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Muss ich vor der Aussteuerung Angst haben?

Aktuelles Armut Gesundheit

Nach spätestens 78 Wochen läuft das Krankengeld aus. Wenn Sie nun immer noch krank sind, folgt die sogenannte "Aussteuerung". In unseren Beratungszentren sprechen wir häufig mit Menschen, die sich vor diesem Ereignis fürchten. Zurecht?

Muss ich vor der Aussteuerung Angst haben?

Kaum ein Bereich im deutschen Sozialstaat ist so komplex wie die Situation rund um das Auslaufen des Krankengeldes. Dabei ist es theoretisch betrachtet eigentlich ganz einfach: Krankengeld erhalten Sie bis zu 78 Wochen lang. Obacht, die Lohnfortzahlung - in der Regel sechs Wochen - zählt hier mit. "Netto" gibt es also normalerweise nur 72 Wochen Geld von der Krankenkasse.

Sollten Sie im Anschluss weiterhin arbeitsunfähig sein, ist die Krankenkasse raus. Es folgt die "Aussteuerung". Jetzt gibt es erst einmal Geld von der Arbeitsagentur.

Das Ende des Krankengeldes

So kompliziert klingt das alles gar nicht. Und in den allermeisten Fällen läuft das Prozedere auch genauso ab wie oben beschrieben. Was die Gleichung jedoch in der Praxis manchmal kompliziert macht, ist die beim Arbeitsamt folgende Prüfung auf Nahtlosigkeit.

Eine kurze und prägnante Zusammenfassung dieser Nahtlosigkeitsregelung haben wir im oben abgebildeten Video erklärt. Grundsätzlich geht es darum, dass der ärztliche Dienst der Arbeitsagentur Ihr gesundheitliches Leistungsvermögen einschätzt. Die wichtigste Frage lautet: Werden Sie voraussichtlich noch länger als sechs Monate krank sein?

Wenn dem so ist, bekommen Sie ganz geschmeidig Ihr Arbeitslosengeld. Außerdem werden Sie aufgefordert, eine Reha bei der Deutschen Rentenversicherung zu beantragen. Zum Hintergrund: Über diesen Weg will man herausfinden, ob Ihnen eine Rente wegen Erwerbsminderung zusteht.

Nahtlosigkeit abgelehnt: Was jetzt?

Der Auslöser, warum viele Menschen regelrecht Angst vor der Aussteuerung haben, ist in den Geschichten zu verorten, wenn die Nahtlosigkeitsregelung nicht greift. Im Einzelnen bedeutet das also:

  • das Krankengeld ist ausgelaufen
  • Sie sind nach wie vor arbeitsunfähig
  • bei der Arbeitsagentur ist man der Meinung, dass Ihre Erkrankung demnächst auslaufen wird

Doch Geld benötigen Sie natürlich trotzdem. Und das bekommen Sie auch - allerdings nur mit einem Kniff, der erst einmal widersprüchlich erscheint. Und deswegen bereitet diese Situation vielen Menschen Probleme.

Denn damit Sie jetzt Ihr ALG I erhalten, müssen Sie sich offen für neue Jobs zeigen. Obwohl Sie eigentlich noch krank sind und es häufig noch einen ruhenden Arbeitsvertrag im Hintergrund gibt. Da dieses Szenario so widersinnig erscheint, scheitern viele Betroffene im ersten Schritt und holen sich Hilfe. Nicht selten bei uns, beim Sozialverband SoVD.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Patientinnen und Patienten in dieser angespannten Situation nicht ordentlich beraten werden. Weder von der Krankenversicherung, die lediglich einen Brief schickt und froh ist nicht mehr zahlen zu müssen. Und auch nicht bei der Arbeitsagentur.

"Wird die Nahtlosigkeitsregelung abgelehnt, fühlen sich viele Menschen verloren. Zögern Sie nicht zu lange und holen Sie sich sozialrechtliche Unterstützung. In aller Regel kann man diese schwierige Situation schnell auflösen."

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

Fazit

Panik ist angesichts der Aussteuerung also keineswegs angebracht. Fast immer bekommen Sie nach der rechtzeitigen Meldung pünktlich Ihr Arbeitslosengeld und können sich weiter auf Ihre gesundheitliche Genesung konzentrieren. Doch selbst wenn Sie schlecht beraten werden oder es anderweitig zu Irritationen kommt: Mit etwas Hilfe kommen Sie an Ihr Geld. Lassen Sie sich in diesem Fall bitte individuell beraten.


Kommentare (4)

  • user
    Roland
    am 26.11.2022

    sehr geehrter Herr Schulz,

    ich werde zum 26.12.22 ausgesteuert und leide nach wie vor an Long COVID und deren folgen, aber ich bin weiterhin für mich arbeitsunfähig. aber der gutachter der arbeitsagentur hat einfach beschlossen das ich trotzdem vollsichtig arbeitsfähig bin torzt all die 13 punkte was ich alles nicht mehr machen darf was jeder sofort sagen würde auch ich wie das alles funktionieren soll , krank aber vollsichtig einsetzbar .Nun soll ich ein restvermögen schreiben unterschreiben damit ich eben das geld beziehen kann obwohl ich weiterhin krank bin. gleichzeitig soll ich meinen jetzigen arbeitgeber fragen ob er mich trotz all dem einschränkungen die mir von den amatarzt bescheinigt wurde zb wie keine arbeiten mit Menschen für der ich verantwortung haben darf usw. aber meine arbeitsstelle ich nun mal wo um es um menschen geht und verantwortung usw . ich habe nur noch bis zum 6.12. 22 zeit das abgeben zu haben sonst stehe ich mittelos was kann ich machen damit es nicht passiert . ich bin total verzweifelt . ich muss noch dazu sagen ich habe mich 2020 auf der arbeitangesteckt aber mein arbeitgeber weisst jegliche schuld von sich habe das bei der unfallkasse alles gemeldet gehabt und der arbeitgeber tut alles daran setzen das es eben nicht so ist. habe auch die eu rente beantragt ist jetzt im widerspruch vefahren sowie mit der unfallkasse . keiner hilft mir wirklich . bin total verzweifelt . selbst der vdk sagt nur ich soll das nicht unterschreiben aber sagt mir nicht von was ich dann alles zahlen soll und das noch in der heutigen zeit .

    mit freundlichen grüßen

    Roland

    • user
      Christian Schultz
      am 28.11.2022

      Hallo Roland, in diesem Dilemma befinden sich leider immer wieder Menschen wie Sie. Aber es hilft nichts: Um jetzt an Ihr Geld zu kommen, müssen Sie sich in Vollzeit der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stellen. Ihr Arbeitgeber wird ohnehin keine andere Stelle für Sie haben. Wenn es Probleme gibt, wenden Sie sich gern an meine Kollegen: https://www.sovd.de/sozialverband/organisation/landes-und-kreisverbaende

  • user
    Peter
    am 24.11.2022

    Ja,ich bin zzt.auch seit 1.Nov.davon betroffen,habe aber ein Wiederspruch eingeleitet.Bin seit Februar 22 an Krebs erkrankt.Nach Lohnfortzahlung rutschte ich in das Krankengeld.Aber 3Monate nur bekam ich Post,das ich ab 1.Nov.ausgesteuert werden soll,weil ich wegen angeblich ein und der selben Krankheit krank bin.Verlauf sieht so aus: Gürtelrose im Oktober,Vorher 8Monate Bourn Out,Jan.2022 Herz,2.Stent bekommen.Ab Febr.Bauchspeicheldrüsenkrebs.Und nun der Ärger mit der Aok.Pflege auch seit 26Jahren meine blinde und Pflegegrad 5erkrankte Frau.Da muss man stark bleiben.Die Chemo abgeschlossen im September und nun wieder Herzprobleme und kein Gefühl mehr in Händen und Füßen durch die Chemo.Wie soll das nur weitergehen?Lg. Peter

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