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Zuzahlung für Medikamente bei Grundsicherung

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Bei der Zuzahlung für Medikamente gelten jährliche Obergrenzen. Wer im Jahr mehr Geld für seine medizinische Behandlung berappen muss, zahlt über einen bestimmten Betrag hinaus keinen Eigenanteil. Was viele Menschen nicht wissen: Falls Sie Grundsicherung oder Sozialhilfe beziehen, fallen diese Belastungsgrenzen niedriger aus.

Zuzahlung für Medikamente bei Grundsicherung

Sie kennen das sicherlich auch: Nach dem Besuch beim Arzt geht's mit dem Rezept in die Apotheke. Schnell das Medikament einlösen, aber vorher ist noch eine Zuzahlung fällig. Diese ist auf zehn Prozent des Verkaufspreises festgesetzt - allerdings bei mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Im Alltag wird man in der Apotheke also sehr häufig einen Fünfer los.

Unterschiedliche Belastungsgrenzen

Wer häufiger zum Arzt muss und regelmäßig Medikamente nimmt, weiß: Das geht ganz schön ins Geld. Aus diesem Grund gelten in Deutschland sogenannte Belastungsgrenzen bei der Zuzahlung für Arzneien und andere medizinische Leistungen - zum Beispiel Physiotherapie.

Diese Belastungsgrenzen orientieren sich an Ihrem Einkommen. Im Normalfall wird die Grenze erst erreicht, wenn Sie mehr als zwei Prozent Ihres Brutto-Jahreseinkommens für Medikamente & Co. ausgeben. Wer chronisch krank ist - für den gilt eine Belastungsgrenze in Höhe von einem Prozent.

Um nachweisen zu können, dass Sie als chronisch krank gelten, müssen Sie eine Bescheinigung vorlegen. Diese erhalten Sie bei Ihrem Haus- oder Facharzt.

Ein Beispiel:

Dieter F. lebt allein und verdient 38.000 Euro im Jahr. Seine persönliche Belastungsgrenze für Zuzahlungen beträgt 2 Prozent - also 760 Euro. Hätte Dieter eine chronische Erkrankung, würde sich dieser Eigenanteil halbieren, auf dann 380 Euro.

Grundsicherung, "Hartz IV" und Hilfe zur Pflege

Wenn Sie jedoch auf Sozialleistungen angewiesen sind, geht die Rechnung etwas anders. Bisher haben wir uns immer angeschaut, wie viel Sie pro Jahr verdienen. Wer jedoch ALG II oder Grundsicherung bezieht, muss mit einer anderen Bezugsgröße arbeiten.

Wir betrachten jetzt nicht mehr das Jahreseinkommen, sondern den geltenden Regelsatz.

Der Regelsatz ist ein bundesweiter Geldbetrag, der jedes Jahr neu angepasst wird. Für Alleinstehende gilt zurzeit ein Regelsatz in Höhe von 446 Euro pro Monat, sowohl bei "Hart IV" als auch in der Grundsicherung.

Was bedeutet das nun für die Zuzahlungsgrenze für Medikamente?

Ein nennenswertes Einkommen, an dem man die Belastungsgrenze festmachen kann, liegt in den meisten Fällen nicht vor. Aus diesem Grund orientiert sich die Zwei-Prozent-Regel (oder Ein-Prozent-Regel bei chronisch Kranken) am Regelsatz. Auf das Jahr betrachtet beträgt dieser 5352 Euro (446 Euro x 12). Die Zuzahlungsgrenze beläuft sich also für Bezieher von Grundsicherung oder Hilfe zur Pflege auf 107, 04 Euro. Für chronisch Kranke sind es nur 53 Euro und 52 Cent.

Das gilt auch, wenn neben der Grundsicherung andere Einkünfte vorhanden sind. Also zum Beispiel ein Teilzeitjob bei "Hartz IV" oder eine kleine Rente bei der Grundsicherung. Maßgeblich ist der Regelsatz - und damit auch eine kleinere Belastungsgrenze.

Weniger Eigenanteil für Medikamente bei Grundsicherung und "Hartz IV"

Kommen wir noch einmal zu unserem Beispiel zurück.

Dieter F. ist nun in Rente gegangen. Da er lange Jahre arbeitslos war, ist seine Rente klein - nur 700 Euro pro Monat.  Deswegen bezieht er zusätzlich Grundsicherung im Alter. Sein Bedarf orientiert sich am Regelsatz in Höhe von 446 Euro.

Um die Belastungsgrenze zu ermitteln, müssen wir nun nicht auf die Rente schauen, sondern auf den Regelsatz: 446 Euro pro Monat, das macht im Jahr 5352 Euro. Dieter muss also pro Jahr höchstens 107,04 Euro für Medikamente und andere Behandlungen aus eigener Tasche zahlen. Mit chronischer Erkrankung nur die Hälfte, also 53,52 Euro.

Fazit

Wer auf Grundsicherung, ALG II oder die Hilfe zur Pflege angewiesen ist, muss weniger Geld für Medikamente zahlen. Damit das auch so kommt, müssen Sie jedoch selbst aktiv werden. Denn die Krankenkasse kümmert sich nicht automatisch um die Umstellung der Bezugsgröße. Falls Sie also auf Sozialhilfe angewiesen sind, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre Krankenversicherung.

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