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Rente und Nebenverdienst: Wann wird gekürzt, wann nicht?

Rente und Nebenverdienst - wann wird gekürzt

 

Immer mehr Rentner in Deutschland üben einen Nebenverdienst aus. Im Jahr 2018 verdienten fast 1,5 Millionen Senioren etwas zur Rente dazu – ein neuer Rekordwert. Eine der wichtigsten Fragen, die sich in Bezug auf Rente und Nebenjob stellt: Wie viel darf ich von meinem Nebenverdienst behalten? Und unter welchen Umständen wird meine Rente sogar gekürzt?

 

In diesem Beitrag klären wir die wichtigsten Fragen rund um Rente und Nebeneinkünfte.

 

Nebenverdienst im Alter: Es kommt auf die Rentenart an

Wie immer versuchen wir, es so einfach wie möglich zu erläutern. Die wichtigste Regel lautet: Befinden Sie sich jenseits der sogenannten Regelaltersgrenze, können Sie unbegrenzt hinzuverdienen. Die Regelaltersgrenze ist für jedes Geburtsjahr unterschiedlich – welche Grenze für Ihren Jahrgang gilt, finden Sie schnell in dieser Übersicht:

 

Ihre persönliche Regelaltersgrenze
Ab Jahrgang 1964 liegt die Regelaltersgrenze bei 67.

 

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wenn Sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, müssen Sie bei Ihrem Nebenverdienst ein wenig aufpassen. Doch auch hier sind die Regelungen recht einfach zu verinnerlichen.

 

In Deutschland gibt es diverse Rentenformen. Witwen- und Hinterbliebenenrenten. Erwerbsminderungsrenten. Und natürlich die Altersrenten. In diesem Beitrag werden wir uns auf Erwerbsminderungs- und Altersrenten konzentrieren. Denn neben der Regelaltersrente gibt es drei weitere Formen der Altersrente – allen ist gemein, dass man mit diesen Varianten eine vorgezogene Rente beziehen kann.

 

 

Je nach Rentenart und Ihrem Alter beim Beginn der Rente müssen Sie Abzüge in Kauf nehmen. Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag. Doch jetzt zurück zum Hinzuverdienst: Wenn Sie eine vorgezogene Altersrente beziehen, kommt erneut die schon angesprochene Regelaltersgrenze ins Spiel.

 

Nach der Regelaltersgrenze: Rente wird nicht gekürzt

Sobald Sie Ihre individuelle Regelaltersgrenze erreicht haben, haben Sie die Möglichkeit, neben Ihrer Rente so viel hinzuzuverdienen, wie Sie möchten. Aber nicht vorher. Hier greift die zweite wichtige Regel zum Nebenverdienst bei der Rente: Bleiben Sie im Jahr unter 6300 Euro, wird Ihre Rente nicht gekürzt.

 

Rente und Nebenjob - ab wann wird meine Rente gekürzt?
Bis zu 6300 Euro können Sie mit vorgezogener Altersrente hinzuverdienen, ohne dass Ihre Rente gekürzt wird.

 

Nur wenn Sie durch den Nebenjob im kompletten Kalenderjahr mehr als 6300 Euro einnehmen, wird Ihre Rente um bis zu 40 Prozent gekürzt. Einige Beispiele rund um diese Regelungen finden Sie in unserem Beitrag über die Flexirente:

 

Flexirente: Wieviel kann ich hinzuverdienen?

 

Wenn Sie als Rentner deutlich mehr als 6300 Euro pro Jahr verdienen, kommt irgendwann der sogenannte „Hinzuverdienstdeckel“ ins Spiel. Wo genau der liegt, kann Ihnen die Deutsche Rentenversicherung mitteilen. Nur wenn Sie mit Ihrem Nebenverdienst über diesen Deckel kommen, wird der Betrag jenseits dieser Grenze komplett angerechnet. Aber auch nur dann.

 

Erwerbsminderungsrente: 6300 Euro – und Sie sind „safe“

Die dritte relevante Regel zum Hinzuverdienst bei der Rente betrifft die EM-Rente. Auch hier gilt eine Grenze von 6300 Euro pro Kalenderjahr. Wenn Sie weniger verdienen, erfolgt keine Kürzung. Viele Menschen sind erst einmal stutzig, wenn sie das hören: Erwerbsminderungsrente und Hinzuverdienst? Geht das überhaupt? Eine EM-Rente gibt es doch gerade dann, wenn man nicht mehr arbeiten kann.

 

Das stimmt. Aber genau genommen geht es um das sogenannte „Restleistungsvermögen“. Eine volle EM-Rente kann gezahlt werden, wenn Sie dauerhaft weniger als drei Stunden am Tag irgendeiner Beschäftigung nachgehen können. Das bedeutet: Ein Minijob mit bis zu drei Stunden Arbeit pro Tag wäre zumindest theoretisch drin. Und so können auch Erwerbsminderungsrentner ihre kleine Rente aufbessern – bis zu 6300 Euro. Ab dann droht die Kürzung.

 

Fazit: Beim Hinzuverdienst zur Rente kommt es aufs Alter und die Zahl 6300 an

Die grundlegenden Säulen beim Nebenverdienst zur Rente sind leicht zu merken.

 

  1. Liegen Sie altersmäßig über der Regelaltersgrenze?
  2. Verdienen Sie mit dem Nebenjob während der vorgezogenen Altersrente unter 6300 Euro im Jahr?
  3. Beträgt Ihr Zusatzverdienst neben der EM-Rente weniger als 6300 Euro pro Jahr?

 

Falls Ihre Antwort „ja“ lautet, wird Ihre Rente – egal ob Alters- oder Erwerbsminderungsrente – nicht gekürzt. Vergessen Sie jedoch nicht, den Rententräger über Ihre Zusatzeinkünfte zu informieren!

 

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

 

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2 Gedanken zu „Rente und Nebenverdienst: Wann wird gekürzt, wann nicht?

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