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Altersarmut in Deutschland: Die aktuellen Zahlen

Armut

Altersarmut hat es in Deutschland schon immer gegeben. Doch in den letzten Jahren hat die Diskussion um dieses wichtige Thema zugenommen. In diesem Beitrag wollen wir Ihnen einen Überblick anhand von aktuellen Zahlen bieten. Sämtliche Statistiken können Sie im offiziellen Portal der Deutschen Rentenversicherung noch einmal nachvollziehen.

Eine Frau und ein Mann als Lego-Figuren

Das Wichtigste über Altersarmut in Kürze:

  • Im Jahr 2019 betrug die durchschnittliche Rente zur Regelaltersgrenze 628,98 Euro. Bei Männern lag dieser Wert bei 768,54 Euro, Frauen kamen im Mittel auf 522,38 Euro.
  • Insbesondere Männern, die schon länger eine Regelaltersrente beziehen, geht es finanziell deutlich besser. Der Durchschnittswert lang im letzten Jahr bei 848,32 Euro.
  • Wer 45 Versicherungsjahre erreicht, kann sich nach wie vor über eine hohe gesetzliche Rente freuen. Im Durchschnitt betrug diese 2019 für Rentenzugänge satte 1337,20 Euro.
  • Finanziell düster sieht es weiterhin bei Menschen aus, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation auf die Erwerbsminderungsrente angewiesen sind. Neuzugänge bekamen 2019 im Durchschnitt 805,63 Euro pro Monat.

Die aktuellen Zahlen über die gesetzliche Rente

  1. Regelaltersrente: Durchschnittliche Höhe 2019
  2. Altersrente für besonders langjährig Versicherte
  3. Altersrente für langjährig Versicherte
  4. Altersrente für schwerbehinderte Menschen
  5. Renten wegen Erwerbsminderung
  6. Fazit: Wie entwickelt sich die Altersarmut in Deutschland?

Regelaltersrente: Durchschnittliche Höhe 2019

Die sogenannte Regelaltersrente ist in Deutschland die häufigste Rentenart. Voraussetzungen sind eine fünfjährige Wartezeit – in der Sie zum Beispiel versicherungspflichtig gearbeitet oder Kinder erzogen haben – sowie ein bestimmtes Alter. Mit Jahrgang 1957 können Sie zum Beispiel erst mit 65 Jahren und elf Monaten eine Regelaltersrente erhalten.

In den letzten Jahren hat es durch regelmäßige Rentenanpassungen eine insgesamt positive Entwicklung bei der Regelaltersrente gegeben. Die durchschnittlichen Zahlungen liegen allerdings nach wie vor auf einem niedrigem Niveau. Wer kein anderes Einkommen vorweisen kann, würde sich mit rund 600 Euro immer noch in der Grundsicherung wiederfinden.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Während im letzten Jahr 356.855 Frauen und Männer zum ersten Mal die Regelaltersrente erhielten, sind es bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte nicht viel weniger: Immerhin 253.492 Menschen hatten 2019 ihre 45 Jahre voll und konnten sich über eine vergleichsweise hohe gesetzliche Rente freuen.

Bei der Ausweitung im Jahr 2014 bezogen deutlich mehr Männer als Frauen eine Altersrente für besonders langjährig Versicherte. In den letzten Jahren ist die Kluft zwischen den Geschlechtern jedoch geschrumpft. Die durchschnittliche Zahlungshöhe bei dieser Rentenart betrug 2019 übrigens 1337,20 Euro – also mehr als doppelt so viel im Vergleich zur Regelaltersrente.

Altersrente für langjährig Versicherte

Diese Form der vorgezogenen Altersrente ist schon ab 35 Versicherungsjahren möglich. Mit relativ hohen Abschlägen können Sie über die Altersrente für langjährig Versicherte bereits mit 63 Ihren Ruhestand beginnen.

Dass die meisten Menschen bereit sind, hohe Abschläge in Kauf zu nehmen, zeigen die Daten der Rentenversicherung. Bei der Altersrente für langjährig Versicherte waren Neurentner im letzten Jahr durchschnittlich 63,37 Jahre alt – also ungefähr 63 Jahre und vier Monate. Die Höhe des jeweiligen Abschlags hängt außerdem mit dem Geburtsjahr zusammen.

Interessant ist auch der Blick auf die unmittelbare Zeit vor dem Rentenbeginn.

Knapp 39 Prozent aller Neuzugänge in der Altersrente nach 35 Jahren kommen direkt aus dem Angestelltenverhältnis. Die durchschnittliche Rentenzahlung beträgt hier 1050,22 Euro – etwas mehr als der Durchschnitt aller neuen Renten dieser Art. Im Durchschnitt nur 738,84 Euro erhalten diejenigen, die unmittelbar aus einer Anrechnungszeit in die vorgezogene Altersrente gehen. In den meisten Fällen handelt es sich hier sicherlich um Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen – diese beziehen vor Rentenbeginn häufig Krankengeld oder eine Erwerbsminderungsrente.

Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Ein großer Teil der Beratung des SoVD Schleswig-Holstein dreht sich um Menschen mit Behinderung. Wer einen Grad der Behinderung von wenigstens 50 und somit einen Schwerbehindertenausweis inne hat, kommt für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen in Frage.

Im vergangenen Jahr machten bundesweit 52.432 Senioren von dieser Möglichkeit Gebrauch – mit einer durchschnittlichen Rentenzahlung in Höhe von 1.091,20 Euro pro Monat.

Bemerkenswert ist abermals der Blick auf die Vorgeschichten der neuen Rentnerinnen und Rentner. Wer direkt aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung kommt, nahm 2019 im Schnitt knapp 1163 Euro mit nach Hause. Deutlich mehr – nämlich fast 1600 Euro – gab es für Vorruhestandsgeldbezieher oder Personen, die aus der Altersteilzeit kamen (1532 Euro).

Überraschend gut stehen diejenigen da, die vor dem Rentenstart arbeitslos waren. Wer kurz vor der Altersrente für schwerbehinderte Menschen Arbeitslosengeld I oder II bezog, kam im Mittel auf eine Rentenzahlung in Höhe von 1139 Euro. Diese Gruppe ist nach dem Angestelltenverhältnis (22.244) auch zahlenmäßig die zweitgrößte (6707).

Ganz ohne Abzug geht es mit Behinderung nur zwei Jahre vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze in die Rente. Viele Menschen beißen jedoch in den sauren Apfel und beziehen ihre Altersrente dennoch früher. Im Jahr 2019 betrug das durchschnittliche Alter beim Beginn dieser Rentenart 62 Jahre und vier Monate.

Renten wegen Erwerbsminderung

Wer 2019 zum ersten Mal eine Erwerbsminderungsrente beziehen musste, konnte im Durchschnitt mit einer Zahlung von 805,63 Euro rechnen. Der einzige Lichtblick hier: Es gibt keine gravierenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern – zumindest nicht in der Gesamtbetrachtung. Während Männer auf 830,73 Euro kamen, waren es bei Frauen im Schnitt 781,52 Euro.

Betrachten wir die Entwicklung seit 2010, sind die Rentenzahlungen bei Erwerbsminderung stetig gestiegen. Das hat unter anderem mit einer neuen Regelung zu tun, nach der die Zurechnungszeiten verbessert werden. Leider profitieren von diesem Prozedere nicht die „Altfälle“.

Fazit: Wie entwickelt sich die Altersarmut in Deutschland?

Im Durchschnitt sieht die Entwicklung der Alters- und Erwerbsminderungsrenten positiv aus. Durch die Steigerungen der letzten Jahre profitieren viele Seniorinnen und Senioren in Deutschland. Was die Durchschnittswerte nicht wiedergeben: Gleichzeitig gibt es eine wachsende Anzahl von Menschen mit sehr kleinen Renten, die ohne Grundsicherung nicht über die Runden kommen würden.

Allein in Schleswig-Holstein handelt es sich dabei um mehr als 20.000 Seniorinnen und Senioren. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher ausfallen.

Wie können wir Altersarmut entgegenwirken?

Der ideale Ansatz ist und bleibt der Arbeitsmarkt. Wenn Menschen über viele Jahre hinweg durchgehend arbeiten können und dafür angemessene Löhne erhalten, entstehen höhere Anwartschaften für die Rente. Das A und O muss es daher sein, die Bürgerinnen und Bürger dabei zu unterstützen. Insbesondere Menschen mit gesundheitlichen Schwierigkeiten benötigen mehr als warme Worte. Denn mehr langfristig ausfällt, landet in diesem Land unweigerlich in der Armutsfalle. Darüber täuschen auch nicht die insgesamt steigenden Rentenzahlungen bei Erwerbsminderung hinweg.

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen mit Krankenkasse oder Rentenversicherung.

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