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Reha verschoben: Was macht Corona mit dem Krankengeld?

Behinderung Armut Gesundheit

Das öffentliche Leben steht in Zeiten der Corona-Krise weitgehend still. Doch diejenigen Menschen, die schon vorher langfristig erkrankt waren, sind jetzt nicht plötzlich alle gesund. Nach wie vor gibt es in Deutschland zahllose Menschen, die Krankengeld beziehen. Viele davon werden im Laufe ihrer Erkrankung aufgefordert, eine Reha zu beantragen. Doch was müssen Betroffene nun wissen, wenn eine Reha wegen Corona verschoben wird?

Reha verschoben - was macht Corona mit dem Krankengeld?

Krankengeld und Reha

Wer länger als sechs Wochen erkrankt, verliert den Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Anschließend muss die Krankenversicherung einspringen und überweist das sogenannte Krankengeld. Auf dem Konto finden sich dann 70 Prozent vom letzten Brutto-Einkommen, aber nie mehr als 90 Prozent des regulären Netto-Entgelts.

Krankengeld kann für dieselbe Erkrankung maximal 78 Wochen überwiesen werden – allerdings zählt hier die Zeit der Lohnfortzahlung mit. De facto sind es also in der Regel höchstens 72 Wochen, in denen die Krankenkasse zahlt. Dieser gesetzliche Rahmen wird aber in vielen Fällen gar nicht ausgeschöpft. Meist, weil die Patienten nach einiger Zeit wieder gesund sind und zurück an die Arbeit können. In unserer Sozialberatung empfangen wir jedoch auch regelmäßig Mitglieder, bei denen die Kassen aktiv versuchen, die Zahlung des Krankengeldes vorzeitig zu beenden.

Teilweise wendet die Versicherung für dieses Ziel tatsächlich fragwürdige Methoden an. Seien Sie zum Beispiel vorsichtig, wenn sich der Sachbearbeiter Ihrer Krankenkasse plötzlich telefonisch meldet. Doch die Krankenkasse verfügt auch über ein völlig legitimes Mittel, um die Krankengeld-Zahlung zu überprüfen. Man darf Sie zu einer Reha auffordern.

10 Wochen Zeit für die Reha

Sobald Sie einen solchen Brief von Ihrer Versicherung erhalten haben, bleiben Ihnen zehn Wochen. In diesem Zeitraum müssen Sie eine Reha bei der Rentenversicherung beantragen. Hier wird dann im Rahmen einer meist dreiwöchigen Maßnahme überprüft, ob Sie dem Arbeitsmarkt überhaupt noch zur Verfügung stehen. Ist dem nicht der Fall, läuft es auf eine Erwerbsminderungsrente hinaus.

Nachdem Sie also Ihren Antrag gestellt haben, wird sich der Rententräger irgendwann bei Ihnen melden. Jetzt können auch nochmal einige Monate ins Land ziehen – das ist ganz normal. Doch nun macht uns Corona einen Strich durch die Rechnung. Denn sowohl in Schleswig-Holstein als auch in ganz Deutschland ist es vielen Reha-Kliniken nun nicht mehr erlaubt, neue Patienten aufzunehmen.

Wegen Corona: Muss ich die Reha nun verschieben?

Normalerweise ist es so: Sobald die Reha beginnt, ruht das Krankengeld. Für die gesamte Dauer der Maßnahme erhalten Sie nun ein Übergangsgeld von der Rentenversicherung. Der Countdown der 78 Wochen läuft allerdings weiter.

Neue Krankheit, neue Blockfrist, wieder Krankengeld?

Wenn Sie nach Ihrem Antrag den Bewilligungsbescheid des Rententrägers erhalten, stehen zwei Dinge fest: Erstens besteht nun ein persönlicher Anspruch auf die Reha-Maßnahme. Dieser gilt insgesamt neun Monate. Außerdem erfahren Sie durch das Schreiben auch, in welcher Einrichtung Sie Ihre Behandlung antreten können. Doch was soll man nun machen, wenn aufgrund der Corona-Maßnahmen keine Reha möglich ist?

Aus der Perspektive der Rentenversicherung gibt es kein Problem. Sie können direkt mit der Ihnen zugewiesenen Klinik klären, ob und wie die Maßnahme verschoben wird. Innerhalb von neun Monaten kann dann einfach eine Reha zu einem späteren Termin wahrgenommen werden. Für diesen Zweck gibt es sogar ein spezielles Formular.

Verschiebung der Reha: Was ist mit dem Krankengeld?

Solch ein Schritt muss aber unbedingt auch mit der Krankenkasse abgesprochen werden. Tun Sie das nicht, kann dies mit einem Verlust des Krankengeldes einhergehen. Also: Auch wenn es zurzeit sehr gute Gründe gibt, eine Reha nicht anzutreten – es ist unbedingt darauf zu achten, dass Sie Ihre Krankenversicherung mit ins Boot holen. Und zwar bevor Sie aktiv werden und die Reha verschieben. Ansonsten könnte man Ihnen ein solches Vorgehen als fehlende Mitwirkungspflicht auslegen.

Falls die Verschiebung der Reha-Maßnahme dazu führt, dass in der Zwischenzeit der Anspruch auf Krankengeld ausläuft, bleibt alles wie gewohnt. Prüfen Sie, ob Sie noch Arbeitslosengeld beziehen können. Ihr Hauptaugenmerk sollte – neben Ihrer Gesundheit – auf dem Erhalt eines regelmäßigen Einkommens liegen.

Fazit

Durch Corona kommt das System rund um die Reha aktuell ganz schön durcheinander. Wenn eine Maßnahme nicht angetreten werden kann, können Sie das mit dem Rententräger ohne Probleme klären. Vergessen Sie aber bitte nicht, Ihre Krankenkasse zu kontaktieren. Diese muss im Rahmen des Krankengeld-Bezugs bei allen geplanten Schritten rund um die Reha unbedingt konsultiert werden.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

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Kommentare (9)

  • Kordmann
    Kordmann
    am 14.05.2020
    laut der abgebildeten Tabelle kann ein Antrag auf Reha abgelehnt werden, wenn der Antragssteller zu krank ist. Hat der SB Spielraum oder sagt, wie ich mal hörte, die RV wenn von vorn herein der Betreffende kaum Chancen hat wieder erwerbsfähig zu werden, erhält er auch keine Reha, da es ohnehin zum EMR kommt, und dei Reha sozusagen zusätzlich sinnlose! Kosten verursacht? . Vielen Dank
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 15.05.2020
    Hallo, anhand der Befundberichte des Haus- oder Facharztes kann es sein, dass der Antrag unmittelbar in eine Erwerbsminderungsrente mündet. Das hat aber weniger mit Spielraum für den Sachbearbeiter zu tun. Dabei geht es um die Gesundheit des Antragstellers - und einen Eindruck hierüber vermitteln diese Berichte.
  • Anne Kraft
    Anne Kraft
    am 20.07.2020
    Ich (64) erhalte seit Okt. 2018 Altersrente für besonders langjährig Versicherte und bin gleichzeitig fest angestellt. Seit Nov.2019 bin ich erkrankt und min. einschl. meiner Reha (Aug.20) krankgeschrieben. Das Krankengeld wurde mir im Mai 20 gestrichen, da aufgrund des "Sozialpakets" (Corona) die Hinzuverdienstgrenze so massiv erhöht wurde, dass keine Abzüge von der Rente mehr erfolgen und ich daher den Status "Vollrentner" habe. Dies nimmt die DAK zum Anlass, mir das Krankengeld zu versagen.
    Das Corona Sozialpaket beschert mir einen Verlust von mtl. 700 Euro. Was kann ich tun?

    Mit Dank und freundlichen Grüßen
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 21.07.2020
    Hallo Anne, bitte wenden Sie sich an unsere Sozialberatung: https://www.sovd-sh.de/sozialberatung/
  • Helmut Joost
    Helmut Joost
    am 12.08.2020
    Auch meine Reha wurde wegen Corona verschoben. Nach diesen Informationen hatte ich gesucht. Danke & Gruß, Helmut Joost
  • Stefan Patzer
    Stefan Patzer
    am 01.09.2020
    Meine Frau hätte Ende April ihre Reha beginnen sollen. Diese wurde aufgrund von Corona gecancelt. Nun ist es mittlerweile so, dass nun das ALG 1 ausläuft (26.09.). Auf ALG2 hat sie keinen Anspruch, da ich zu "viel" verdiene. Es darf doch nicht sein, dass ihr aufgrund der unverschuldeten Verschiebung nun keine Leistungen mehr zustehen.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 02.09.2020
    Hallo Stefan, ist die Reha denn beantragt worden, um ggfs. eine Erwerbsminderungsrente zu erhalten? Das Arbeitslosengeld allein wäre auch durch die Reha nicht verlängert worden.
  • Stefan Patzer
    Stefan Patzer
    am 02.09.2020
    Die Reha ist beantragt worden mit der Absicht danach die Wiedereingliederung zu beginnen.
  • Reiner
    Reiner
    am 15.11.2020
    Du erhälst Rente und bist gleichzeitig fest angestellt?? Wie geht denn so etwas?

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