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Vom Einzel-GdB zum Schwerbehindertenausweis

Vom Einzel-GdB zum Schwerbehindertenausweis

 

Die magische Zahl beim Schwerbehindertenausweis ist die 50. Denn ab einem Grad der Behinderung (GdB) in Höhe von 50 oder mehr gelten Sie als schwerbehindert – und erhalten den dazugehörigen Ausweis. Doch nicht jede chronische Erkrankung, nicht jede Behinderung führt zum Erreichen dieser Schwelle. Die meisten gesundheitlichen Probleme sind mit geringeren Einzel-GdB verbunden.

 

Wie kommen Sie aber vom Einzel-GdB zum SB-Ausweis? In diesem Beitrag erklären wir Ihnen knapp und verständlich die wichtigsten Zusammenhänge.

 

Woher weiß das Versorgungsamt, welchen GdB ich bekomme?

Das Versorgungsamt ist dafür zuständig, Ihren Anspruch im Schwerbehindertenrecht zu überprüfen. Je nachdem, in welchem Bundesland Sie leben, trägt die Behörde einen anderen Namen. Bei uns in Schleswig-Holstein ist zum Beispiel schon lange nicht mehr vom „Versorgungsamt“ die Rede, sondern vom Landesamt für soziale Dienste (LAsD).

 

Im Rahmen unserer Sozialberatung erleben wir es immer wieder, dass sich Mitglieder ungerecht vom LAsD behandelt fühlen. Dann ist schon einmal davon die Rede, dass die Behörde den Gesamt-GdB auswürfle. Dass die Einstufung für den Behindertenausweis also vom Zufall abhänge. Das ist natürlich Unsinn. Für die Einordnung aller Krankheiten und Behinderungen gibt es eine klare Regelung, eine Art Tabelle. Die Rede ist von der sogenannten Versorgungsmedizin-Verordnung. Hierin wird genau beschrieben, welcher Einzel-GdB Ihnen für eine bestimmte Erkrankung zusteht.

 

Einzel-GdB: Es kommt auf die Funktionseinschränkungen an

Doch die Diagnose allein bringt Sie noch nicht zum Schwerbehindertenausweis. Wie hoch ein Einzel-GdB in Ihrem Fall festgesetzt wird, hängt vor allem davon ab, wie sich eine Krankheit im Alltag bemerkbar macht. Wir sprechen hier von „Funktionseinschränkungen“.

 

Schauen wir einmal in die Versorgungsmedizin-Verordnung, und zwar zum Eintrag Rhythmusstörungen beim Herzen.

 

Auszug Versorgungsmedizin-Verordnung - Herzrhythmusstörungen
Je schwerwiegender die Krankheit, desto höher der GdB.

 

Ganz oben auf der Seite finden Sie die unterschiedlichen Bewertungen für ein und dieselbe Erkrankung. Der jeweilige Einzel-GdB kann jedoch durchaus unterschiedlich sein: Von 10 (für leichte Beeinträchtigungen, solange die Leistungsfähigkeit ungestört ist) bis zu einem Grad der Behinderung von 50 – falls ein Kardioverter-Defibrillator implantiert werden musste.

 

Das zeigt: Nicht die Feststellung einer Krankheit bringt Sie zum Schwerbehindertenausweis: Es muss dokumentiert sein, welche Auswirkungen das für Ihren Alltag hat. Und hier kommen wir zu den Befundberichten.

 

Ohne Befundbericht kein SB-Ausweis

In aller Regel werden Sie nach dem Antrag nicht zu einem persönlichen Begutachtungstermin eingeladen. Doch woher wissen die Mitarbeiter des Versorgungsamts dann, wie schwer Ihre Erkrankung ist? Die Antwort liegt in den Befundberichten, die Ihre Ärzte verfasst haben. Oder mit anderen Worten: Wenn Ihr Haus- oder Facharzt keine aussagekräftigen Berichte ausstellt, bekommen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Schwerbehindertenausweis.

 

Mit dem richtigen Befundbericht zum Schwerbehindertenausweis

 

Es ist also fundamental wichtig, dass Ihre behandelnden Ärzte genau dokumentieren, wie sich die relevante Krankheit auf Ihr Leben auswirkt. Falls noch keine solchen Berichte vorliegen, wird sich das LAsD an Ihre Ärzte wenden und die Befundberichte anfordern. Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Machen Sie deutlich, wie wichtig dieser Befundbericht für Sie ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Befundbericht kurz und knapp ausfällt. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil Ihr Arzt es einfach nicht besser weiß und viele andere Dinge um die Ohren hat.

 

Viele Einzel-GdB = hoher Gesamt-GdB?

Es kann vorkommen, dass viele „kleinere“ Krankheiten zum Schwerbehinderten-Status führen. Doch das ist eher unwahrscheinlich. Die jeweiligen Einzel-GdB werden nicht einfach zusammengefasst. Vielmehr schaut man im Landesamt für soziale Dienste auf das Gesamtbild: Verstärken sich die jeweiligen gesundheitlichen Einschränkungen? Oder existieren sie quasi nebenher?

 

Paul aus Niebüll hat eine schwere Verformung an der Wirbelsäule. Das LAsD setzt den dazugehörigen Einzel-GdB auf 30 fest. Dazu macht Paul eine starke Migräne geltend. Unter diesen Kopfschmerzen leidet er häufig, teilweise über mehrere Tage am Stück. Laut Versorgungsmedizin-Verordnung führt die Migräne ebenfalls zu einem Einzel-GdB von 30.

Überspringt Paul damit die Schwelle zum Schwerbehindertenausweis? Grundsätzlich muss man immer auf den Einzelfall schauen. Es wäre aber unwahrscheinlich, da sich die Schäden an der Wirbelsäule nicht unbedingt erschwerend auf die Kopfschmerzen auswirken. Wenn er Pech hat, bleibt Paul beim Gesamt-GdB also deutlich unter 50.

 

Anders verhält es sich, wenn Krankheiten einen direkten Einfluss aufeinander haben. Das wäre zum Beispiel bei Augen- und Hörschäden der Fall, da hier zwei Sinne gleichzeitig betroffen sind.

 

Fazit: Es kommt auf die Schwere der Krankheit an

Ob Sie mit mehreren Einzel-GdB zum Schwerbehindertenausweis kommen, hängt vor allem von der Intensität der unterschiedlichen Behinderungen ab. Je mehr Ihre diversen gesundheitlichen Probleme miteinander zusammenhängen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesamt-GdB steigt. Für den ersten Eindruck hilft oft schon ein Blick in die Versorgungsmedizin-Verordnung.

 

Denken Sie daran, Ihren Arzt für das Thema Befundbericht zu sensibilisieren. Denn nur wenn dieser detailliert ausfällt, haben Sie eine Chance auf den GdB, der Ihnen zusteht.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

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Ein Gedanke zu „Vom Einzel-GdB zum Schwerbehindertenausweis

  1. Ich finde Ihre Infos gerade auf mich bezogen GDB super würde mir so eine gute Betreuung auch in BW wünschen. Habe GDB 80 AG,
    kann o. Begleitung nicht mehr sein u. schaffe Max. 100m Geh-Strecke u. mussich dann setzen bekomme kein AGB auch nicht den Zusatz mit Begleitung

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