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Wann bekomme ich eine Arbeitsmarktrente?

Wann bekomme ich eine Arbeitsmarktrente

 

Sie müssen schon seit langer Zeit mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen zurechtkommen? Aus diesem Grund haben Sie eine Erwerbsminderungsrente beantragt, die in der Zwischenzeit bewilligt wurde. Doch im Beratungsgespräch beim Sozialverband sagt man Ihnen, dass es sich nicht um eine gewöhnliche volle Erwerbsminderungsrente handelt. Sie beziehen eine Arbeitsmarktrente.

 

Arbeitsmarktrente – was genau ist das?

Im Rentenbescheid selbst ist keine Rede von einer Arbeitsmarktrente. Selbst auf der ersten Seite heißt es lediglich, dass eine „Rente wegen voller Erwerbsminderung“ gewährt wurde.

 

Rentenbescheid zu einer Arbeitsmarktrente
Rentenbescheid zu einer Arbeitsmarktrente. Auf den ersten Blick ist diese nicht zu erkennen.

 

Wir sprechen von einer Arbeitsmarktrente, wenn die betroffene Person zwischen drei und sechs Stunden am Tag arbeiten kann und dennoch eine volle Erwerbsminderungsrente erhält. Die medizinischen Voraussetzungen würden normalerweise dazu führen, dass in diesem Fall eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bewilligt würde. Dass dem nicht so ist, hängt mit der Situation am Arbeitsmarkt zusammen. Daher die griffige Bezeichnung „Arbeitsmarkt-Rente“.

 

Wer aus gesundheitlichen Gründen nur in Teilzeit arbeiten kann (zwischen drei und sechs Stunden), dem können von der Bundesagentur für Arbeit, der Rentenversicherung oder dem Jobcenter nur Tätigkeiten in Teilzeit angeboten werden. Der Betroffene muss einen solchen Job täglich von seiner Wohnung aus erreichen können. Ist es im Rahmen von zwölf Monaten nicht möglich, einen adäquaten Job anzubieten, gilt der Arbeitsmarkt in diesem speziellen Fall als verschlossen. Die Rentenversicherung soll nun eine volle Erwerbsminderungsrente gewähren.

 

Der Arbeitsmarkt ist verschlossen, wenn keine passende Stelle gefunden werden kann. Wer als teilweise erwerbsgemindert gilt, weist in der Regel zahlreiche Einschränkungen auf, die nicht mehr ausgeübt werden können. Zum Beispiel Schichtarbeit, häufiger Stress oder Aktivitäten, bei denen man sich viel bewegen muss.

 

Läuft die volle Erwerbsminderungsrente unbefristet, wenn der Teilzeitarbeitsmarkt verschlossen ist?

Nein, das ist nie der Fall. Eine Arbeitsmarktrente wird immer befristet ausgestellt, maximal für drei Jahre. Denken Sie daran, spätestens sechs Monate vor dem Ablauf Ihrer Rente einen neuen Antrag zu stellen.

 

Wo im Bescheid ist zu lesen, dass es sich um eine Arbeitsmarktrente handelt?

Das Wort „Arbeitsmarktrente“ taucht im Bescheid gar nicht auf. In der Regel finden Sie die gesuchte Passage auf der zweiten Seite des Dokuments. Hier heißt es dann: „Sie haben Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung auf Zeit. Der Rentenanspruch ist zeitlich begrenzt, weil die volle Erwerbsminderung nicht ausschließlich auf Ihrem Gesundheitszustand, sondern auch auf den Verhältnissen des Arbeitsmarktes beruht.“

 

Welche Behörde kann aufstocken, wenn meine Arbeitsmarktrente nicht zum Leben reicht?

Viele Menschen denken hier vermutlich sofort an das Sozialamt, wo Menschen mit voller Erwerbsminderungsrente die Grundsicherung in Anspruch nehmen können. Doch eine nicht verrückbare Voraussetzung für die Grundsicherung sieht vor, dass die Rentenversicherung eine dauerhafte Arbeitsfähigkeit von maximal drei Stunden am Tag festgestellt hat. Wer eine Arbeitsmarktrente bezieht, kann laut Gutachten des Rententrägers aber immer noch zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten. Zumindest theoretisch.

 

Wenn Sie eine Arbeitsmarktrente erhalten und diese nicht ausreicht, um Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, müssen Sie für die Aufstockung zum Jobcenter gehen. Falls Sie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben, beziehen Sie in der Folge aufstockend „Hartz IV“.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Lesen Sie hier mehr über unsere umfangreiche Sozialberatung!

 

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3 Gedanken zu „Wann bekomme ich eine Arbeitsmarktrente?

  1. Guten Tag,
    von dem sozialmedizinischen Dienst wurde mir bescheinigt, dass ich von 3 – unter 6 Stunden arbeitsfähig bin. Ich habe eine versicherungspflichtige Beschäftigung mit einer täglichen Arbeitszeit von 3 Stunden an 5 Tagen in der Woche. Das Jobcenter hat mich aufgefordert mir eine Arbeit mit 29 Wochenstunden zu suchen und meine jetzige Arbeit aufzugeben. Wenn ich bei einer neuen Stelle die Probezeit nicht überstehe, habe ich keine Arbeit mehr. Kann das Jobcenter mich Zwingen mehr Stunden arbeiten zu gehen?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
    Mit freundlichen Grüßen
    Torsten Mann

    1. Hallo Torsten, theoretisch ist das Jobcenter im Recht – die „Hilfebedürftigkeit“ soll so weit wie möglich verringert werden. Mit gesundem Menschenverstand ist die Aufforderung des Mitarbeiters jedoch nur schwer nachzuvollziehen. Natürlich haben Sie Recht, dass eine unbefristete Stelle erst einmal gehalten werden sollte. Handelt es sich denn um einen Minijob? Vielleicht könnte man ja versuchen, den aktuellen Job mit mehr Stunden aufzustocken. Dann wäre das Jobcenter sicherlich zufrieden.

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