Direkt zu den Inhalten springen

Die Aus- und Weiterbildung wieder stärken

SoVD-Präsident Adolf Bauer: „Nur so kann die Mittelschicht erhalten und der soziale Abstieg von Millionen Menschen verhindert werden.“

Berlin. Laut einer Studie aufgrund von Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bröckelt die Mittelschicht bei uns erheblich, besonders der untere Rand ist abstiegsgefährdet. Demnach seien allein von 2014 bis 2017 rund 22 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter in die untere Einkommensschicht gerutscht - und waren damit arm oder von Armut bedroht. Aus Sicht des Sozialverbands Deutschland (SoVD) liegt einer der Hauptgründe oftmals in mangelhafter Berufsbildung. SoVD-Präsident Adolf Bauer erklärt: „Qualifizierte Aus- und Weiterbildung sind ein Schlüssel zur Fachkräftesicherung, zur Begegnung der Digitalisierung in der Arbeitswelt und des damit einhergehenden Strukturwandels. Außerdem können mit guten Aus- und Weiterbildungsangeboten insbesondere Ältere, Frauen, Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien und Menschen mit Behinderungen gezielt gefördert und auf dem Arbeitsmarkt gehalten werden.“

Gezielte Weiterbildung sei auch die beste Prävention gegen Altersarmut, ergänzt Bauer. „Denn sie kann dazu beitragen, gerade ältere Berufstätige im Unternehmen zu halten und ihnen ein gesundes Arbeiten bis zum regulären Renteneintritt zu ermöglichen. Jedoch sollte Aus- und Weiterbildung nicht erst dann gefördert werden, wenn es für das Unternehmen sinnvoll ist, sondern in erster Linie, wenn damit ein langes gesundes Arbeiten für die Beschäftigten ermöglicht wird. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten dabei im Mittelpunkt stehen, nicht das Unternehmen."

Die Aus- und Weiterbildung zu stärken, fordert der SoVD schon lange - zuletzt ausführlich vor der Bundestagswahl. Adolf Bauer ergänzt: „Drei Maßnahmen stehen dabei im Mittelpunkt, wie beispielsweise das individuelle Recht auf lebenslanges Lernen und Weiterbildung. Außerdem sind Zeiten der Qualifizierung nicht auf die Bezugsdauer des ALG I anzurechnen und es ist sicherzustellen, dass Maßnahmen erst mit der Prüfung beendet sind und nicht schon mit Ende der Präsenzzeit. Darüber hinaus ist eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter für eine aktive Arbeitsmarktförderung unerlässlich.“ Der SoVD-Präsident appelliert daher an die Ampel: „Vieles davon hat auch Niederschlag im Koalitionsvertrag gefunden. Die neue Bundesregierung wird sich aber daran messen lassen müssen, ob sie die Verabredungen auch tatsächlich umsetzen wird. Ansonsten wird die Mittelschicht weiter bröckeln.“

V.i.S.d.P.: Peter-Michael Zernechel

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare für diesen Artikel

Neuen Kommentar schreiben

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.