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Mit 63 nur kleine Rente - wer stockt jetzt auf?

Aktuelles Rente Armut

Rund die Hälfte aller Deutschen geht zurzeit noch vor dem Erreichen der regulären Altersgrenze in die Rente. In der Regel, weil sie es sich leisten können. Doch wie sieht es aus, wenn diese vorgezogene Altersrente sehr klein ist? Kann man irgendwo aufstocken?

Mit 63 nur kleine Rente - wer stockt jetzt auf?

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag geht es nicht darum, in welcher Weise das Jobcenter dazu berechtigt ist, Sie zwangsweise in die Rente zu schicken. Wenn Sie mehr über diesen Sachverhalt erfahren möchten, empfehle ich Ihnen diesen Artikel.

Heute gehen wir anders an das Thema ran. Es geht um folgendes Szenario:

Peter aus Oldenburg ist gerade 63 geworden. In einem Monat läuft sein Arbeitslosengeld aus. Da Peter früher einmal Geld vom Jobcenter beziehen musste, möchte er um jeden Preis verhindern, dort noch einmal zu landen. Vor diesem Hintergrund hat er beschlossen, eine Altersrente zu beantragen.

Das ist möglich, denn Peter kommt auf insgesamt 41 Jahre Wartezeit für die sogenannte Altersrente für langjährig Versicherte - über diese Rentenart können Sie ab dem 63. Geburtstag in den Ruhestand. Allerdings nur mit Abzügen.

Wie genau das mit den Abschlägen bei der Altersrente für langjährig Versicherte läuft, erfahren Sie in diesem Video:

Man kann sich darüber streiten, ob es finanziell sinnvoll ist, einen solchen Schritt zu gehen. Insbesondere dann, wenn die zu erwartende Rente klein wäre. Zu klein, um davon leben zu können.

Kleine Rente: Wer stockt jetzt auf?

Normalerweise ist diese Frage leicht zu beantworten: Wenn die Rente nicht reicht, können Sie zum Amt für Grundsicherung gehen und dort eine Aufstockung beantragen. In manchen Orten heißt die zuständige Behörde auch noch ganz altmodisch Sozialamt. Aber unter dem Strich zählt die Tatsache, dass Sie Ihre karge Rente mit der Grundsicherung im Alter aufstocken können.

Allerdings gilt das nur ab einem bestimmten Alter. Ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben, hängt davon ab, ob Sie die Regelaltersgrenze bereits überschritten haben. Wo genau diese in Ihrem Fall liegt, entscheidet Ihr Geburtsjahr.

Umgekehrt bedeutet das aber auch: Solange Sie altersmäßig unter dieser Grenze liegen, ist die Grundsicherung nicht für Sie zuständig. Also gibt es auch keine Aufstockung. Aber wer hilft Ihnen jetzt weiter, wenn die Rente nicht reicht?

Vorgezogene Altersrente: Ist das Jobcenter für die Aufstockung zuständig?

Bleibt eigentlich nur das Jobcenter als Anlaufstelle für eine Aufstockung. Aber müssen die dann auch wirklich zahlen?

Grundsätzlich bekommt man "Hartz IV", wenn man erwerbsfähig ist - also mehr als drei Stunden täglich arbeiten kann - und noch nicht die Regelaltersgrenze erreicht hat. Finanzielle Bedürftigkeit setzen wir natürlich auch voraus. Der Bezug einer vorgezogenen Altersrente liegt also in einer Art Grauzone. Man ist zwar noch erwerbsfähig und hat die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht - bezieht aber eine Altersrente. Ist das Jobcenter dann zuständig?

Nein, ist es nicht. Wer eine Altersrente bekommt, hat keinen Anspruch gegenüber dem Jobcenter. Auch nicht im Fall einer vorgezogenen Altersrente.

Wie schließe ich die finanzielle Lücke?

Wir befinden uns also in einer denkbar ungünstigen Situation: Kleine Rente - aber weder Anspruch auf "Hartz IV" noch auf Grundsicherung.

Dazu muss man sagen: Wenn tatsächlich absehbar ist, dass Sie allein von Ihrer kleinen Rente leben müssen, dann sollten Sie grundsätzlich auch keinen vorgezogenen Rentenantrag stellen. In den allermeisten Fällen ist der Urspung zu solch einem Szenario also entweder Unbedachtheit oder eine falsche Beratung. Aber natürlich kann das Leben unvorhersehbare Wege einschlagen - beispielsweise die Trennung vom Partner, so dass plötzlich weniger Geld zur Verfügung steht als geplant.

Wie auch immer: Es bleibt die Frage, ob man von irgendwoher doch noch eine Aufstockung zur vorgezogenen Altersrente erhalten kann. Und da haben wir eine Lösung für Sie: die Hilfe zum Lebensunterhalt. Früher hat man dieses Konstrukt auch schlicht und einfach als Sozialhilfe bezeichnet. Finanziell gibt es hier so gut wie keinen Unterschied zum ALG II oder der Grundsicherung - Sie beantragen die Hilfe zum Lebensunterhalt in der Regel sogar in derselben Behörde wie die Grundsicherung. Vielleicht sogar beim gleichen Sachbearbeiter.

Auf diese Weise kommen Sie also doch noch auf die notwendige Aufstockung. Zumindest bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze - denn ab hier wäre dann wirklich die Grundsicherung im Alter für Sie zuständig.

Fazit

In diesem Fall sind also weder Grundsicherung noch Arbeitslosengeld II die letzte Stufe im deutschen Sozialnetz, sondern die gute alte Sozialhilfe - allerdings unter dem offiziellen Titel Hilfe zum Lebensunterhalt.

Sie fallen mit kleiner vorgezogener Altersrente demnach nicht ins Bodenlose. Das A und O im Sozialrecht bleibt jedoch eine gute und persönliche Beratung. In vielen Fällen holen Sie auf diese Weise deutlich mehr Geld heraus.

Kommentare (3)

  • Eva Fischer
    Eva Fischer
    am 23.09.2021
    Ich meinte zu meiner vorherigen Frage, wenn ich eine Teilerwerbsminderungsrente erhalte und dann arbeits werde?
  • Naggar
    Naggar
    vor 2 Wochen
    Zu meinem Verständnis. Ich bin jetzt 2,5 J arbeitslos, bekomme also ALG2, werde dies JAhr 62.
    LAut Renteninfo kann ich Rente für langjährig Versicherte beantragen.
    Zur Aufstockung muss ich Hilfe zum Lebensunterhalt beim Sozialamt beantragen
    KAnn das Amt meinen Antrag ablehnen(erinnere mich es mal gelesen zu haben) da ich ja Aufgrund meines Alters noch arbeiten könnte
    DAnke
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 1 Woche
      Finanziell macht es wenig Sinn, eine vorgezogene Rente zu beantragen, die aufgestockt werden muss. Aber grundsätzlich wäre dann die Hilfe zum Lebensunterhalt zuständig.

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