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Widerspruch bei Schwerbehinderung – worauf ist zu achten?

Widerspruch bei Schwerbehinderung - worauf ist zu achten

 

Allein in Schleswig-Holstein werden pro Jahr rund 50.000 Anträge im Schwerbehindertenrecht gestellt. Sowohl Neuanträge als auch sogenannte Verschlimmerungsanträge. Wer mit den darauffolgenden Bescheiden nicht zufrieden ist oder sich ungerecht behandelt fühlt, hat die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen.

 

Was beim Widerspruch zur Schwerbehinderung von Bedeutung ist, verraten wir in diesem Beitrag.

 

Behindertenausweis – wann sollte man Widerspruch einlegen?

Die allerwichtigste Botschaft, die wir unseren Mitgliedern immer wieder mit auf den Weg geben: Bitte erkundigen Sie sich vor jedem Antrag, was Ihnen der Schwerbehindertenausweis überhaupt bringen würde. Gibt es ein bestimmtes Merkzeichen, das Ihnen den Alltag spürbar erleichtern würde? Haben Sie überhaupt Chancen, dieses Merkzeichen zu bekommen? Wollen Sie in nächster Zeit eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen beantragen?

 

Das können wichtige Gründe dafür sein, einen Antrag nach dem Schwerbehindertenrecht zu stellen. Wenn nach rund drei Monaten ein Bescheid ins Haus flattert, der für Sie enttäuschend ist, können Sie dagegen Widerspruch einlegen. Innerhalb eines Monats, anschließend ist die Frist abgelaufen, und Sie können allenfalls einen komplett neuen Antrag stellen.

 

Experte Schwerbehinderung - Christian Schultz vom SoVD Schleswig-Holstein„Machen Sie sich unbedingt vor dem Antrag darüber schlau, was Ihnen der Schwerbehindertenausweis oder ein bestimmtes Merkzeichen bringen würde. Und erkundigen Sie sich bitte, ob Sie überhaupt eine Chance haben, dieses Ziel zu erreichen.“

 

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

 

Doch für den Widerspruch gilt die gleiche Voraussetzung wie für Neu- und Verschlimmerungsantrag: Erkundigen Sie sich, was Ihnen das Ganze bringen würde. Und werfen Sie bitte auch einen Blick in die Versorgungsmedizin-Verordnung, um zu schauen, ob überhaupt eine realistische Chance besteht, mit dem Widerspruch durchzukommen. Sonst bescheren Sie lediglich allen Beteiligten eine Menge Arbeit.

 

Was sollte ich im Widerspruch zur Schwerbehinderung formulieren?

Das A und O bei der Schwerbehinderung sind nicht die Diagnosen, sondern die Funktionseinschränkungen. Es kommt also weniger darauf an, welche Erkrankungen oder Behinderungen bei Ihnen festgestellt wurden. Vielmehr geht es um die daraus folgenden Schwierigkeiten, mit denen Sie in Alltag und Beruf konfrontiert sind.

 

Man kann diesen Punkt gut an der Multiplen Sklerose erklären. Die MS ist eine schlimme Krankheit. Wenn Ihr Arzt eine entsprechende Diagnose stellt, sagt dies jedoch noch nichts über Ihre Chancen für einen Schwerbehindertenausweis aus. In der Regel verläuft die MS schleichend und schubweise, jeder Fall ist anders. Für Ihren Antrag im Schwerbehindertenrecht ist also nicht entscheidend, dass Ihr Arzt Multiple Sklerose diagnostiziert hat, sondern was diese Krankheit für Sie persönlich bedeutet: Mit welchen Schmerzen haben Sie zu kämpfen? Benötigen Sie Hilfsmittel, um sich in bestimmten Situationen fortzubewegen? Für den SB-Ausweis sind diese Fragen entscheidend – daher müssen Sie im Antrag oder spätestens im Widerspruch unbedingt angesprochen werden.

 

Auch bei anderen Krankheiten hängt im Schwerbehindertenrecht alles von den Funktionseinschränkungen ab. Haben Sie Probleme mit der Lunge oder dem Herz, ist zum Beispiel relevant, wie viele Treppenstufen Sie am Stück schaffen, ohne eine Pause einlegen zu müssen. Bei orthopädischen Erkrankungen könnte wichtig sein, ob Sie sich beim Treppensteigen am Geländer festhalten oder gar hochziehen müssen.

 

Ihre Äußerungen allein werden allerdings weder beim Antrag noch beim Widerspruch viel erreichen. Wichtig ist, dass Sie diese Funktionseinschränkungen auch belegen können. Dafür benötigen Sie einen Befundbericht Ihres Arztes. Mit dem Befundbericht beweisen Sie, dass Ihre Einschränkungen glaubhaft sind. Umso bedeutender sind diese Berichte sowohl beim SB-Ausweis als auch bei der Erwerbsminderungsrente.

 

Sollten Sie beim Erstantrag also einen Bericht vergessen haben, können Sie diesen nun mit dem Widerspruch nachreichen.

 

Keine Nachforderungen nach Merkzeichen im Widerspruch

Das Landesamt für soziale Dienste oder ein anderes Versorgungsamt hat Ihren Antrag bearbeitet, doch Sie sind damit nicht einverstanden. So weit, so gut. Bitte sehen Sie in Ihrem Widerspruch davon ab, weitere Forderungen zu stellen – beispielsweise nach einem weiteren Merkzeichen, von dem im ersten Antrag noch keine Rede war.

 

Wenn Sie so vorgehen, ist es gut möglich, dass aus dem Widerspruch ein neuer Antrag wird. Und schon verlieren Sie enorm viel Zeit.

 

Beim Widerspruch gegen das Versorgungsamt kommt es auf die Funktionseinschränkungen an

Beim Schwerbehindertenausweis dreht sich alles um die Funktionseinschränkungen. Berichten Sie minutiös und wahrheitsgemäß, welche Auswirkungen Ihre Behinderung im Alltag hat. Belegen Sie diese Aussagen unbedingt mit aktuellen Befundberichten vom Haus- oder Facharzt. Denn ohne diese Berichte ist Ihr Antrag wie eine Waffe ohne Munition. Das gleiche gilt für den Widerspruch.

 

Wenn Sie nur schlecht einschätzen können, ob Ihre gesundheitlichen Einschränkungen für einen bestimmten Grad der Behinderung (GdB) oder Merkzeichen ausreichen, unterstützen wir Sie gern in unserer Sozialberatung.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

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3 Gedanken zu „Widerspruch bei Schwerbehinderung – worauf ist zu achten?

  1. Sehr guter Bericht. Kleine Anmerkung noch dazu:

    Es gibt eine (mindestens) Erkrankung, die in der VersMedV weder zu finden noch leicht zu bescheiden ist. Akne inversa oder auch Hidradenitis suppurativa (L 73.2).
    Bis zu 3 Millionen Betroffene werden daher viel zu häufig falsch beschieden.
    Und so seht wir im Verein auch darüber aufklären, die wenigsten wissen, dass sie über die Synonyme Acne triade oder tetrade in aller Regel einen Anspruch auf den GdB von 50 haben. Bei starkem Befall im Bereich Genitalien, After und Leiste auch auf das MZ G.
    Zu allem Überfluß sind die Synonyme auch noch unter einer fast völlig anderen Hauterkrankung aufgeführt, nämlich unter Akne Conglobata.
    Vielleicht sind diese Informationen ja auch für Ihre Arbeit interessant (ich weiß, sie sollten es sein 🙂 ) und Sie können künftigen Fragestellern besser helfen.
    Für weitere Fragen stehe ich gern jederzeit zur Verfügung.
    MfG
    Gerd Wordtmann

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