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EM-Rente in Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Aktuelles Rente Behinderung Gesundheit

Der übliche Weg in die Erwerbsminderungsrente führt über ein mehr oder weniger langes Arbeitsleben. Irgendwann wird man ernsthaft krank, bekommt kein Gehalt mehr und fällt ins Krankengeld. Das ist oftmals der Moment, an dem Menschen das erste Mal über eine EM-Rente nachdenken. Doch für viele Menschen in Deutschland läuft es ganz anders - und zwar dann, wenn sie in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung beschäftigt sind.

Erwerbsminderungsrente in Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Beim Sozialverband beraten wir täglich zur Erwerbsminderungsrente. In der Regel geht es um die gesundheitlichen Voraussetzungen, den Termin beim Gutachter oder auch um das mitunter nicht ganz eingängige Prozedere um die "rentenrechtlichen" Voraussetzungen: Fünf Jahre Versicherungszeit und dann noch einmal 36 Monate Pflichtbeiträge - für den Laien sind insbesondere die möglichen Ausnahmen und Besonderheiten schwer nachzuvollziehen.

Wer jedoch in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeitet, sieht sich ganz klaren Vorgaben mit Blick auf die EM-Rente gegenüber.

Erwerbsminderungsrente für Menschen mit Behinderung

Wer an die Rente in Verbindung mit der Behinderung denkt, hat oftmals die Altersrente für schwerbehinderte Menschen vor Augen. Doch in diesem Beitrag geht es zum einen ausschließlich um die EM-Rente, außerdem dürfen wir den Schwerbehindertenstatus nicht mit einem Platz in der Werkstatt gleichsetzen. Ein GdB von 50 oder auch 100 bedeutet noch lange nicht, dass jemand Werkstattbeschäftigter wird. Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag.

Was viele nicht wissen: Menschen, die in einer "Behindertenwerkstatt" tätig sind, haben nach 20 Jahren Anspruch auf eine volle Erwerbsminderungsrente. Keine Frage nach Pflichtbeiträgen oder Mindestversicherungszeit. 20 Jahre Werkstatt = EM-Rente.

Das führt dazu, dass Sie mitunter schon in recht jungen Jahren eine Rente wegen Erwerbsminderung beziehen können. Ungewöhnlich - denn der Großteil aller neuen EM-Rentner sieht sich in den 50ern oder frühen 60ern dazu gezwungen, die Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko, dauerhaft nicht mehr arbeiten zu können, sprunghaft an. Aktuelle Zahlen dazu finden Sie im Statistikportal der Deutschen Rentenversicherung.

Wie hoch ist die EM-Rente nach 20 Jahren in der Werkstatt?

Nun könnte man meinen, dass Mitarbeiter aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung sehr kleine EM-Renten beziehen. Einmal, weil sie beim erstmaligen Bezug noch relativ jung sind. Und zum anderen weil sie kaum etwas verdienen und somit nur geringe Rentenbeiträge abführen.

Aber ganz so ist es nicht. Denn die Zurechnungszeiten bei der Berechnung von EM-Renten sind in den letzten Jahren nach und nach verlängert worden. Wer heute eine Erwerbsminderungsrente beantragt, kann sich - im Gegensatz zu Bestandsrentnern - über eine relativ hohe Zahlung freuen. Denn die Zurechnungszeit läuft bis zur Regelaltersgrenze. Ältere Kohorten von EM-Rentnern müssen mit Zurechnungszeiten bis 62 oder noch weniger auskommen. Eine große Ungerechtigkeit, gegen die sich der SoVD schon lange zur Wehr setzt.

Außerdem müssen die Betreiber von "Behindertenwerkstätten" 80 Prozent des deutschen Durchschnittseinkommens für die Abführung ihrer Rentenbeiträge an die Deutsche Rentenversicherung überweisen. Auch das führt dazu, dass Beschäftigte von Werkstätten nach 20 Jahren in der der Regel keine Mini-Renten befürchten müssen.

EM-Rente und weiter arbeiten

Und noch eine gute Nachricht: Wer nach 20 Jahren in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung Erwerbsminderungsrente bekommt, muss seinen Job in der Werkstatt nicht komplett aufgeben. Bis zu 6300 Euro im Jahr dürfen Sie hinzuverdienen - ohne dass die EM-Rente gekürzt wird.

In vielen Fällen läuft es also darauf hinaus, dass sich Ihre finanzielle Situation mit der Erwerbsminderungsrente verbessert. Gleichzeitig können Sie Ihre Tagesstruktur in der Werkstatt behalten und Ihren bisherigen Job weiter ausüben.

Fazit

Nach 20 Jahren Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung haben Sie Anspruch auf volle EM-Rente. Punkt. Lassen Sie sich am besten vor dem Antrag beraten. In vielen Fällen erhalten Sie weitere Zahlungen - zum Beispiel Grundsicherung und/oder Eingliederungshilfe. Um den bestmöglichen Weg für Sie zu finden, sollten Sie die neue Situation mit einem Profi besprechen.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

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