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Rente und Behinderung

Rente und Behinderung

 

Rente und Behinderung. Kaum eine Kombination aus Anfragen kommt im Rahmen unserer Sozialberatung so häufig vor. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Wer eine anerkannte Schwerbehinderung vorweisen kann, kann unter Umständen eine vorgezogene Altersrente beziehen. Manchmal sogar ohne Abzüge. Darüber hinaus sehnen viele Menschen mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen einen früheren Rentenbeginn regelrecht herbei – ganz einfach, weil es anders nicht mehr geht.

 

In dieser aktuellen Übersicht erklären wir, welche Möglichkeiten es für Menschen mit Behinderung gibt, vorzeitig in Rente zu gehen. Wir klären die rechtlichen und gesundheitlichen Voraussetzungen und beantworten die häufigsten und wichtigsten Fragen zum Thema Rente und Behinderung.

 

Rente bei Schwerbehinderung

 

  1. Rente und Behinderung – für wen gilt das?
  2. Gibt es ein gesetzliches Mindestalter für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen?
  3. Muss ich als Mensch mit Behinderung eine bestimmte Anzahl von Versicherungsjahren erfüllen?
  4. Gibt es bei der Rente für Menschen mit Behinderung Abschläge?
  5. Was ist der Unterschied zur Erwerbsminderungsrente?
  6. Kein Verschlimmerungsantrag kurz vor der Rente!

 

Rente und Behinderung – für wen gilt das?

Offiziell sprechen wir von der Altersrente für schwerbehinderte Menschen. Diese wurde für all diejenigen eingeführt, die einen Grad der Behinderung von wenigstens 50 (GdB) inne haben. Eine wesentliche Voraussetzung für diese besondere Form der vorgezogenen Altersrente ist also der Schwerbehindertenausweis.

 

Rente und Behinderung: Drei Voraussetzungen müssen vorliegen.
Eine Behinderung allein reicht nicht aus, um die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu erhalten.

 

Mit anderen Worten: Es reicht für diese Art der vorgezogenen Altersrente nicht aus, wenn Sie schwer erkrankt sind. Für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen ist es zwingend notwendig, dass Sie Ihre Behinderung amtlich anerkennen lassen. Wo das geht? In Schleswig-Holstein wenden Sie sich bitte an das Landesamt für soziale Dienste. Worauf Sie bei Ihrem Antrag zum Schwerbehindertenausweis achten sollten, lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Außerdem gilt es, zwei weitere Voraussetzungen für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu erfüllen.

 

Gibt es ein gesetzliches Mindestalter für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen?

Es gibt bei dieser Frage nicht das eine Mindestalter für Menschen mit Behinderung. Vielmehr hängt der Start Ihrer Rente sowohl von Ihrem Jahrgang als auch von der Bereitschaft ab, Abschläge in Kauf zu nehmen. Wenn es für Sie eine ungekürzte Rente sein soll, merken Sie sich am besten folgende Faustregel: Menschen mit anerkannter Behinderung können zwei Jahre vor dem Erreichen der individuellen Regelaltersgrenze eine Rente ohne Abstriche in Anspruch nehmen.

 

Die Betonung liegt auf der persönlichen Regelaltersgrenze. Diese hängt direkt mit Ihrem Geburtsjahr zusammen.

 

Altersrente für schwerbehinderte Menschen - mit und ohne Abschlag
Auch bei Menschen mit Behinderung hängt der Einstieg in die Rente im Wesentlichen vom Geburtsjahr ab.

 

Ein Beispiel:

 

Dieter aus Malente ist „Baujahr“ 1960. Sein Ziel lautet, so früh wie möglich in die Rente zu kommen. Da er als Einzelhandelskaufmann nie besonders viel verdient hat, will er Abschläge unbedingt vermeiden. Kürzlich hat er vom Landesamt für soziale Dienste seinen Schwerbehindertenausweis erhalten. Anstatt bis zur Regelaltersgrenze durchzuarbeiten – die würde für Dieter bei 66 Jahren und vier Monaten liegen – könnte er genau zwei Jahre früher ohne Abzug in Rente: Mit 64 Jahren und vier Monaten.

 

Muss ich als Mensch mit Behinderung eine bestimmte Anzahl von Versicherungsjahren erfüllen?

Die magische Grenze liegt bei 35 Versicherungsjahren. Erst wenn Sie diese Wartezeit in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können, besteht eine Chance auf die Altersrente für schwerbehinderte Menschen.

 

Die gute Nachricht lautet: Zu diesen 35 Jahren zählen nicht nur die Phasen Ihres Lebens, in denen Sie versicherungspflichtig gearbeitet haben – entweder als Angestellter oder selbstständig. In der Praxis ist es gar nicht so schwierig, auf insgesamt 35 Jahre Wartezeit zu kommen. Anrechenbare Zeiten sind:

 

 

Inwiefern diese Zeiten bereits in Ihrem Rentenkonto berücksichtigt sind, entnehmen Sie am einfachsten der Rentenauskunft. Diese schickt Ihnen die gesetzliche Rentenversicherung automatisch zu.

 

Gibt es bei der Rente für Menschen mit Behinderung Abschläge?

Auch mit Behinderung gibt es in der Rente Abzüge. Ob das auch bei Ihnen der Fall ist, hängt mit der Frage zusammen, wie viel früher Sie Ihren Ruhestand beginnen möchten.

 

Wie wir bereits wissen, können Sie mit einem GdB von 50 zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze in die Rente. Wenn Sie nicht so lange warten möchten (oder können), ist ein noch früherer Rentenstart im Bereich des Machbaren. Dieser ist jedoch mit Kürzungen Ihrer Rente verbunden. Jeder Monat kostet Sie 0,3 Prozent. Ein ganzes Jahr bedeutet also 3,6 Prozent Abzug. Bis an Ihr Lebensende. Wenn Sie es sich leisten können, können Sie Ihren Ruhestand auf diese Weise noch einmal um bis zu drei Jahre nach vorn ziehen.

 

Wie früh mit Behinderung in die Rente?
Mit anerkannter Behinderung können Sie mit oder ohne Abschlag in Rente gehen.

 

Der frühestmögliche Zeitpunkt, mit Behinderung in Rente zu gehen, liegt also ganze fünf Jahre vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze. In diesem Fall wird allerdings ein Abschlag in Höhe von 10,8 Prozent auf Ihre Rente fällig.

 

Was ist der Unterschied zur Erwerbsminderungsrente?

Viele Menschen mit Behinderung beziehen bereits noch deutlich früher eine Rente. Das ist immer dann der Fall, wenn die gesundheitlichen Einschränkungen so groß sind, dass sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine Chance haben. Als Richtlinie gilt: Wer weniger als drei Stunden pro Tag irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen kann, erhält eine Erwerbsminderungsrente.

 

Diese EM-Rente ist mit der Altersrente für schwerbehinderte Menschen nicht zu vergleichen. Beide Renten können nicht gleichzeitig bezogen werden. Denn die Erwerbsminderungsrente läuft spätestens dann aus, wenn eine Altersrente gezahlt wird. Oder beim Erreichen der Regelaltersgrenze.

 

Bei der Erwerbsminderungsrente gelten deutlich strengere medizinische Voraussetzungen. Im Vergleich dazu ist die Altersrente für schwerbehinderte Menschen relativ niedrigschwellig – ein GdB von 50 genügt. Und mit diesem Merkmal gibt es in Deutschland unzählige Menschen, die noch in Vollzeit berufstätig sind. Das wäre mit einer Erwerbsminderungsrente undenkbar.

 

Kein Verschlimmerungsantrag kurz vor der Rente!

Zum Abschluss noch ein sehr wichtiger Hinweis: Wenn Sie bereits im Besitz eines Schwerbehindertenausweises sind und kurz vor der Rente stehen, stellen Sie bitte niemals leichtfertig einen Antrag auf Neufeststellung.

 

Rentenexperte - Christian Schultz vom SoVD Schleswig-Holstein„Keine unüberlegten Verschlimmerungsanträge kurz vor der Rente! Im schlimmsten Fall droht der Verlust Ihres Schwerbehindertenausweises. Lassen Sie sich in solch einem Fall unbedingt vor dem Antrag beraten.“

 

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

 

Warum ist das so wichtig? Nun, bei einem Antrag auf Neufeststellung – umgangssprachlich auch „Verschlimmerungs- oder Verschlechterungsantrag“ – muss die zuständige Behörde Ihre gesundheitliche Verfassung neu bewerten. Wenn sich Ihre körperliche oder seelische Konstitution seit der letzten Untersuchung deutlich verschlechtert hat, klingt das erst einmal sinnvoll.

 

Doch der Teufel steckt im Detail. Mitunter kommt es vor, dass bestimmte Formen der Behinderung heute anders bewertet werden als noch vor ein paar Jahren. Die Diabetes allein führt schon lange nicht mehr zum Schwerbehindertenstatus. Bei einem Neufeststellungsantrag rollen Sie Ihren kompletten Status wieder auf – mit der Gefahr, dass Sie am Ende mit einem niedrigeren GdB dastehen als vorher. Und dann war’s das vielleicht mit der vorgezogenen Altersrente.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen mit Krankenkasse oder Rentenversicherung.

 

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9 Gedanken zu „Rente und Behinderung

  1. Sehr geehrter Herr Schultz
    Die LVA hat mir angeboten jetzt mit meinen 62 Jahren in Altersrente zugehen nach 35 Jahren seit 1993 Erwerbsminderungsrente beziehe 70% Schwerbehinderung. Macht es Sinn für mich oder soll ich warten bis 31.12.2024 bis die Altersrente für mich für anfängt?

    Mit freundlichen Grüßen
    Ingnes Biesterfeldt

    1. Hallo Ingnes, Sie sollten sich von der Rentenversicherung ausrechnen lassen, wie hoch die jeweilige Rentenart für Sie wäre. Gehen Sie jetzt in die Altersrente für schwerbehinderte Menschen, droht ein Abschlag. Eine Entscheidung sollten Sie aber erst treffen, wenn Sie beide Optionen schwarz auf weiß vor sich haben.

      1. Hallo Christian
        herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort, da ich keine Probleme habe bis zum 31.12.2024 zu warten bis ich in die Altersrente gehe, werde ich kein Risiko eingehen und jetzt schon meine Erwerbsminderungsrente in eine Altersrente umzuwandeln.

  2. Änderungsantrag nach SGB IX

    Habe GdB von 40 und musste kürzlich TEP Knie rechts machen lassen. Inzwischen sind damit alle großen Gelenke ersetzt. Rückfrage beim Landesversorgungsamt, ob mit der neuerlichen Verschlimmerung der GdB, bei Antrag auf 50 erhöht wird, wurde nicht beantwortet.
    Können Sie mir das beantworten?

    1. Hallo Werner, das können wir leider auch nicht verbindlich beantworten, ohne die Befundberichte zu sehen. Mit einem GdB von 40 haben Sie allerdings beim „Verschlimmerungsantrag“ nichts zu verlieren. Es sei denn, Sie sind gleichgestellt.

  3. Hallo,habe 47Jahre voll Bekomme die volle Erwerbsminderungsrente und möchte sie in eine Altersrente umwandeln da ich auch eine Behinderung von 80%habe.Festgelegt auf 5Jahre
    Möchte Rückwirkend 5Monate eher in Rente.Bekomme ich dann Abzüge und wenn ja wieviel?
    Regelaltersrente 1.10.2022
    Altersrente ohne Abzüge da 1956 und 47voll
    1.08.2020

    1. Hallo Martina, um Ihnen den frühestmöglichen Renteneintritt zu nennen, benötige ich Ihren Geburtsjahrgang. Aber das können Sie auch oben in der Tabelle schnell selbst rausfinden.
      Abzüge gibt es in der Altersrente für schwerbehinderte Menschen immer dann, wenn Sie früher als zwei Jahre vor der Regelaltersrente Ihre Altersrente beziehen. Aber Vorsicht: Wenn Sie schon länger Erwerbsminderungsrente beziehen und darauf Abschläge anfallen, werden diese in der Altersrente normalerweise übernommen.

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