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Dauerkrank - wie lange gibt es eigentlich Geld?

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Die reguläre Lohnfortzahlung läuft bei den allermeisten Beschäftigten in Deutschland nach sechs Wochen aus. Aber wie geht es dann weiter? Muss ich finanzielle Einbußen hinnehmen? Und - wie lange bekomme ich überhaupt noch Geld?

Dauerkrank - wie lange bekomme ich überhaupt Geld?

Wenn Sie wirklich ernsthaft erkranken, haben Sie genug Probleme. Erst einmal geht es darum, an der eigenen Genesung zu arbeiten, den Mut nicht zu verlieren - und manchmal auch das Privatleben zu ordnen.

Doch schon nach wenigen Wochen werden Sie merken, dass sich nun auch finanzielle Veränderungen ergeben. Grundsätzlich kann man den Zusammenhang von Krankheit und Geld in drei aufeinander folgende Etappen aufteilen.

1. Entgeltfortzahlung

Mit der Entgelt- oder Lohnfortzahlung haben Sie sicherlich auch schon Bekanntschaft gemacht. Wenn Sie im Frühjahr mit dem traditionellen grippalen Infekt für eine Woche zu Hause bleiben, zahlt Ihr Chef in dieser Zeit weiter Gehalt. Nicht weil er es will, sondern weil er muss.

BIs zu sechs Wochen lang läuft diese Lohnfortzahlung. Übrigens auch, wenn Sie zwischendurch für ein paar Tage ins Büro kommen - falls Sie aufgrund derselben Erkrankung im Anschluss wieder ausfallen, zehren Sie weiter von Ihrem sechswöchigen Anspruch.

2. Krankengeld

Beim Sozialverband - und auch in diesem Blog - spielt das Krankengeld eine wichtige Rolle. Knapp 16 Milliarden Euro mussten die gesetzlichen Krankenversicherungen im Jahr 2020 für Krankengeld ausgeben - das Problem ist also relativ weit verbreitet. Wenn Sie allgemeine Infos zum Krankengeld suchen, sollten Sie sich diesen Artikel näher anschauen.

Wenn die Lohnfortzahlung ausläuft, spüren Sie das unmittelbar auch finanziell. Jetzt gibt es kein Gehalt mehr, sondern die Krankenkasse überweist Ihnen nur noch 70 Prozent vom letzten Bruttoeinkommen - aber niemals mehr als 90 Prozent vom Netto.

Krankengeld gibt es nach der Lohnfortzahlung noch maximal 72 Wochen lang. Das klingt erst einmal viel, doch diese Zeit kann schnell verrinnen. Zumal es vorkommt, dass die Krankenkasse schon vorher aufmuckt und die Zahlungen in Frage stellt - lesen Sie dazu am besten diesen Beitrag.

Außerdem kommt es vor, dass Sie schon während des Krankengeldes mit dem Thema Erwerbsminderungsrente konfrontiert werden. Denn falls die Krankenversicherung von Ihnen verlangt, dass Ihre Arbeitskraft überprüft werden sollte, müssen Sie innerhalb von zehn Wochen eine Reha beantragen.

"Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach, ob dieser einen Zuschuss zum Krankengeld zahlt. Es gibt zahlreiche Betriebe, in denen die finanzielle Lücke zum Netto-Gehalt auf diese Weise geschlossen wird."

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

Sollten Sie nach eineinhalb Jahren immer noch nicht gesund sein, ist auch die Krankenkasse raus. Um jetzt an Geld zu kommen, müssen Sie sich bei der Arbeitsagentur vorstellen.

3. Arbeitslosengeld

Ja, tatsächlich. Sie sind langzeitkrank und haben noch einen gültigen Arbeitsvertrag. Und trotzdem ist nun - nach der sogenannten "Aussteuerung" - die Arbeitsagentur in der Zahlungspflicht.

Der Wechsel vom Kranken- zum Arbeitslosengeld ist nicht ganz unkompliziert. Daher empfehlen wir grundsätzlich, dass Sie sich vorher persönlich beraten lassen. Zum Beispiel beim Sozialverband.

Denn Arbeitslosengeld (ALG) ist nicht gleich Arbeitslosengeld. Zusammen mit dem Antrag prüft der arbeitsamtsärztliche Dienst auch Ihre gesundheitliche Konstitution. Dadurch entscheidet sich, ob Sie Ihr ALG im Rahmen der "Nahtlosigkeitsregelung" erhalten oder nicht.

Wie lange Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, hängt unter anderem von Ihrem Alter ab. Ab 58 können bis zu 24 Monate drin sein. Zumindest theoretisch, denn bei entsprechend ernster Erkrankung wird die Arbeitsagentur versuchen, Sie an die Deutsche Rentenversicherung abzugeben. Das geht aber nur, wenn die Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente vorliegen.

Die Höhe des Arbeitslosengeldes wird übrigens auf Basis Ihrer letzten Berufstätigkeit errechnet. Auch dazu haben wir einen eigenen Beitrag veröffentlicht.

Fazit

Jede Krankheit, jeder Mensch ist anders. Das bedeutet in der Folge, dass auch Ihr Kontakt zu den Sozialversicherungsträgern nicht unbedingt dem oben geschilderten Schema folgen muss. Grundsätzlich schließt sich jedoch immer das Krankengeld an die Lohnfortzahlung an. Und nach der Aussteuerung wäre die Arbeitsagentur "in der Bütt".

Falls Sie im Laufe Ihres Krankheitsverlaufs Schwierigkeiten mit den Behörden erleben, sollten Sie sich schnellstmöglich um Hilfe bemühen. In den meisten Fällen kann man durch gezielte Intervention noch etwas machen.

Kommentare (4)

  • Erik Bienert
    Erik Bienert
    am 29.09.2021
    Guten Tag, zunächst vielen Dank für dir tollen Videos. Nun zu einer sehr speziellen, konkreten Frage. Nach Auslaufen des Krankengeldes habe ich mich auf die einmonatige Nachversicherungsfrist verlassen und mich innerhalb der Monatsfrist bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet. Ich war freiwillig gesetzlich bei der AOK versichert, wo ich Krankengeld bezog. Zu meiner Überraschung teilte mir die AOK nun mit, dass diese Nachversicherungsfrist nur gilt, wenn ich als Krankengeldbezieher PFLICHTVERSICHERT war und nicht FREIWILLIG gesetzlich (wie ich). Ich finde das mehr als merkwürdig.

    Vilen Dank und VG. E.B.
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 30.09.2021
      Hallo Erik, das wusste ich tatsächlich auch noch nicht, daher bin ich Ihnen dankbar, dass Sie das hier ins Forum schreiben.
  • V. Allert
    V. Allert
    vor 3 Wochen
    Hallo,
    bin seit 19.03.2021 krank geschrieben mit meine Hausarzt , Diagnose schwere
    Depression. Schon von anfang an wurde von meine Krankenkasse regelmesig mich angerufen
    un sollte alle Detals über mein Krankheit erzählen und im Moment bekomme Krankengeld nicht mehr ausbezahlt seid 28.10.2021.
    Möchte gerne profesionele Rat bekommen wie soll ich mich verhalten mit KK, was soll oder darf meine
    KK mitteilen und was nicht ,was soll meine nechste Schritt sein.
    Ich bin 65 Jahre alt, in die Rente gehe ab 1.06.20.
    Mit freundlichen Grüsen
    V. Allert

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