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Keine Chance auf neue Wohnung

Sabrina Thomas aus Husum kämpft darum, in eine neue Wohnung ziehen zu dürfen

Nicht nur in den Großstädten Schleswig-Holsteins ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. Zunehmend erreichen uns auch Berichte von Betroffenen aus ländlichen Landesteilen. Regionen, in denen viele Bewohner noch ihr eigenes kleines Häuschen haben.

 

„Wie sollen Leute mit wenig Geld da eine Chance haben?“

Das Problem liegt nicht bei den Eigenheimen. Menschen, die einen schlecht bezahlten Job ausüben, nur in Teilzeit arbeiten können oder schlicht und einfach keine Arbeit finden – sie alle konkurrieren in immer mehr Landesteilen um das knapper werdende Angebot an bezahlbarem Wohnraum.

 

So auch in Husum, einer Kleinstadt in Nordfriesland mit etwas mehr als 20.000 Einwohnern. Sabrina Thomas lebt hier seit rund vier Jahren. Sie gebürtige Westfalin ist alleinerziehend und bekommt Leistungen vom Jobcenter. „Ich fühle mich in dieser Wohnung hier wohl, aber wir müssen raus!“

 

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Raus muss Sabrina Thomas, weil die Wohnung dem Jobcenter zu groß und zu teuer ist. Vor einem halben Jahr zog ein Familienmitglied aus – seitdem drängt das Husumer Sozialzentrum auf einen Umzug. „Das würde ich ja auch sofort machen“, so Sabrina Thomas. „Aber es gibt hier kaum Wohnungen, die das Jobcenter zahlen würde.

 

402 Euro. Mehr darf eine Wohnung für zwei Personen in Husum nicht kosten, wenn Mieterinnen und Mieter Sozialleistungen erhalten. Der Kreis Nordfriesland verweist auf die aktuelle Rechtsprechung. Mit der befinde man sich „im Einklang“. Im kommenden Sommer werde es darüber hinaus eine weitere Anpassung geben.

 

„Schön und gut“, ärgert sich Sabrina Thomas. „Aber ich habe fast 40 Vermieter kontaktiert. Fast immer, wenn es um mein Einkommen ging, sind die Vermieter abgesprungen. Wie sollen Leute mit wenig Geld da eine Chance haben?“

 

 

Doch die Mietobergrenzen der Optionskommune Nordfriesland sind nicht das einzige Problem. „Sechs Monate habe ich Zeit, um eine neue Wohnung zu finden. Wie soll das gehen?“, fragt die gelernte sozialpädagogische Assistentin. In der Tat räumt auch die Kreisverwaltung ein, dass der Wohnungsmarkt in Husum schwierig ist. Landrat Dieter Harrsen spricht offen von einem „Problem“, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. Aber bei der Frage nach einer Verlängerung der Sechs-Monats-Frist gibt sich der Kreis wenig flexibel: „Eine […] außergewöhnliche Situation liegt derzeit nicht vor.“

 

„Bezahlbare barrierefreie Wohnungen gibt es in Husum kaum“

 

Hans Böttcher vom Sozialverband in Husum kennt die Probleme um die Wohnungssuche in seiner Heimatstadt. Mehr als 2700 Mitglieder hat der SoVD in Husum. „Leider hören wir in unseren Gesprächen immer wieder, dass es extrem schwierig geworden ist, eine kleine günstige Wohnung zu bekommen. Wenn dann noch Kündigungsfristen einzuhalten sind, wird diese Aufgabe für viele nahezu aussichtslos.“ Böttcher, der sich in Husum auch für Menschen mit Behinderung einsetzt, weiter: „Bezahlbare barrierefreie Wohnungen gibt es übrigens so gut wie gar keine in der Stadt. Ich weiß von einem Ehepaar, das über drei Jahre nach einer passenden Wohnung gesucht hat.“

 

Hans Böttcher vom Sozialverband in Husum weiß um das Problem von zu wenig bezahlbarem Wohnraum in seiner Stadt.
Hans Böttcher vom Sozialverband in Husum weiß um das Problem von zu wenig bezahlbarem Wohnraum in seiner Stadt.

 

Sabrina Thomas hat in der Zwischenzeit tatsächlich eine passende Wohnung gefunden. Das Problem: Sie ist zu teuer, kostet 21 Euro zu viel. „Ich werde darum kämpfen, diese Wohnung zu bekommen“, zeigt sich die Husumerin entschlossen.

 

Sie haben Ähnliches erlebt? Dann wenden Sie sich an:

Christian Schultz
Referent für Sozialpolitik
Telefon: 0431 / 98 388 – 70
Mail: sozialpolitik@sovd-sh.de

 

Der Sozialverband Deutschland vertritt in Schleswig-Holstein mehr als 145.000 Mitglieder. Wir helfen in sozialen Angelegenheiten, etwa bei Problemen mit der Rente oder rund um das Thema Behinderung.

 

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