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Einkaufen im Rollstuhl – was der Einzelhandel unbedingt beachten sollte

Einkaufen im Rollstuhl - diese Dinge muss ein Supermarkt beachten

Lange sind die Zeiten vorbei, in denen Rollstuhlfahrer noch mit Begleitperson in den Supermarkt fahren mussten. Immer mehr Geschäfte haben die Zeichen der Zeit erkannt und betrachten Menschen mit Behinderung und Senioren als interessante Zielgruppe, der man entgegen kommen muss.

 

Kunden mit Behinderung möchten im Supermarkt selbstständig einkaufen

 

Kürzlich haben wir mit dem Wirtschaftswissenschaftler und Experten in eigener Sache, Dr. Carsten Dethlefs, über das Einkaufen für Menschen mit Sehbehinderung berichtet. In diesem Beitrag soll es um die Perspektive von Rollstuhlfahrern gehen. Grundsätzlich gibt es fünf simple Maßnahmen, die Betreiber von Supermärkten im Auge haben sollten, um auch Menschen mit Gehbehinderung ein selbstständiges Einkaufen zu ermöglichen.

 

1. Ausreichend und geeignete Parkplätze

Eigentlich klar, aber unverzichtbar. Wer mit einer Gehbehinderung lebt, ist in der Regel auf ein Auto zum Einkaufen angewiesen. Rollstuhlfahrer können darüber hinaus auf normalen Parkplätzen gar nicht parken – sie benötigen beim Ein- und Aussteigen durch den Rollstuhl deutlich mehr Platz. Dafür gibt es extra ausgewiesene Rollstuhlfahrer-Parkplätze, die mit einer Breite von 3,50 Meter nur diesem Personenkreis vorbehalten sind.

 

Als Betreiber eines Geschäfts sollten Sie im eigenen Interesse darauf achten, dass die speziellen Parkplätze nicht von Kunden ohne Berechtigung genutzt werden. Denn die betroffenen Menschen mit Behinderung können nicht auf andere Parkplätze ausweichen.

 

 

2. Automatisch öffnende Türen

Da Supermärkte ihren Kunden in der Regel Einkaufswagen zur Verfügung stellen, sind Automatik-Türen zum Standard geworden. Hiervon profitieren Menschen mit Behinderung besonders. Bei Kunden mit Gehbehinderung sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass auf dem Weg vom Parkplatz zum Geschäft keine größeren Schwellen (wie Bordsteine) zu überwinden sind.

 

Für Nutzer von Rollatoren oder Rollstühlen wurden in den letzten Jahren sogar eigene Einkaufswagen entwickelt. Viele Supermärkte in Schleswig-Holstein haben diese bereits angeschafft.

 

3. Breite Gänge, freie Gänge

Sind Sie kürzlich einmal durch den Supermarkt Ihrer Wahl gegangen und haben auf die Breite der Gänge geachtet? Im Regelfall wird dieser Punkt Menschen nur bewusst, wenn es hier zu Schwierigkeiten kommt. Oftmals ist die eigentliche Gangbreite gar nicht das Problem. Insbesondere in der Vorweihnachtszeit überbieten sich viele Einzelhändler darin, Aktionsstände mit Leckereien und Sonderangeboten in die Wege der Kunden zu stellen.

 

Breite Gänge sollten in Supermärkten Standard sein – via GIPHY

 

Wenn jetzt zwei Kunden mit Einkaufswagen im Gang aufeinander treffen, wird das Problem erst bemerkbar. Rollstuhlfahrer erleben diese unangenehme Erfahrung jeden Tag. Daher der Appell an alle Supermärkte: Bei zusätzlichen Verkaufsflächen, welche die Gänge verkleinern, ist Weniger oft Mehr.

 

4. Behinderten-WC

Wenn es sich nicht gerade um einen Discounter handelt, findet man in vielen Supermärkten schon heute Toiletten. Doch lange nicht alle davon sind von Menschen mit Behinderung zu nutzen. Oft scheitert es schon an einer zu engen Tür.

 

Ein barrierefreies WC einzurichten, ist nicht schwer. Man muss nur richtig planen, Ihre Kunden werden es Ihnen danken!

 

5. Platz im Kassenbereich

Auch wenn ein Supermarkt mit breiten Gängen aufwartet, kann zum Schluss ein Nadelöhr auf Kunden mit Gehbehinderung warten. Gerade im Kassenbereich sind die Wege häufig sehr eng, so dass insbesondere Nutzer von größeren E-Rollstühlen aufpassen müssen, keine Süßwaren abzuräumen. Mindestens eine Kasse sollte über einen ausreichend breiten Gang zu erreichen sein – dies sollte auch die Kasse sein, die immer geöffnet ist.

 

Besonders innovative Supermärkte in Schleswig-Holstein zeichnet der SoVD mit seinem Gütezeichen für Barrierefreiheit aus.
Besonders innovative Supermärkte in Schleswig-Holstein zeichnet der SoVD mit seinem Gütezeichen für Barrierefreiheit aus.

 

Fazit: Wer als Einzelhändler Kunden mit einer Gehbehinderung gewinnen oder halten möchte, muss über keine magischen Kräfte verfügen. Die Beherzigung unserer fünf Ratschläge ist in der Regel absolut ausreichend. Mehr geht immer, etwa ein Informations-Tresen, an dem sich Kinder, Kleinwüchsige oder Rollstuhlfahrer nicht verloren fühlen. Um Menschen mit Gehbehinderung den selbstständigen Einkauf zu erleichtern, braucht es nicht viel.

 

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

 

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