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„Wir werden mit den Kosten für die Pflege komplett allein gelassen!“

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In den letzten Wochen und Monaten haben sich zahlreiche Mitglieder an den SoVD in Schleswig-Holstein gewandt. Immer wieder haben wir eine ähnliche Geschichte gehört: Das Pflegeheim hat die Eigenanteile für die stationäre Pflege massiv erhöht. Und die Menschen fragen sich: Wie soll ich mir die Pflege in Zukunft noch leisten?

Günter Asmussen macht sich Sorgen wegen der steigenden Eigenanteile in der Pflege

Günter Asmussen aus Bargum in Nordfriesland kann es immer noch nicht richtig fassen. Im Sommer erreichte ihn ein Brief der Alloheim Pflegeeinrichtung in Bredstedt: Hier lebt seit zwei Jahren seine 93-jährige Schwiegermutter. „In dem Brief stand, dass wir zum September einen Eigenanteil von 2223 Euro zahlen müssen. Jeden Monat. Vorher sind es noch 1642 Euro gewesen – also ein Anstieg von über 35 Prozent. Jetzt muss nur noch die Pflegekasse zustimmen.“

Begründet wird die saftige Erhöhung vor allem mit dem „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ (GVWG). Das schreibt vor, dass zum 01.09.2022 alle Beschäftigten in der Pflege nach Tarif bezahlt werden müssen. Damit ist Günter Asmussen voll und ganz einverstanden: „Ich sehe doch täglich, was für eine schwere und wertvolle Arbeit die Menschen in der Pflege leisten, ehrenamtlich bringe ich mich hier vor Ort im Hospiz ein. Wer diesen Job macht, muss anständig bezahlt werden. Ohne Wenn und Aber. Was mich aber fassungslos zurücklässt: Die Politik kann die Pflegebedürftigen und deren Angehörige doch nicht allein auf diesen Kosten sitzen lassen!“

Im Sozialverband Schleswig-Holstein gehen seit einigen Wochen zahlreiche Briefe und Anrufe ein. Stets mit dem gleichen Tenor: Die ohnehin schon hohen Eigenanteile für einen stationären Pflegeplatz steigen weiter. Teils um mehrere Hundert Euro pro Monat.

Das treibt auch Alfred Bornhalm um. Der Landesvorsitzende des SoVD fragt sich, wie Pflege in dieser Form überhaupt bezahlbar bleiben kann: „Die durchschnittliche Altersrente in Westdeutschland beträgt gerade einmal rund 1000 Euro, bei Frauen noch deutlich weniger. Wer kann sich damit einen Heimplatz von über 2000 Euro leisten?“

Günter Asmussen, der sich seit 30 Jahren ehrenamtlich – und ohne Aufwandsentschädigung – ehrenamtlich engagiert, sieht die Politik in der Pflicht: „Mir ist wichtig zu sagen: Die Mitarbeiter in der Pflege haben die höheren Löhne absolut verdient. Aber es kann nicht sein, dass der Gesetzgeber einfach etwas beschließt und die Menschen mit den Konsequenzen allein lässt. Die meisten Leute können keine 2000 Euro im Monat zahlen. Das geht nicht, hier muss eine Lösung her!“

Der Heimbetreiber Alloheim sieht das ähnlich und verweist auf das schon angesprochene neue Gesetz. Ein Sprecher der Alloheim Senioren-Residenzen teilte uns mit, dass „die Erhöhungen der Eigenanteile in unserer Einrichtung in Bredstedt […] zum weit überwiegenden Teil aus den Regelungen des GVWG“ resultieren. Mit andere Worten: Das neue Gesetz lässt den Heimbetreibern gar keinen Spielraum. Die höheren Kosten müssen an die Pflegebedürftigen und deren Angehörige weitergegeben werden.

Alfred Bornhalm vom SoVD Schleswig-Holstein hat klare Vorstellungen, was nun passieren muss: „Wir brauchen eine echte Deckelung der Eigenanteile bei maximal 1000 Euro im Monat. Da muss dann aber alles drin sein, sonst können sich die Menschen Pflege einfach nicht mehr leisten. Pflege darf nicht arm machen. Aber jetzt sind wir genau an diesem Punkt angekommen. Die Bundesregierung muss umgehend handeln und diesen Kurs korrigieren.“

Sind auch Sie über eine deutliche Erhöhung der Eigenanteile im Pflegeheim informiert worden? Dann schreiben Sie uns gern an sozialpolitik(at)sovd-sh.de


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