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Drei Fragen an Jutta Kühl, Landesvorsitzende des SoVD Schleswig-Holstein

Vor sechs Monaten ist Jutta Kühl zur Landesvorsitzenden im Sozialverband Schleswig-Holstein gewählt worden. Die Kielerin ist damit die erste Frau an der Spitze des SoVD. Im Kurzinterview spricht sie über Herausforderungen, Probleme und die Ziele des Verbands.

 

Drei Fragen an Jutta Kühl, Landesvorsitzende des SoVD Schleswig-Holstein

1. Frau Kühl, Sie sind nun ein halbes Jahr Landesvorsitzende des SoVD in Schleswig-Holstein. Was würden Sie als Ihre größte Herausforderung beschreiben?

 

Wir stehen als großer Verband in Schleswig-Holstein vor mehreren großen Herausforderungen.

 

Wir vertreten mehr als 145.000 Mitglieder. Vielen dieser Menschen geht es finanziell sehr schlecht. Wir lesen jeden Tag in der Zeitung, wie die Wirtschaft boomt und dass die Firmen keine geeigneten Mitarbeiter finden. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite kommen sehr viele unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger gerade mal so über die Runden. Ich spreche hier von kranken Menschen, die von den Krankenkassen wie Bittsteller behandelt werden. Oder von Männern und Frauen über 50, die zwischen Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung hin- und hergeschoben werden. Das ist die größte Herausforderung, um die sich unser Verband kümmern möchte – wir brauchen mehr soziale Gerechtigkeit!

 

Um diesem Ziel gerecht zu werden, muss unser Verband gut laufen. Im SoVD Schleswig-Holstein arbeiten rund 120 hauptamtliche Mitarbeiter. Dazu kommen mehrere Tausend ehrenamtliche Entscheidungsträger in den Orts- und Kreisverbänden sowie im Landesverband. Das kann nur funktionieren, wenn wir diese große Familie als Team führen. Hierfür sind wir im Vorstand sehr gut aufgestellt.

 

Ich möchte außerdem den guten Draht zu unseren Orts- und Kreisverbänden pflegen und weiter verbessern. Denn ohne die gute Arbeit vor Ort könnte der Sozialverband keine solch gute Arbeit leisten.

 

2. In Schleswig-Holstein haben wir seit einem Jahr ein Jamaika-Bündnis aus CDU, FDP und den Grünen. Was wünschen Sie sich von der Landesregierung im Sinne unserer Mitglieder?

 

Auch hier arbeiten wir an verschiedenen Stellschrauben. Da ist zum einen unsere Volksinitiative für bezahlbaren Wohnraum, die wir gemeinsam mit dem Mieterbund angepackt haben. Weil es in vielen Regionen Schleswig-Holsteins kaum bezahlbare Wohnungen gibt, möchten wir, dass die Landesverfassung um einen Absatz ergänzt wird. Alle Landesregierungen, heute und in Zukunft, sollen sich für den sozialen Wohnungsbau einsetzen. Wenn wir dieses Ziel in die Verfassung aufnehmen, ist das ein großer Schritt. Daher wünschen wir uns, dass noch mehr Menschen aus Schleswig-Holstein unsere Kampagne unterstützen und ihre Unterschrift leisten. 10.000 sind es immerhin schon, aber wir brauchen deutlich mehr, um die Politiker zum Handeln zu bewegen.

 

Darüber hinaus liegt dem SoVD die Pflege sehr am Herzen. Die Situation für Heimbewohner, Patienten und die Pflegerinnen und Pfleger wird doch immer schlimmer. Und das obwohl seit Jahren darauf hingewiesen wird. Mittlerweile fehlt es vor allem an Nachwuchs für den Pflegeberuf. Hier muss sich dringend etwas tun, dieses Thema darf nicht der nächsten Landesregierung überlassen werden. Bessere Rahmenbedingungen für die Beschäftigten brauchen wir jetzt, nicht erst in zehn Jahren.

 

In der Diskussion um Altersarmut setzen wir vom SoVD auf eine Lösung, die vielen Betroffenen sofort helfen würde: Im Gegensatz zum SGB II gibt es für die Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung keinen Freibetrag. Die komplette Rente – egal ob gesetzliche Rente oder private Rentenversicherung – wird auf die Grundsicherung angerechnet. Mit anderen Worten: Es ist egal, ob ich in meinem Leben einen Rentenanspruch von 600 Euro erarbeitet habe oder gar nichts – in der Grundsicherung macht es keinen Unterschied. Das kann nicht sein. Deswegen fordern wir seit langem, dass 20 Prozent der eigenen Rente nicht angerechnet werden sollen. Die sollen die Betroffenen zusätzlich zur Grundsicherung behalten. Damit sich Lebensleistung wieder lohnt.

 

3. Der SoVD hat allein in Schleswig-Holstein mehr als 145.000 Mitglieder. Warum ist der Verband gerade hier so erfolgreich?

 

Erfolgreich sind wir, weil wir gute Arbeit leisten und uns für unsere Mitglieder einsetzen.

 

Im ehrenamtlichen Bereich leisten unsere Ortsverbände in ganz Schleswig-Holstein sehr viel für unsere Mitglieder. Mit den unterschiedlichsten Veranstaltungen. Ob das nun Tagesreisen sind oder Vorträge zu sozialen Themen. Die Menschen schätzen es, ihre Zeit gemeinsam mit anderen zu verbringen. Man hilft sich hier auch gegenseitig. Dieser Aspekt des Sozialverbands geht in der Berichterstattung oft ein wenig unter. Ich will es aber einmal so deutlich sagen: Die ehrenamtliche Arbeit in den Ortsverbänden ist das Rückrat des Verbands.

 

 

Ohne dieses Engagement könnten wir unsere Sozialberatung nicht in diesem Maße aufrechterhalten. Die Beratung ist der zweite Grund, warum so viele Menschen Mitglied im Sozialverband werden: In unseren 15 Kreisgeschäftsstellen helfen wir bei vielen sozialrechtlichen Fragen. Häufig geht es etwa um das Thema Schwerbehinderung.  Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beantworten nicht nur Fragen. In vielen Fällen formulieren wir für unsere Mitglieder Widersprüche gegen Entscheidungen der Sozialleistungsträger. Und wenn das nichts bringt, ziehen wir auch mit den Betroffenen vor das Sozialgericht.

 

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder beim Behindertenausweis.

 

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