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Mehr Ältere online, aber große Unterschiede

Das Internet wird immer wichtiger – auch für Ältere. Im neuen Altersbericht hat die Bundesregierung untersucht, was die Digitalisierung für Senior*innen bedeutet.

Digitalisierung ist ein Megatrend der letzten Jahre. Es gibt kaum ein Gesellschaftsfeld, auf das sie keine Auswirkungen hat. Und auch ältere Menschen, die große Teile ihres (Berufs-) Lebens keinen Kontakt damit hatten, sind heute von digitaler Technik umgeben – und manchmal auch auf sie angewiesen. Wie sich die Digitalisierung auf ältere Generationen und ihren Alltag auswirkt, hat der jetzt veröffentlichte Achte Altersbericht der Bundesregierung untersucht.

Der Bericht macht deutlich, dass es eine „digitale Spaltung“ der Gesellschaft gibt. In der Gruppe der älteren Menschen ist ein deutlich größerer Anteil von der Teilhabe und den Möglichkeiten digitaler Technologien ausgeschlossen als in anderen Altersgruppen.Obgleich in den letzten Jahren zwar immer mehr ältere Menschen das Internet nutzen, ist die digitale Kluft zwischen jüngeren und älteren Menschen immer noch groß. Während in der Lebensphase rund um den Ruhestand der Anteil von Menschen mit Zugang zum Internet mit mittlerweile über 80 Prozent recht hoch ist, haben Menschen ab Mitte 70 wesentlich seltener einen Internetzugang.

Höher Gebildete eher online

Allerdings zeigt sich zugleich, dass es hier deutliche Unterschiede innerhalb der Gruppe der älteren Menschen gibt. Ältere Menschen mit niedrigem und mittlerem Bildungsstand nutzen digitale Technik deutlich seltener beziehungsweise weniger kompetent als ältere Menschen mit hohem Bildungsstand. Diese Unterschiede nehmen im höheren Alter zu. In der Altersgruppe zwischen 79 und 84 Jahren haben zwei Drittel der Personen mit hoher Bildung einen Internetzugang; bei Gleichaltrigen mit niedriger oder mittlerer Bildung dagegen nicht einmal ein Drittel.

Sichtbar sind zudem deutliche Geschlechterunterschiede: So nutzen zwar immer mehr ältere Frauen das Internet; von den über 80-Jährigen, die das Internet nutzen, waren jedoch im Jahr 2018 nur knapp 40 Prozent Frauen, während sie insgesamt in dieser Altersgruppe zwei Drittel der älteren Bevölkerung ausmachen.

Mehr Unterstützung anbieten

Die Autor*innen des Berichts fordern, Zugangs- und Nutzungshindernisse abzubauen, um die digitale Exklusion bestimmter Gruppen zu verhindern. Dazu regen sie an, älteren Menschen mit wenig Einkommen durch finanzielle Hilfen sowie niedrigschwellige und zielgruppenspezifische Informations- und Bildungsangebote, zu unterstützen.

Zudem attestieren sie den Senior*innen und ihren Angehörigen eine hohe Bereitschaft, Technologien zur Alltagsunterstützung in der Wohnung anzuschaffen und zu nutzen, wenn mit ihrer Hilfe die Selbständigkeit in den eigenen vier Wänden bewahrt wird. Hier fehle es aber oft an Information und Beratung, zudem seien die Anschaffung –und Betriebskosten oft noch zu hoch.

Fehlende Infrastruktur in Pflegeheimen

Due Autor*innen kritisieren außerdem, dass es kaum Pflegeheime mit Internetanbindung für die Bewohner*innen gibt. Sie fordern eine Grundausstattung mit WLAN, damit die Bewohner*innen ihre digitalen Geräte nutzen können, um Informationen abzurufen, Musik oder Filme zu übertragen, einen Sprachassistenten zu nutzen oder per Video mit dem Freundeskreis oder Verwandten zu kommunizieren.

Das Internet kann gegen Einsamkeitsgefühle helfen: Wenn ältere Menschen digitale Kommunikationsmedien und das Internet nutzen, sind sie sozial besser integriert und haben weniger Einsamkeitsgefühle als vorher. Dies gilt vor allem dann, wenn vorhandene soziale Beziehungen auch mithilfe der digitalen Technologien gepflegt werden. Mit dem Alter sinkt jedoch die Zahl der Bekanntschaften in digitalen sozialen Netzwerken. Ältere Menschen ziehen offenbar den analogen Austausch mit Familienmitgliedern und dem Freundeskreis dem digitalen Austausch deutlich vor.

Nur online ist keine Lösung

Die Digitalisierung bietet viel Potential, das Leben für ältere Menschen zu erleichtern und an der Gesellschaft teilzuhaben. Zugleich kann sie aber auch ein Gefühl der Überforderung verursachen – beispielsweise, wenn bestimmte Leistungen im Alltag (wie etwa Fahrkarten kaufen oder Bankgeschäfte) nur noch online möglich sind.

Für den SoVD ist es wichtig, die im Bericht angeregten Vorschläge umzusetzen, um die gesamte Gesellschaft am digitalen Fortschritt teilhaben zu lassen. Dies gilt für Bereiche wie Wohnen, Mobilität, Gesundheit, Gesundheit oder auch die Versorgungsstrukturen vor Ort. Es müssen sowohl die Menschen unterstützt und befähigt werden, die neue Technik zu nutzen. Zugleich müssen aber auch die Anbieter und verantwortlichen Stellen attraktive Angebote für ältere und vielleicht weniger netzaffine Personen entwickeln. Klar ist dabei aber auch: Eine Art „Online-Pflicht“ darf daraus nicht entwachsen.

Zum kompletten Altersbericht.

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