Behinderung

Muss ich meine Schwerbehinderung dem Arbeitgeber melden?

Muss ich meine Schwerbehinderung dem Arbeitgeber melden?

 

Der Schwerbehindertenausweis. Wie man diesen beantragt, nimmt einen großen Anteil unserer Sozialberatung in Anspruch. Allein in Schleswig-Holstein haben mehr als zehn Prozent aller Einwohner eine Schwerbehinderung. Der entsprechende Ausweis ist vor allem deshalb so wichtig, weil er einige Nachteilsausgleiche mit sich bringt. Zum Beispiel bei Ihrer Steuererklärung, dem Thema Mobilität – und vor allem auf dem Arbeitsmarkt.

 

Viele Menschen sind sich jedoch unsicher, wie sie mit dem Status der Schwerbehinderung gegenüber ihrem Arbeitgeber umgehen sollen. Aus diesem Grund haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten dazu in diesem Beitrag zusammengefasst.

 

Muss mein Chef wissen, dass ich eine Schwerbehinderung habe?

Nein. Wenn sich eine dauerhafte Behinderung entwickelt, müssen Sie Ihren Arbeitgeber nicht darüber informieren. Zumindest nicht, solange Sie Ihren Job noch adäquat ausüben können.

 

Ein Bespiel: Kathrin arbeitet als Bürokauffrau. Seit einigen Jahren hat sich ihr Rheuma immer weiter verschlechtert. Mittlerweile hat sie deshalb auch einen Schwerbehindertenausweis beantragt. Der Bescheid des Landesamtes für soziale Dienste ist positiv – sie erhält einen GdB in Höhe von 60. Das Rheuma ist eine ständige Beeinträchtigung und macht Kathrin im Alltag ganz schön zu schaffen. Allerdings legt sie großen Wert darauf, am Arbeitsplatz weiter voll einsatzfähig zu sein.

 

Kathrin müsste ihre Schwerbehinderung gegenüber dem Chef nicht erwähnen.

 

Ist es sinnvoll, eine Schwerbehinderung im Job zu verschweigen?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die meisten Menschen, die mit dieser Frage zu uns kommen, haben Angst. Sie leben mit der Sorge, dass ihr Arbeitgeber ein Problem mit der Behinderung haben könnte. Leider kursieren insbesondere in kleineren Betrieben immer noch zahlreiche Vorurteile über Menschen mit Behinderung: Man könne sie nicht mehr loswerden. Sie seien ständig krank. Man müsste ihnen teure Spezialgeräte zur Verfügung stellen.

 

 

Natürlich sind diese Einwände Unsinn – doch viele Arbeitgeber wissen das nicht. Vor diesem Hintergrund ist die Sorge von Menschen mit Behinderung, sie könnten durch die Offenlegung ihrer Schwerbehinderung Nachteile erfahren, nicht unbegründet.

 

Falls Sie im Öffentlichen Dienst tätig sind, sollten Sie Ihren Schwerbehinderten-Status der Personalabteilung mitteilen. Wie kaum ein anderer Arbeitgeber ist der Staat sehr daran interessiert, den Anteil schwerbehinderter Kolleginnen und Kollegen zu erhöhen. Ob Sie Ihren Chef auch einweihen, wenn Sie in einem Elektro-Betrieb mit vier Mitarbeitern tätig sind, müssen Sie selbst entscheiden. Fakt ist aber: Solange Sie Ihre Behinderung verheimlichen, können Sie die mit dem Beruf verbundenen Nachteilsausgleiche nicht in Anspruch nehmen. Also keine zusätzlichen Urlaubstage.

 

Kann ich die Behinderung gegenüber meinem Arbeitgeber auch nachträglich angeben?

Selbstverständlich. Doch in diesem Fall profitieren Sie erst später von den Nachteilsausgleichen.

 

Kommen wir zu unserem Beispiel zurück: Kathrin hat Ihren Bescheid zur Feststellung einer Schwerbehinderung bereits 2017 erhalten. Ihrem Chef erzählt sie das allerdings erst 2019, also fast zwei Jahre später. Das bedeutet, dass die Bürokauffrau den Sonderurlaub erst ab dem Zeitpunkt wahrnehmen kann, da ihr Schwerbehinderten-Status in der Firma bekannt war. Nachträglich kann sie die zusätzlichen Urlaubstage nicht geltend machen.

 

Spätestens wenn Sie aufgrund Ihrer Behinderung vorzeitig in Rente gehen möchten, muss Ihr Arbeitgeber Bescheid wissen. Ob es stilvoll ist, mit dem Zücken des Schwerbehindertenausweises bis dahin zu warten, müssen Sie für sich selbst beantworten. Bedenken Sie, dass Sie Ihre Altersrente rund dreineinhalb Monate vor dem geplanten Beginn beantragen sollten. Außerdem ist rechtzeitig sicherzustellen, ob sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Denn allein der Schwerbehindertenausweis reicht nicht aus, um die Altersrente für schwerbehinderte Menschen in Anspruch zu nehmen.

 

Was ist bei einer Kündigung zu beachten?

Spricht der Arbeitgeber Ihnen die Kündigung aus, können Sie Ihren Schwerbehindertenstatus auch dann nutzen, wenn sie diesen bisher nicht angegeben haben. Um nun den besonderen Kündigungsschutz in Anspruch zu nehmen, bleiben Ihnen nach Erhalt der Kündigung drei Wochen Zeit, den Chef zu informieren. Das gilt auch für den Fall, wenn Sie lediglich gleichgestellt sind.

 

Der besondere Kündigungsschutz sieht vor, dass die Schwerbehindertenvertretung in Ihren Fall einbezogen werden muss. Außerdem ist eine Zustimmung des Integrationsamtes erforderlich. Die Vertreter dieser Organisationen werden jetzt versuchen, die Kündigung mit verschiedenen Maßnahmen zu verhindern – möglicherweise kann man Ihnen einen angepassten Arbeitsplatz zur Verfügung stellen.

 

Fazit

Wenn Sie Ihre Arbeit tadellos erledigen, ist Ihre Schwerbehinderung Privatsache. Falls Sie es denn so wollen. Nachteilsausgleiche gibt es selbstverständlich nur, wenn Sie Ihren Arbeitgeber über die Behinderung informieren. Ob das aufgrund von Vorurteilen immer sinnvoll ist, können nur Sie beantworten. Im Öffentlichen Dienst spricht nichts dagegen, auch in der Privatwirtschaft nicht – zumindest in den allermeisten Fällen.

 

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

 

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