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Antrag zur Erwerbsminderungsrente: Wie bin ich krankenversichert?

Aktuelles Rente Armut Gesundheit

Wenn Sie eine EM-Rente beantragen, erhalten Sie den Bescheid im Anschluss nicht über Nacht. Vielmehr ist es so, dass Sie mitunter einige Wochen oder sogar Monate auf das Ergebnis warten müssen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es vielleicht kein Kranken- oder Arbeitslosengeld mehr. Das wirft die Frage auf: Wie steht es jetzt um Ihren Krankenversicherungsschutz?

Antrag zur Erwerbsminderungsrente: Wie bin ich krankenversichert?

Eine Erwerbsminderungsrente ist normalerweise der letzte Ausweg. Sowohl aus gesundheitlicher als auch aus finanzieller Perspektive. Denn Chancen auf eine volle EM-Rente haben Sie nur dann, wenn ein Gutachter der Deutschen Rentenversicherung ein sogenanntes "Restleistungsvermögen von maximal drei Stunden diagnostiziert. Darüber hinaus müssen Sie sogar noch einige formelle Wartezeiten erfüllen. Mehr über die allgemeinen Voraussetzungen bei der Erwerbsminderungsrente haben wir in diesem Video erklärt.

Krankenversicherung auf dem Weg zur EM-Rente

Doch vor der Rente wegen Erwerbsminderung steht bei den meisten Menschen ein längerer Leidensweg. In dieser Zeit wird vielerorts Krankengeld bezogen, bis zu eineinhalb Jahre. Im Anschluss kommt die "Aussteuerung", häufig geht es nun bei der Arbeitsagentur weiter. Während dieser meist beschwerlichen Odyssee müssen Sie sich zumindest über eine Sache keine Gedanken machen: Sie sind die ganze Zeit über krankenversichert. Während des Krankengeldes und auch danach mit Arbeitslosengeld I.

Es kann jedoch die Situation eintreten, dass es kein Krankengeld mehr gibt. Und vielleicht auch kein Arbeitslosengeld. Im ersten Moment sind Sie nun erst einmal abgesichert - denn in den ersten vier Wochen nach dem Auslaufen solch einer Lohnersatzleistung gilt der Nachversicherungschutz. In dieser Phase zahlen Sie zwar keine Beiträge an die Krankenkasse - versichert sind Sie aber trotzdem. Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel.

Aber was passiert im Anschluss? Immer wieder berichten uns Mitglieder, dass das Kranken- oder Arbeitslosengeld bereits ausgelaufen ist - die Rentenversicherung aber immer noch nicht über den Antrag zur EM-Rente entschieden hat. Wie steht es jetzt um Ihren Krankenversicherungsschutz?

Falls Sie tatsächlich eine Erwerbsminderungsrente beantragt haben, genießen Sie ab diesem Zeitpunkt den Schutz der Krankenversicherung der Rentner (KVdR). Auch ohne regelmäßiges Einkommen von Krankenversicherung oder Arbeitsamt ist also sichergestellt, dass Sie im Krankheitsfall behandelt werden. Die finanzielle Lücke zwischen Ihren bisherigen Geldleistungen und der angestrebten Rente bleibt zwar bestehen - mehr dazu hier. Doch zumindest der Krankenversicherungsschutz verursacht in dieser Zeit keine schlaflosen Nächte.

Fazit

Sobald ein Rentenantrag aktenkundig ist und über diesen entschieden werden muss, ist die Frage der Krankenversicherung geklärt: Sie sind nun erst einmal Mitglied in der KVdR. Falls Sie nach dem Antrag noch Arbeitslosen- oder Krankengeld beziehen, gilt diese Aussage allerdings nicht. Denn in diesen Szenarien sind Sie "ganz normal" über Arbeitsagentur oder Krankenkasse versichert.


Kommentare (9)

  • user
    Nadja Frank
    am 29.09.2022

    Guten Tag Wie verhält es sich.Darf Jobcenter (w53) nicht erwerbsfähig,Zwingen, (fordern) in EM-Rente zu gehen? Sie kennen ja die Schwierigkeiten mit der Höhe der Abschläge die man da und bei späterer Altersrente dann hat.

    • user
      Christian Schultz
      am 29.09.2022

      Ja, das ist schon möglich. Aber ob Sie wirklich erwerbsgemindert sind, entscheidet am Ende die Rentenversicherung. In der Regel durch eine persönliche Begutachtung.

  • user
    Braun
    am 24.09.2022

    Guten Tag,

    ich habe eine Frage zum Erwerbsminderungsantrag; mir ist das weitere Vorgehen noch nicht komplett klar und brauche bitte einige Infos, bzw Adressen, wo ich diese erhalte.

    Mein Mann hat seinen Antrag auf Erwerbsminderungsrente bereits gestellt (über die Agentur für Arbeit); erhält momentan ALG I aufgrund der Nahtosigkeitsregelung. Dieses läuft laut Agentur aber Anfang März aus.

    Die Rehaklinik, welche die EMR prüfen soll, hat nun einen "voraussichtlichen Rehatermin Mitte Februar" geschickt.

    Heißt, Nahtlosigkeitsregelung entfällt Anfang März, wenn alles gut läuft, beginnt die Reha aber erst Mitte Februar.

    Frage:

    - welcher Versicherungsschutz besteht ab dann (muss hierfür etwas beantragt werden?)

    - welche Leistungen erhält er von wem, solang der Antrag noch nicht abschließend bewilligt oder abgelehnt wurde?

    - was müssen wir beachten im Zeitraum zwischen Reha und Entscheidung der Rentenkasse?

    - wie geht es weiter, wenn Antrag abgelehnt werden würde? (gibt es dann trotzdem Leistung seitens irgendeiner Seite? Müsste mit Rückzahlungen an irgendjemanden gerechnet werden?

    Ich selbst bin absolut verzweifelt, da alles an mir hängt und ich keinerlei Hilfe von außen dazu bekomme und nicht weiß, woher ich die entsprechenden Infos bekomme.

    Vielen Dank und Grüße

    • user
      Christian Schultz
      am 26.09.2022

      Hallo, während der Reha bekommt Ihr Mann Übergangsgeld von der Deutschen Rentenversicherung. Im Anschluss kann er den Restanspruch auf ALG I geltend machen. Schwierig wird es danach, wenn die EM-Rente noch nicht gezahlt wird. Da sollten Sie sich bitte individuell beraten lassen: https://www.sovd.de/sozialverband/organisation/landes-und-kreisverbaende

  • user
    Marieluise Handrup
    am 19.09.2022

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie werden Urlaubsentgelte und Überstundenvergütungen aus der Zeit der Krankschreibung im Rahmen eines Antragsverfahrens zur Erwerbsminderungsrente bewertet? Gelten sie als Hinzuverdienst? Sind sie rentenrelevant und müssen mit der Rente verrechnet werden, wenn sie die jährlich erlaubte Obergrenze übersteigen, obwohl es Ansprüche aus Resturlaub und Überstunden sind, die krankheitsbedingt nicht realisiert werden konnten.

    Nach meinem Kenntnisstand ist es ein Frage, wann der Arbeitgeber diese Auszahlungen bei der Rente "anmeldet" .

    Da der Anspruch der Auszahlung erst nach Ende des Arbeitsverhältnis entsteht. Das Arbeitsverhältnis endet mit Rentenbescheid automatisch.. Somit kann die Auszahlung erst nach Rentenbescheid erfolgen, obwohl die Ansprüche viel früher erworben wurden. Kann ein Arbeitgeber die Anmeldung zu einem früheren Zeitpunkt anmelden, obwohl der Auszahlungszeitpunkt später ist?

    Für einen Information dieses Komplexes würde ich mich sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Marieluise Handrup

    • user
      Christian Schultz
      am 20.09.2022

      Hallo Marieluise, dazu haben wir schon einmal ein Video veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=-9uKhPSbkMw&t=2s

      Die Überstunden sind immer Hinzuverdienst, auch wenn Sie aus der Vergangenheit stammen. Beim Urlaubsgeld muss man auf den Start der EM-Rente schauen. Wenn der Arbeitsvertrag zu diesem Zeitpunkt noch gültig war, werden auch diese Urlaubsgelder als Hinzuverdienst gewertet.

  • user
    Caroline
    am 16.09.2022

    Hallo Herr Schultz, ist es wirklich so, dass man ab Eingang des Rentenantrags über die KVdR krankenversichert ist, obwohl man ja zu diesem Zeitpunkt noch kein Rentner ist? Das muss doch erst einmal geprüft werden oder nicht? Läuft es dann in der Zwischenzeit nicht eher über das ALG II, sofern Hilfebedürftigkeit vorliegt? Haben Sie evtl. noch eine Quelle dazu, wo ich noch einmal nachlesen kann? :-)

    Viele Grüße!

    • user
      Christian Schultz
      am 16.09.2022

      Hallo Caroline, eine Quellenangabe kann ich - wie immer - nicht liefern. Ich habe die Informationen aber von zwei fachkompetenten Kollegen erhalten - unabhängig voneinander. Von daher hat das schon seine Richtigkeit.

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