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Verrechnung von EM-Rente und ALG: Was wird aus meinem Anspruch auf Arbeitslosengeld?

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Wenn eine Erwerbsminderungsrente bewilligt wird, geschieht das sehr häufig rückwirkend - mit etwas Glück steht Ihnen also eine nette Nachzahlung zu. Doch mit solch einer Feststellung in der Vergangenheit entstehen auch neue Fragen. Zum Beispiel, was aus dem Anspruch auf Arbeitslosengeld wird.

Verrechnung von EM-Rente und ALG: Was wird aus meinem Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Die Erwerbsminderungsrente ist oft das vorläufige Ende eines längeren Kampfes: Erst gibt es Lohnfortzahlung, nach sechs Wochen folgt das Krankengeld. Wer nach rund eineinhalb Jahren immer noch nicht gesund ist, sieht sich mit der sogenannten "Aussteuerung" konfrontiert.

In dieser Phase müssen Sie vielerlei Hürden bewältigen, nicht selten gegen die Mühlen der Bürokratie. Von daher erscheint es verständlich, wenn viele Betroffene erst einmal aufatmen, wenn irgendwann in diesem Prozess die EM-Rente bewilligt wird.

In der Regel erfolgt dies, wenn Sie Kranken- oder Arbeitslosengeld beziehen. Von Ihrem Chef erhalten Sie zu diesem Zeitpunkt schon lange kein Gehalt mehr. Kurios ist: Die Deutsche Rentenversicherung legt den Anfang der Erwerbsminderung oft in die Vergangenheit.

Walter P. aus Witzwort ist seit Juli 2019 krankgeschrieben. Jetzt, im August 2021, ist sowohl die Lohnfortzahlung als auch das Krankengeld schon lange erschöpft. Seit einigen Monaten erhält er deswegen Arbeitslosengeld.

Den Antrag zur Erwerbsminderungsrente hat Walter bereits Anfang 2021 gestellt - als Folge einer Reha, aus der er erwerbsgemindert entlassen wurde.

Jetzt, nach zwei Jahren Krankheit, kommt endlich der Brief der Deutschen Rentenversicherung: Die volle EM-Rente wurde bewilligt, rückwirkend zum Januar 2021. Die erste Zahlung erfolgt jedoch erst zu Ende November.

Zwei Fragen drängen sich nun auf.

Erstens: Muss Walter nun Geld ans Arbeitsamt zurückzahlen, weil er ja bereits schon länger Erwerbsminderungsrentner ist - zumindest virtuell? Und zweitens - warum zahlt die Rentenversicherung erst so spät? Kann das zu Problemen führen?

Sie müssen nichts zurückzahlen!

Zuerst die gute Nachricht: Weder Walter noch Sie (in vergleichbarer Situation) müssen auch nur einen Cent zurückzahlen. Die Rentenversicherung klärt mögliche Überzahlungen mit der Arbeitsagentur bzw. der Krankenkasse, da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Mehr dazu lesen Sie in diesem Beitrag.

Doch dann wäre da noch das Problem mit der späten Zahlung. Obwohl der Start der Erwerbsminderung in die Vergangenheit vorverlegt wurde, können Sie erst in einigen Monaten mit der ersten Zahlung durch die Rentenkasse rechnen. Doch das ist nicht die einzige Schwierigkeit: Denn sobald der Rentenbescheid auf dem Tisch liegt, werden Sie kein Arbeitslosengeld mehr erhalten. Denn das Arbeitsamt fühlt sich nun nicht mehr zuständig.

Mehr zu diesem Sachverhalt finden Sie in diesem Video.

Verfällt mein Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Doch daran schließt sich nun eine weitere Frage: Wenn die Erwerbsminderungsrente rückwirkend bewilligt wird und es zu einer Verrechnung mit dem Arbeitslosengeld kommt - habe ich dann überhaupt ALG I bezogen? Schließlich hat die Arbeitsagentur das Geld doch in voller Höhe vom Rententräger erstattet bekommen.

Nun, hier orientiert sich das Gesetz tatsächlich am gesunden Menschenverstand. Denn der Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt tatsächlich bestehen, wenn das Arbeitsamt sein Geld zurückbekommt.

Kommen wir zurück zu Walter aus unserem Beispiel. Er hat nach der Aussteuerung bis zum Bescheid der Rentenversicherung insgesamt acht Monate Arbeitslosengeld bezogen. Diese Zeit überschneidet sich mit der rückwirkend festgestellten Erwerbsminderung - daher hat die Arbeitsagentur ihr Geld von der Rentenversicherung zurückbekommen.

Sollte Walter eine befristete EM-Rente beziehen - denn so ist es meistens - könnte er zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht noch einmal seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend machen.

Fazit

Sie haben nach dem Ende des Krankengeldes Arbeitslosengeld erhalten. Dann wird eine EM-Rente bewilligt, das Arbeitsamt erhält sein Geld seitens der DRV zurück. Somit beginnt das Spiel gewissermaßen von vorn - zumindest Ihr Anspruch auf ALG I.

Achtung, Vorsicht: Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld verjährt spätestens vier Jahre nach der Entstehung. Sollten Sie also zum Beispiel insgesamt sechs Jahre eine Erwerbsminderungsrente beziehen und dann - direkt im Anschluss - auf Ihr ALG I pochen, werden Sie kein Geld sehen.

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