„Nur unten zu sitzen, hat mir noch nie gereicht“
Aktuelles Ehrenamt Über uns
Wie genau sieht Ehrenamt im SoVD Schleswig-Holstein aus? Sehr unterschiedlich bei rund 4000 ehrenamtlich Aktiven in über 300 Ortsverbänden. In unserer Serie sprechen wir deshalb jeden Monat mit jemandem aus dem Ehrenamt – dieses Mal mit Franz Neumann aus dem Ortsverband Kiel-Schwentine.
Herr Neumann, viele genießen im Ruhestand die neugewonnene Freizeit. Sie hingegen stecken viel Energie in das Ehrenamt beim SoVD. Warum tun Sie sich das eigentlich noch an?
Wissen Sie, ich bin ein Mensch, der einfach immer etwas tun muss. Das liegt wohl in der Familie – mein Vater hat gearbeitet, bis er 73 war. Wir hatten früher zwei Schuhgeschäfte hier in Dietrichsdorf, da habe ich schon als Sechsjähriger mit angepackt.
Diese Arbeitsmoral legt man nicht einfach ab. Bevor ich zum SoVD kam, war ich fast 50 Jahre in der örtlichen Gilde aktiv, als Schriftführer und Pressewart. Als ich dann in den Ruhestand ging, war für mich klar: Nur zu Hause zu sitzen, das ist nichts für mich. Ich brauche die Aufgabe und den Kontakt zu den Menschen.
Wie hat Ihr Weg Sie dann speziell zum Sozialverband geführt?
Das war eigentlich eine Fügung. Mein Vorgänger Bernd Seeger kannte meine Frau über die Arbeit im Finanzamt. Er wusste wohl, dass ich jemand bin, der gerne anpackt. Er fragte mich damals: „Mensch Franz, hättest du nicht Lust, mal mit an den Vorstandstisch zu kommen?“ Und bei mir ist das so: Wenn ich irgendwo mitmache, dann richtig. Nur unten im Publikum zu sitzen und zuzugucken, hat mir noch nie gereicht. Ich möchte gestalten. Inzwischen bin ich seit zehn Jahren dabei und es macht mir nach wie vor Freude.
Was sind heute Ihre Hauptaufgaben als Vorsitzender im Ortsverband Kiel-Schwentine?
Ich kümmere mich um die Öffentlichkeitsarbeit. Aber im Kern geht es darum, die Gemeinschaft zusammenzuhalten. Das Team vom Vorstand und ich organisieren die monatlichen Treffen und Infoveranstaltungen. Früher war das Programm noch umfangreicher, wir haben sogar ganze Wochenendfahrten unternommen. Aber man muss ehrlich sein: Viele unserer Mitglieder sind heute gesundheitlich nicht mehr so mobil, da müssen wir die Angebote anpassen. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören, zu planen und dafür zu sorgen, dass niemand vergessen wird. Der SoVD ist für viele hier ein wichtiger Anker gegen die Einsamkeit – zum Beispiel durch unsere Infoveranstaltungen und unsere Frauengruppe.
Gab es in diesen zehn Jahren einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Oh ja, das war während der Corona-Zeit. Das war für uns alle eine schwere Phase. Wir haben damals eine „Leierkastenfrau“ organisiert und sind zu den älteren Mitgliedern direkt vor das Seniorenheim gefahren. Die Leute standen dann mit Abstand draußen – endlich mal ohne Maske, weil wir an der frischen Luft waren – und haben den Liedern gelauscht.
Wie haben die Mitglieder darauf reagiert?
Es war unglaublich emotional. Die Menschen haben an den Fenstern gestanden oder auf dem Gehweg, sie haben mitgesungen und geschunkelt. In einer Zeit, in der über die Alten oft nur als „Risikogruppe“ gesprochen wurde, haben wir ihnen gezeigt: Wir sind da. Wir haben euch nicht vergessen. Wenn man sieht, wie ein bisschen Musik und ein kurzer Schnack den Leuten so ein Lächeln ins Gesicht zaubern können, dann weiß man: Das tut dem eigenen Herzen genauso gut wie den anderen. Das war für mich ein absoluter Höhepunkt meiner bisherigen Arbeit.
Und umgekehrt – treibt Sie etwas um, das Ihnen Sorgen bereitet?
Naja, wir sind schon seit vielen Jahren mit unseren Veranstaltungen im Vereinsheim der Holsatia – direkt hier im Stadtteil. Leider möchte die Pächterin das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Und da mache ich mir natürlich Gedanken, ob wir auch in Zukunft eine dauerhafte Heimat finden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Ortsverbandes?
Ich hoffe einfach, dass der gute Zusammenhalt bleibt, den wir uns erarbeitet haben. Mein Ziel ist es, dass wir weiterhin ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen haben und sie merken, dass sie im SoVD eine starke Gemeinschaft im Rücken haben. Solange es mir gesundheitlich gut geht, mache ich gerne weiter.

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