„Deutschland steht als Sozialstaat auf der Kippe“: 300 SoVD-Aktive setzen beim 2. Sozialpolitischen Aschermittwoch starkes Zeichen gegen Sozialabbau
Aktuelles Pressemeldung
Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr und mit einer klaren Kampfansage an die aktuelle Sozialpolitik beging der SoVD Schleswig-Holstein heute seinen 2. Sozialpolitischen Aschermittwoch. Rund 300 ehrenamtlich Aktive aus dem gesamten Bundesland verwandelten die Stadthalle Neumünster bei Bier, Brezeln und Blasmusik in eine Arena für soziale Gerechtigkeit.
„Angriff auf den Sozialstaat wie seit Jahrzehnten nicht“
Schon zu Beginn setzte Hauptreferent Dr. Ulrich Schneider, langjähriger Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, den Ton des Vormittags: „Wir erleben einen Angriff auf den Sozialstaat, wie wir ihn seit Jahrzehnten nicht erlebt haben“, warnte der profilierte Sozialexperte vor den Gästen. Er zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Lage: „Deutschland steht als Sozialstaat auf der Kippe.“ Schneider untermauerte seine Kritik mit harten Fakten zur wachsenden Ungleichheit im Land.
Während 17 Prozent der Deutschen unter die Armutsgrenze fallen, besitzen die reichsten ein Prozent der Bevölkerung satte 30 Prozent des gesamten Vermögens. Trotz wirtschaftlicher Krisendebatten steige die Zahl der Milliardäre in Deutschland (aktuell 136) stetig an. Schneider kritisierte zudem scharf die jüngsten Forderungen einiger Experten nach einem sozialen Pflichtjahr für Rentner oder Sonderabgaben für die „Boomer-Generation“ als Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Verteilungsproblemen.

Alfred Bornhalm: „Klartext statt Schlagzeilenrhetorik“
Der SoVD-Landesvorsitzende Alfred Bornhalm nutzte seine Eröffnungsrede für eine deutliche Positionierung des Verbandes gegenüber der Bundesregierung. Er kritisierte, dass der Sozialstaat zunehmend zur Zielscheibe unsachlicher Angriffe werde und wichtige Leistungen wie das Elterngeld von Ökonomen als „nice to have“ diskreditiert würden.
Besonders leidenschaftlich wurde Bornhalm bei der Frage nach der Realität vieler Menschen im Norden:
„Warum in Gottes Namen nehmt ihr nicht zur Kenntnis, dass es an mehreren Stellen bei uns brennt? Zu groß ist das Auseinanderdriften der Schere zwischen Arm und Reich. Zu häufig müssen ältere Menschen öffentliche Mittel in Anspruch nehmen, weil die Rente zum Leben nicht reicht. Insgesamt gesehen haben zu viele Menschen das Gefühl, zu den Verlierern zu gehören. Und das zurecht!“

Tradition trifft Unterhaltung
Trotz der ernsten Themen kam die Stimmung nicht zu kurz. Die Marschband aus Schwarzenbek heizte den 300 Delegierten mit Klassikern wie dem „Radetzky-Marsch“ und Hits von Udo Jürgens ordentlich ein. Den humoristischen Schlusspunkt setzte der staatlich anerkannte Pantomime und Comedian „Dr. von Hase“, der mit seiner medizinischen Zaubersprechstunde bewies, dass Lachen oft die beste – wenn auch nicht die einzige – Medizin gegen politische Frustration ist.
Der SoVD Schleswig-Holstein macht mit dieser Veranstaltung deutlich: Die ehrenamtliche Basis ist bereit, in den kommenden entscheidenden Monaten lautstark für einen starken und gerechten Sozialstaat zu kämpfen.

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