Die durchschnittliche Altersrente in Schleswig-Holstein liegt weiterhin auf einem Niveau, das vielen Menschen kein finanziell sorgenfreies Leben im Alter ermöglicht. Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung betrug der durchschnittliche Rentenzahlbetrag Ende 2025 im nördlichsten Bundesland lediglich 1.182,75 Euro im Monat. Männer erhielten durchschnittlich 1.479,90 Euro, Frauen dagegen nur 960,24 Euro. Für den Sozialverband Deutschland (SoVD) in Schleswig-Holstein zeigen die Zahlen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht.
„Eine Durchschnittsrente von weniger als 1.200 Euro zeigt, wie schmal die finanzielle Basis vieler älterer Menschen ist. Besonders kritisch ist die Lage bei Alleinlebenden, die keine weiteren Alterseinkünfte haben. Die Armutsgefährdungsschwelle für Alleinlebende lag zuletzt bei rund 1.445 Euro monatlichem Nettoäquivalenzeinkommen. Die durchschnittliche Altersrente von Frauen von knapp 960 Euro verdeutlicht ihr deutlich erhöhtes Risiko, im Alter finanziell nicht ausreichend abgesichert zu sein. Besonders gefährdet sind alleinlebende Frauen ohne zusätzliche Alterseinkünfte. Das darf ein wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland nicht akzeptieren“, erklärt Alfred Bornhalm, Landesvorsitzender des SoVD Schleswig-Holstein.
Besonders besorgniserregend sei die große Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Während Männer im Durchschnitt fast 1.500 Euro erhalten, liegt die durchschnittliche Rente von Frauen in Schleswig-Holstein noch unter 1.000 Euro im Monat. Damit erhalten Frauen im Durchschnitt rund 520 Euro beziehungsweise 35 Prozent weniger gesetzliche Altersrente als Männer.
„Die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Versäumnisse. Solange Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, schlechter bezahlt werden und den größten Teil der unbezahlten Care-Arbeit in der Familie übernehmen, werden sie auch im Alter benachteiligt. Hier muss die Politik endlich entschlossen gegensteuern“, betont Bornhalm.
Der SoVD fordert deshalb, die gesetzliche Rente nachhaltig zu stärken und Altersarmut wirksam zu bekämpfen. Dazu gehören aus Sicht des Verbandes insbesondere:
- Stabilisierung, beziehungsweise Anhebung des Rentenniveaus,
- bessere Absicherung langjährig Versicherter mit niedrigen Einkommen,
- Aufwertung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten,
- bessere rentenrechtliche Absicherung von Langzeitarbeitslosigkeit,
- Weiterentwicklung der Grundrente,
- Einbeziehung weiterer Erwerbstätigengruppen in eine Erwerbstätigenversicherung,
- Zurückdrängung unfreiwilliger Teilzeit und nicht existenzsichernder Beschäftigung,
- Ausbau einer verlässlichen Kinderbetreuungs- und Pflegeinfrastruktur,
- bessere Vereinbarkeit von Beruf, Kindererziehung und Angehörigenpflege.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten über ein höheres Renteneintrittsalter warnt der SoVD vor unrealistischen Erwartungen an Beschäftigte: „Es ist realitätsfern, immer wieder über eine Anhebung des Rentenalters zu diskutieren. Viele Beschäftigte schaffen schon heute den Weg bis zur Regelaltersgrenze nur unter großen gesundheitlichen Belastungen. Wer länger arbeiten soll, braucht zuvor gute Arbeitsbedingungen und eine Gesundheitspolitik, die diesen Namen verdient“, so Bornhalm.
Der SoVD Schleswig-Holstein sieht die Politik deshalb in der Pflicht, die gesetzliche Rentenversicherung zukunftsfest aufzustellen und insbesondere Frauen besser vor Altersarmut zu schützen. Die aktuellen Zahlen zeigen nach Auffassung des SoVD, dass eine Reform, die vor allem auf einen späteren Renteneintritt und mehr private Vorsorge setzt, die soziale Wirklichkeit vieler Menschen verfehlt. Notwendig sind eine starke gesetzliche Rente, eine bessere Absicherung niedriger Erwerbseinkommen und ein wirksamer Schutz vor Altersarmut.