT-Untersuchung am Tag nicht verbietet. Aber in den folgenden Zeilen offenbart sich das ganze Abrechnungs-Wirrwarr.
Denn verantwortlich für die Abrechnungsmodalitäten sei der sogenannte einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM). Der wiederum werde von Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des GKV-Spitzenverbandes erstellt. Mit anderen Worten: von den Krankenkassen.
Und jetzt der Knaller:
Die Knappschaft Bahn-See schreibt weiter: „Dem behandelnden Arzt ist es somit grundsätzlich möglich, beide Schultern an einem Tag zu untersuchen. Es kann jedoch keine mehrfache Abrechnung der Gebührenposition erfolgen.“ Soll heißen: Natürlich dürfe der Arzt die beiden MRTs am gleichen Tag durchführen. Er bekommt dann aber eben nur einmal Geld dafür.

Alfred Bornhalm, dem Landesvorsitzenden des SoVD in Schleswig-Holstein, platzt bei dieser Argumentation fast die Hutschnur. Er sagt: „Wir leisten uns eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit die ausufernde Bürokratie. Das geht doch an jedem gesunden Menschenverstand vorbei.“ Bornhalm weiter: „Die Politik ist dafür verantwortlich ein effizientes und gerechtes Gesundheitssystem vorzuhalten. Das, was Frau Schütt hier erlebt hat, ist das Gegenteil davon. Wir fordern die Politik auf: Kommt raus aus Eurem Elfenbeinturm und macht endlich wieder Politik für die Menschen in diesem Land!“
Katharina Schütt aus Eutin ist froh, dass die Behandlung jetzt durch ist. „Ich habe ja kein Auto und musste deswegen zweimal eine Freundin um Hilfe bitten.“ Sie hofft, dass die nächsten Arztbesuche wieder einfacher über die Bühne gehen.
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