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5 Fragen zum Entlastungsbetrag in der Pflegeversicherung

Pflege Behinderung Gesundheit

Christa R. aus Itzehoe war 68, als sie die Treppe hinunterstürzte. Seitdem ist nichts mehr so wie früher. Richtig erholt hat sich die gebürtige Hamburgerin nie wieder. Da sie nicht mehr alles selbst erledigen kann, haben ihre Kinder Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragt. Beim Sichten aller Ansprüche fiel ihnen eine Leistung besonders ins Auge – der sogenannte Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro.

1. Wofür ist der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro im Monat gedacht?

Eines vorweg: Der Entlastungsbetrag darf nicht für eine zusätzliche Grundpflege ausgegeben werden. Dies ist lediglich im Pflegegrad 1 möglich, in dem die Betroffenen weder Pflegegeld noch Geld für die ambulante Pflege bekommen.

Wofür aber dann? Es soll um unterstützende Angebote im Alltag gehen. Konkret heißt das etwa Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen. Ebenso kann der Entlastungsbetrag für die Teilhabe im normalen Leben genutzt werden. Begleitung beim Spaziergang, Tätigkeiten wie Vorlesen, ins Kino gehen etc. Als pflegender Angehöriger können Sie die 125 Euro auch für Leistungen der Kurzzeitpflege einsetzen – zum Beispiel, wenn Sie einmal eine Auszeit von der Pflege benötigen.

2. Bekomme ich den Entlastungsbetrag auch im Pflegegrad 1?

Ja, die 125 Euro können von allen Bedürftigen abgerufen werden, die im häuslichen Umfeld gepflegt werden und mindestens Pflegegrad 1 zuerkannt bekommen haben. Wer stationär in einem Heim gepflegt wird, bekommt den Entlastungsbetrag demnach nicht.

3. Wo muss ich den Entlastungsbetrag beantragen?

Personen oder Firmen, die Dienstleistungen für Sie erbringen, müssen diese Tätigkeiten mit einer Rechnung bzw. Quittung belegen. Darauf muss genau erkennbar sein, um welche Leistungen es sich handelt – inklusive dem Preis. Diese Belege reichen Sie dann bei Ihrer Pflegeversicherung ein. Die erste Rechnung, die bei Ihrer Kasse eingeht, gilt gleichzeitig als Antragstellung für den Entlastungsbetrag.

4. Ich habe den Entlastungsbetrag bisher nicht abgerufen. Verfallend die 125 Euro nach jedem Monat?

Nein, der monatliche Entlastungsbetrag kann auch rückwirkend beantragt werden. Selbst im Folgejahr können Sie Ihre Ansprüche noch geltend machen – allerdings nur bis zum 30. Juni. Anschließend kommen Sie an das Geld aus dem Vorjahr nicht mehr heran.

5. Warum nutzt kaum jemand den Entlastungsbetrag?

Diese Frage haben wir uns beim Sozialverband Schleswig-Holstein auch gestellt. Grundsätzlich sind die 125 Euro eine gut gedachte zusätzliche Hilfe für Menschen, die zu Hause gepflegt werden.

„Verstehst Du das?“

Das Problem sind die Details. Leistungen, die über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden können, dürfen nur von zertifizierten Dienstleistern erbracht werden. In Schleswig-Holstein ist die zuständige Stelle das Sozialministerium. Ganz konkret heißt das etwa, dass Mitarbeiter einer zertifizierten Firma einen mehrstündigen Kurs zum Umgang mit demenzkranken Menschen besuchen müssen. Auch wenn eigentlich nur sauber gemacht werden soll. Viele Firmen scheuen diesen bürokratischen Aufwand – und wo es kein Angebot gibt, da gibt es auch kaum Nachfrage.

Noch abstruser wird der Fall, wenn es um die Nachbarschaftshilfe geht. Prinzipiell ist das möglich und auch so gewollt: Nachbarn oder Freunde, die Pflegebedürftigen unter die Arme greifen, sollen über den Entlastungsbetrag eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten. Aber auch hier geht nichts ohne Antrag. Innerhalb von sechs Monaten müssen die freiwilligen Helfer sogar einen 20-stündigen Pflegekurs nachweisen – auch wenn es nur darum geht, ab und an mal einen Einkauf zu übernehmen.

Fazit: Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro ist eine gut gemeinte Weiterentwicklung in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die bürokratischen Details verhindern allerdings, dass er das leisten kann, wofür er eigentlich eingeführt wurde: leichte und unkomplizierte Unterstützung für Menschen, die zu Hause gepflegt werden.

Sie benötigen eine individuelle Beratung zu den Leistungen der Pflegeversicherung? Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, auch bei Auseinandersetzungen mit der gesetzlichen Pflegeversicherung.

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Kommentare (25)

  • Resi
    Resi
    am 06.11.2018
    Steht dieser auch zu, bei PSG III SGB XII Hilfe zur Pflege, Pflege Grad II
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 06.11.2018
    Der Entlastungsbetrag wird auch bei Pflegegrad II gezahlt, allerdings nicht für Bewohner von Pflegeheimen. Es geht nur um die häusliche Pflege.
  • Claudia König
    Claudia König
    am 06.11.2018
    Ich arbeite seit 20 Jahren in der Pflege und mache gerade mein Examen. Darf ich jemanden helfen über diese Entlastungskosten? Wenn ja wie geht das?
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 07.11.2018
    Hallo Claudia, das wird als anerkannte Praxis für die Nachbarschaftshilfe ziemlich sicher ausreichen. Bitte erkundigen Sie sich direkt beim Sozialministerium, ob Ihnen noch etwas zur Anerkennung fehlt: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/P/pflegeRatHilfe/pflegeRatHilfe_Nachbarschaftshilfe.html
  • Ansel steinhauer
    Ansel steinhauer
    am 08.11.2018
    Es gibtgrosses Engagement um die Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige nutzbar zu machen.
    Die P17 petitionen haben genau dieses zum Ziel.
    Bitte lest es durch, macht mit, unterschreibt alle 17 Petitionen.
    Gemeinsam können wir etwas erreichen
    https://www.openpetition.de/organisation/eb-fanclub-brd
    Es ist viel zu lesen... Es ist kompliziert... Ubd genau deswegen soll es einheitlich vereinfacht werden!
    Hier sind mehr Infos dazu
    www.entlastungsbudget.de
  • Rudolf Enzmann
    Rudolf Enzmann
    am 29.11.2018
    Ich bin selbst "Pflegender Angehöriger" und pflege meine Frau mit PG4 seit vielen Jahren. Ich würde aus Erfahrung eine gemeinsame, erleichterte Regelung des Entlastungsbetrags in allen Bundesländern befürworten und unterstützte alle 17 Petitionen durch meine Unterschrift.
  • Rainer Präpst
    Rainer Präpst
    am 12.12.2018
    Hallo Herr Schulz, meine Frau hat Pflegegrad 1 benötigt keine Pflege am Körper, und wir suchen eine Haushaltshilfe/Nachbarschaftshilfe für das Haus - nur keine der Bewerber/innen hat so einen zerfizierten Kurzlehrgang. Mal hört man es sind 8 Stunden oder 20 Stunden Pflegekurs-Frage: Was stimmt und wo kann der Bewerber diesen Kurs erhalten ? Wir haben div. Pflegestützpunkte/ -Einrichtungen angerufen aber keine konkrete Auskunft erhalten
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 13.12.2018
    Hallo Herr Präpst, fragen Sie bitte beim Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe nach - die haben in der Regel eine Liste von Einrichtungen, wo diese Fortbildung gemacht werden kann.
  • Christa Simons
    Christa Simons
    am 12.04.2019
    Ich lebe in Österreich und habe den pflegegrad 2 und beziehe Pflegegeld von der deutschen krankenkasse. kann ich auch den entlastungsbeitrag beantragen.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 15.04.2019
    Hallo Christa, diese Frage können wir hier im Blog nicht abschließend beantworten. Ich halte es aber für unwahrscheinlich, weil die Abwicklung des Entlastungsbetrags von den einzelnen Bundesländern in Deutschland festgelegt wird. Fragen Sie bitte bei Ihrer Pflegekasse direkt nach!
  • Heinz Müller-Godewitt
    Heinz Müller-Godewitt
    am 10.07.2019
    Beispiel: von Januar bis März 2019 wurden Leistungen erbracht. Die Rechnungen wurden jeweils zum Monatsende erstellt (also alle deutlich vor dem 30.06.), aber erst nach dem 30.06. eingereicht. Frage: wird das noch vom Vorjahres-Budget 2018 erstattet oder ist das alles 2019er Budget?
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 11.07.2019
    Hallo Heinz, ich gehe davon aus, dass das Datum der Rechnung ausschlaggebend ist. Fragen Sie aber bitte noch einmal bei Ihrer Pflegekasse nach. Die Antwort können Sie gern hier posten, dieser Punkt interessiert sicherlich noch mehr Leserinnen und Leser.
  • Melanie Fischer
    Melanie Fischer
    am 23.01.2020
    Frage:
    Das entalstungsgeld wurde im Jahr 2019 nicht genutzt. Darf ich dieses nun rückwirkend und bis Juni 2020 nutzen??
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 24.01.2020
    Hallo Melanie, ja - da ist möglich. Bis Mitte des Jahres können Sie den Entlastungsbetrag aus dem Vorjahr noch verwenden. Danach verfällt das Geld.
  • Doreen
    Doreen
    am 10.03.2020
    Hallo. Ich habe noch EntlastungleistungGelder vom Jahr 2019. Meine Tochter hat PG5 und meine Schwester / also meines Tochter Tante) hatte sie letztes Jahr betreut. Ich hatte den Antrag im Januar gestellt von Jahr 2019 rückwirkend, weil uns die KK letztes Jahr sagte, das meine Schwester nicht unter den Personen der Nachbarschaftshilfe zählt. Jetzt erfuhr ich doch und kk hat sie erst zum 1.2.2020 nehmigt. Ist das richtig, das sie rückwirkend nichts bekommt, obwohl noch Gelder da sind( die ja bis 30.6.2020) genutzt werden müssen wegen Verfall.?
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 11.03.2020
    Hallo Doreen, das weiß ich leider nicht. Da empfehle ich Ihnen, einmal beim örtlichen Pflegestützpunkt nachzufragen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/pflegestuetzpunkte.html
  • Joachim Hussing
    Joachim Hussing
    am 30.06.2020
    Vielen Dank, dass Sie diesen Blog über Pflegedienste für Senioren mit anderen teilen. Meine Eltern sind alt, und sie werden in naher Zukunft einen Pflegedienst benötigen. Ich werde jetzt mit der Suche nach einem Pflegedienst beginnen, damit meine Eltern die bestmögliche Pflege erhalten können.
  • Sabine Zettl
    Sabine Zettl
    am 23.10.2020
    Wird der Entlastungsbeitrag auch bezahlt, wenn der zu Pflegende im Krankenhaus und auf Reha ist, oder entfällt er in dieser Zeit?
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 23.10.2020
    Hallo Sabine, den Entlastungsbetrag können Sie auch nutzen, wenn Sie in der Reha sind oder ein Krankenhausaufenthalt ansteht.
  • Lena Lüder
    Lena Lüder
    am 12.11.2020
    Guten Tag,
    wenn ich jemanden für die Nachbarschaftshilfe registrieren lasse, ist es richtig, dass ich erst ab dem Zeitpunkt den Entlastungsbetrag nutzen kann!? Also ich kann nicht jetzt einen größeren Betrag nutzen ( weil wir theoretisch im Jahr nichts „verbraucht“ worden ist), da die Registrierung erst in diesem
    Monat erfolgt ist? - Pflegegrad liegt schon seit ca. 3 Jahren vor!
    Danke für die Hilfe!
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 13.11.2020
    Hallo Lena, den Entlastungsbetrag können Sie nachträglich verwenden. Das, was Sie in diesem Jahr noch nicht genutzt haben, kann zum Beispiel noch bis zum 30.06.2021 ausgegeben werden. Aber eben nur für "zertifizierte Dienste" oder registrierte Nachbarschaftshelfer.
  • Anna
    Anna
    am 06.01.2021
    Mein Sohn hat pg 4. Ich habe gerade zwei Helfer über die Nachbarschaftshilfe registrieren können. Nun möchte ich Düse rückwirkend für das letzte Jahr abrechnen, geht das? Oder erst ab Registrierung? Dann müssen sie wohl ausschließlich im Dezember geholfen haben. Zusätzlich möchte ich das sachleistungsbudget dafür umwandeln. Tatsächlich zahle ich jedem 200€ im Monat. Wie genau rechne ich das am schlausten mit der Krankenkasse ab?
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 07.01.2021
      Hallo Anna, den Entlastungsbetrag können Sie - so glaube ich - auch noch rückwirkend einsetzen. Das Geld aus dem letzten Jahr bis zum 30.06.2021.

      Alle weiteren individuellen Fragen bitte mit unserer Sozialberatung klären. Oder beim regionalen Pflegestützpunkt, die Beratung dort ist kostenlos.
  • Melanie
    Melanie
    am 25.01.2021
    Eine Senior für den ich arbeite und immer zu schnell fertig bin, schickt mich ab und zu zu seiner Pflegebedürftigen Nachbarin bei der ich ebenfalls und am gleichen Tag arbeite, darf er die übrig gebliebene Zeit an seine Nachbarin verschenken, damit diese insgesamt mehr Zeit hat? Bei beiden wird über den Entlastungsbetrag finanziert.
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 26.01.2021
      Hallo Melanie, das ist leider nicht möglich. Der Entlastungsbetrag ist immer personengebunden.

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