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Erwerbsminderungsrente: Welche Krankheit bringt am meisten Geld?

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Mehr als 160.000 Menschen haben 2019 zum ersten Mal eine Erwerbsminderungsrente erhalten - mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen. Im Durchschnitt überweist die Deutsche Rentenversicherung pro Fall 805,63 Euro. Monat für Monat. Doch je nach Krankheitsbild können diese Zahlbeträge sehr unterschiedlich ausfallen.

EM-Rente: Welche Krankheit bringt am meisten Geld?

Eine EM-Rente beantragt man nicht aus Jux und Dollerei. Nur wenn nichts mehr geht, bleibt die im Volksmund auch als "Erwerbsunfähigkeitsrente" bezeichnete Zahlung oft der letzte Ausweg. Und selbst dann klappt es noch lange nicht mit jedem Antrag: Nur rund jeder zweite Versucht mündet am Ende auch in einer Auszahlung.

Wie ermittelt sich die Höhe Ihrer EM-Rente?

Ganz einfach gesprochen: Wie viel Sie an Erwerbsminderungsrente zu erwarten haben, richtet sich vor allem nach Ihrem bisherigen Verdienst. Darüber hinaus ist auch wichig, wie alt Sie sind. Und seit wann Sie die Rente bereits erhalten.

Je mehr Gehalt Sie vor dem Eintritt der Erwerbsminderung nach Hause gebracht haben, desto besser. Denn die schon jetzt erreichten Entgeltpunkte bilden den Grundstock für Ihre spätere Rente. Die Entgeltpunkte werden bis zu einem bestimmten Alter hochgerechnet. Und hier kommt es auf das Startdatum Ihrer Rente an.

Jedes Jahr, das Sie später in die EM-Rente gehen, führt also zu einer höheren Rente. Weil die Zurechnungszeit länger anhält. Schluss ist jedoch immer bei der Regelaltersgrenze - daher spielt Ihr Geburtsdatum auch eine Rolle.

Andere Krankheit, höhere Rente?

Die Höhe Ihrer Erwerbsminderungsrente richtet sich also nach Ihren bisherigen Entgeltpunkten und nach der Zurechnungszeit. Aber wie kommen nun die unterschiedlichen Krankheiten oder Behinderungen ins Spiel. Die durchschnittlichen Zahlbeträge bei der EM-Rente sind bei einigen Erkrankungen höher als bei anderen.

Wie Sie in der Grafik sehen können, klaffen hier selbst in den Durchschnittswerten gewaltige Unterschiede. Wie kommen diese zustande? Gibt es in der Rentenformel einen Faktor, der die Art der Behinderung auswertet? Haben die psychischen Auswirkungen von Drogen oder Medikamenten sozusagen absichtlich einen geringeren Wert für die Deutsche Rentenversicherung?

Übrigens, alle Daten und Hintergründe können Sie auf dem offiziellen Statistikportal der Deutschen Rentenversicherung nachlesen.

Natürlich nicht. Die Krankheit selbst hat für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Rententräger keinerlei Auswirkungen auf die Berechnung der Rente. Für die Höhe derselben sind einzig und allein Ihre Entgeltpunkte und die Zurechnungszeiten interessant.

Aber wie kommt es dann, dass sich in der Statistik solche großen Unterschiede zeigen?

Nun, zunächst einmal müssen wir festhalten, dass es sich hier um Durchschnittswerte handelt. Natürlich gibt es auch Erwerbsminderungsrenten aufgrund von Verhaltensstörungen nach dem Missbrauch von Drogen oder Medikamenten, die jenseits der 800 Euro liegen. Gleichzeitig muss es jedoch auch eine erhebliche Zahl an Renten deutlich unter 400 Euro geben.

Wenn Sie ein wenig Gesprür für Mathematik - und besonders für die Statistik - haben, werden Sie jetzt einwenden: Das gilt aber auch für die anderen Krankheitsbilder. Und trotzdem ist hier der Durchschnittswert deutlich höher.

Das stimmt. Und so können wir nur mutmaßen. Die höchsten EM-Renten gehen im Schnitt an Menschen mit Krebserkrankungen. Diese sind häufig schon etwas älter und werden durch die Erkrankung mitten aus dem Leben gerissen. Oftmals aus guten Jobs mit relativ hohem Einkommen. Auf dieser Basis entstehen verhältnismäßig starke Erwerbsminderungsrenten. Auf der anderen Seite kann man vermuten: Wer eine Rente nach dem schweren Missbrauch von Rauschmitteln erhält, hat vielleicht auch in den Jahren davor ein unstetes Leben geführt. Mit wenig Einzahlungen in die gesetzliche Rente. Daraus folgt in der Tendenz eine niedrigere Erwerbsminderungsrente.

Fazit

Fakt ist - es gibt erhebliche Unterschiede bei den Zahlungen der EM-Rente. Auch im Durchschnitt betrachtet, anhand der verschiedenen Krankheitsbilder. Dafür gibt es jedoch keine Gründe, die wir im Rentenrecht finden. Vielmehr liegt die Basis für diese Differenzen in den jeweiligen "Erwerbsbiographien".

Wer gut verdient hat, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine höhere Erwerbsminderungsrente als ein Gelegenheitsarbeiter. Wer regelmäßig eingezahlt hat, kann mit einer höheren Zahlung rechnen als ein Mensch, bei dem das nicht der Fall war.

Kommentare (2)

  • Martina Klotz
    Martina Klotz
    vor 3 Wochen
    Hallo,

    Bei den Zurechnungszeiten kommt es ja auf den Rentenbeginn an. Angenommen, die EM Rente wird in 2021 beantragt und auch in 2021 bewilligt, aber rückwirkend bis 2018. Wann ist dann der Rentenbeginn und welche Zurechnungszeiten werden zugrundegelegt?

    Danke für Ihre Antwort!
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 3 Wochen
      Hallo Martina, normalerweise bestimmt der Rentenbeginn auch die Zurechnungszeit. Wird die Rente 2021 gewährt, wird also bis 65 und zehn Monate hochgerechnet. Anders kann es sein, wenn einige Jahre zuvor eine Rente gemacht wurde, aufgrund derer nun die EM-Rente bestimmt wird. Dann kann die Zurechnungszeit auch daran bemessen werden - aber das sollte man sich dann im Detail anschauen.

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