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Die letzten Jahre vor der Rente - sind die wirklich besonders wichtig?

Aktuelles Rente

"Ein, zwei Jahre vor dem Beginn der Altersrente noch eine Gehaltserhöhung. Das verbessert Deine Rente exorbitant." Haben Sie so etwas auch schon einmal gehört? Uns begegnen solche Aussagen ziemlich oft. Doch stimmt das wirklich?

Die letzten Jahre vor der Rente

Zur gesetzlichen Rente hat jeder eine Meinung. Leider führt das dazu, dass bestimmte Aussagen im Umlauf sind, die nur teilweise - oder in vielen Fällen auch gar nicht - stimmen. In diesem Beitrag möchten wir uns mit dem Glauben auseinandersetzen, dass die letzten Jahre vor dem Rentenstart besonders wertvoll sind.

Führt zum Beispiel eine Gehaltserhöhung oder ein Jobwechsel in den letzten zwölf Monaten vor der Altersrente zu einem überproportionalen Booster Ihrer Rentenzahlung?

Gehaltserhöhung kurz vor der Rente

Um das zu beantworten, müssen wir uns anschauen, wie sich Ihre Rente zusammensetzt. Etwas ausführlicher erklären wir das in diesem Beitrag - oder im folgenden Video.

Aber kurz zusammengefasst können wir festhalten: Ihre individuelle Rente fußt auf vier Faktoren: dem Rentenfaktor, dem Zugangsfaktor, dem Rentenwert und den sogenannten Entgeltpunkten.

Der Rentenfaktor nimmt bei einer Altersrente den Wert "1" an. Wenn Sie in der Schule gut aufgepasst haben, wissen Sie: Wird eine Zahl mit 1 multipliziert, verändert sich das Ergebnis nicht. Diesen Punkt können wir also abschließen.


Auch der Zugangsfaktor spielt für unsere Überlegung keine Rolle. Dieser ist dann interessant, wenn Sie mit Abzügen in den Ruhestand starten. Für die Frage, ob die letzten Jahre besonders wertvoll für die Rentenhöhe sind, ist der Zugangsfaktor also nicht relevant.

Der Rentenwert hilft uns genauso wenig weiter. Denn dieser wird von der Politik festgelegt - in diesem Jahr (2021) beträgt der Rentenwert in Westdeutschland 34,19 Euro. So viel Euro ist ein Entgeltpunkt im Moment wert.

Es kommt auf die Entgeltpunkte an

Wir müssen unsere Frage also anhand der Entgeltpunkte klären. Manchmal spricht man in diesem Zusammenhang auch von Rentenpunkten. Auch den Begriff "Versicherungspunkte" hören wir im Rahmen unserer Beratung häufiger.

Einen Entgeltpunkt erhalten Sie immer dann, wenn Sie im Kalenderjahr genauso viel verdient haben wie der Durchschnitt aller versicherungspflichtigen Menschen in Deutschland. Offiziell ist das Durchschnittsengelt nach § 69 Abs. 2 SGB VI gemeint. Im Jahr 2021 liegt dieses zum Beispiel bei 40.551 Euro.

Wenn Sie weniger verdient haben, werden Ihnen auch weniger Entgeltpunkte gutgeschrieben. Ist Ihr Einkommen höher, liegt die Anzahl der neuen Entgeltpunkte für dieses Jahr über 1. Und dieser Prozess spielt sich im Hintergrund Jahr für Jahr ab. Immer und immer wieder. Bis Sie irgendwann Ihre Altersrente antreten.

Aber wird diese Berechnung in den letzten Jahren vor der Rente anders aufgestellt? Nein, wird sie nicht. Die Aussage, dass die Phase vor Ihrem Rentenbeginn besonders wichtig für eine dicke Rente ist, stimmt also nicht. Es ist ein hartnäckiges Gerücht. Mehr nicht.

"Die Höhe Ihrer Rente hängt maßgeblich von Ihren Entgeltpunkten ab. Und die werden über den Lauf des kompletten Lebens gesammelt - nicht nur in den letzten Jahren vor dem Ruhestand."

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

Fazit

Eine Gehaltserhöhung kurz vor der Rente ist eine schöne Sache. Durch das höhere Einkommen erhalten Sie für diesen Zeitraum auch einen höheren Anteil an Entgeltpunkten - im Vergleich zu Ihrem kompletten Lebenslauf wird das aber nicht dazu führen, dass Ihre Rente nun noch einmal sprunghaft durch die Decke geht.

Kommentare (1)

  • Aylin özkan
    Aylin özkan
    vor 2 Wochen
    Mit freundlichen Grüßen !

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