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Wiedereingliederung nach Krankheit – wann ist der beste Zeitpunkt?

Aktuelles Rente Behinderung Gesundheit

Wer ernsthaft erkrankt, hat nicht nur gesundheitliche Probleme. Schon nach sechs Wochen endet die Lohnfortzahlung, die Krankenkasse zahlt an deren Stelle das sogenannte Krankengeld. Zieht sich die Erkrankung noch weiter in die Länge, treten mitunter neue Probleme auf. Irgendwann stellt sich vielleicht die Frage nach der Erwerbsminderungsrente.

Wiedereingliederung nach Krankheit - wann ist der beste Zeitpunkt

Glücklicherweise verbessert sich die gesundheitliche Situation vieler Betroffener nach einer Weile. Wer jetzt noch nicht so stabil ist, dass er oder sie direkt wieder voll einsteigen kann, sollte sich mit dem Instrument der Wiedereingliederung befassen. Hier tasten Sie sich schrittweise, also zunächst mit deutlich weniger Stunden, wieder an die Arbeit heran. Eine häufig gestellte Frage dabei ist: Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Wiedereingliederung?

Hamburger Modell: Im oder nach dem Krankengeld?

Dazu ist es wichtig zu verstehen, von wem Sie in der Phase der Wiedereingliederung Geld erhalten. Auch wenn Sie wieder einige Stunden pro Tag im Betrieb Ihrem Job nachgehen, zahlt Ihr Arbeitgeber in dieser Zeit keinen Cent. Während des Krankengeldes muss also die Krankenkasse für die Kosten aufkommen. Falls Ihr Hamburger Modell – also die stufenweise Wiedereingliederung – erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist, kann es auch vorkommen, dass Sie in dieser Zeit Arbeitslosengeld beziehen.

Wichtig zu wissen: Beide Kostenträger sind grundsätzlich verpflichtet, die jeweilige Sozialleistung während Ihrer Wiedereingliederung weiterzuzahlen. Also die Krankenkasse das Krankengeld, die Bundesagentur für Arbeit das Arbeitslosengeld.

Sie können also eine stufenweise Wiedereingliederung machen, wenn Sie Krankengeld bekommen. Oder eben später, wenn Sie bereits ausgesteuert wurden.

Wie lange dauert so eine Wiedereingliederung?

Wenn wir über den besten Zeitpunkt für die Wiedereingliederung nachdenken, müssen wir zunächst in Erfahrung bringen, wie lange solch eine Maßnahme überhaupt dauert. Die Norm beim Hamburger Modell sind sechs Wochen bis sechs Monate. Sie sehen also – allein hier bewegen wir uns in einer recht großen Spannweite.

In bestimmten Situationen kann eine stufenweise Wiedereingliederung sogar ein ganzes Jahr dauern.

Ist es ein Problem, wenn mein Krankengeld während der Wiedereingliederung ausläuft?

Grundsätzlich sollte es eigentlich kein Problem sein. Denn wie bereits oben festgehalten: Sowohl während des Krankengeldes als auch beim Bezug von Arbeitslosengeld ist eine Wiedereingliederung möglich.

Leider erleben wir jedoch in der Praxis immer wieder Fälle, wo es knarzt. Etwa wenn Mitglieder berichten, dass das Arbeitsamt nicht zahlen will, weil sie während der Wiedereingliederung nicht vermittelbar sind. Solche Probleme sollte es gar nicht geben. Aber sie sind da. Und das sogar recht häufig.

"Der Wechsel vom Kranken- zum Arbeitslosengeld innerhalb der Wiedereingliederung ist nicht immer ganz geschmeidig. Wenn möglich sollten Sie den Zeitpunkt so bestimmen, dass das Hamburger Modell komplett vor der Aussteuerung durchlaufen kann. Oder eben erst wieder danach.“

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

Hamburger Modell: Wann ist also der beste Zeitpunkt?

Alles, was Sie bisher gelesen haben, war also Theorie. Nun kommen wir zu unseren Erfahrungen aus der Sozialberatung des SoVD. Demnach ist es für Sie am geschmeidigsten, wenn Sie die Wiedereingliederung entweder komplett im Krankengeld durchziehen – oder erst nach der Aussteuerung, dann während des Bezugs von Arbeitslosengeld. Auf diese Weise ersparen Sie sich den möglicherweise komplizierten Wechsel zwischen den beiden Kostenträgern.

Nicht immer lässt sich diese Strategie so einfach in die Tat umsetzen. Denn niemand weiß zu Beginn der Wiedereingliederung, wie viel Zeit diese erfordern wird. Im echten Leben kann es also immer wieder vorkommen, dass das Hamburger Modell noch nicht beendet ist, wenn das Krankengeld ausläuft. Falls Sie in einem solchen Szenario mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sollten Sie sich Unterstützung holen – zum Beispiel beim SoVD.

Kann ich eine Wiedereingliederung machen, wenn ich die Nahtlosigkeitsregelung nutze?

Die sogenannte Nahtlosigkeitsregelung bezeichnet folgenden Zustand: Ihr Krankengeld ist ausgelaufen, Sie gehen zum Arbeitsamt und beantragen Arbeitslosengeld. Falls bereits ein Antrag zur Erwerbsminderungsrente läuft, bekommen Sie nun Arbeitslosengeld. Solange, bis die Rentenversicherung Ihren Antrag bearbeitet hat. Oder bis Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld ausgereizt ist.

Wenn Sie noch keinen Antrag gestellt haben, aber immer noch so krank sind, dass Sie nicht arbeiten können, wird der Arbeitsvermittler Sie vielleicht zu einer Reha auffordern. Wenn Sie dem innerhalb eines Monats nachkommen, können Sie Ihr Arbeitslosengeld ebenso im Rahmen der Nahtlosigkeitsregelung erhalten.

Wie Sie auch an Arbeitslosengeld kommen, wenn Sie nach der Aussteuerung keinen Antrag auf Reha oder Rente stellen, lesen Sie hier.

Auch während dieser Nahtlosigkeitsregelung können Sie eine Wiedereingliederung machen.

Fazit

Wie so oft im Sozialrecht ist die Realität gespickt mit Fallstricken. Eigentlich sollte es kein Problem sein, eine stufenweise Wiedereingliederung im Krankengeld zu beginnen und dann während des Arbeitslosengeldes zu beenden. Leider hören wir jedoch bei dieser Konstellation immer wieder von Schwierigkeiten.

Wenn es also machbar ist, empfiehlt sich eine Wiedereingliederung entweder, wenn noch ausreichend Zeit im Krankengeld übrig ist. Oder eben, wenn die Aussteuerung bereits erfolgt ist und Sie Arbeitslosengeld beziehen. Vermeiden Sie während der Wiedereingliederung – wenn möglich – den Übergang von der Krankenkasse zum Arbeitsamt.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

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Kommentare (3)

  • Folko STANK
    Folko STANK
    am 10.12.2020
    Moin Herr Schultz,
    hoch interessanter Beitrag!
    Es gibt allerdings noch eine Fasette.
    Wer erkrankt und dabei seinen Job verliert, kommt spätestens zum Ende des Krankengeldes in die Situation das die RV ihn in sie/ihn in die berufliche Wiedereingliederung zu einem Dienstleister schickt. Das bedeutet das man nur einen Abschlag von Krankengeld erhält, welcher, in dem Fall daß man in Erwerbsminderungsrente geht als Gehalt zu Berechnung der Rente hinzugezogen wird, weil der Dienstleister den Status eines Arbeitgebers bei der Berechnung hat.
    Mich hat das ca. ⅓ meiner Erwerbsminderungsrente gekostet. Weil man nach ca. 6 Monaten feststellte das eine Berufliche Wiedereingliederung bei meiner Erkrankung nicht funktionieren wird...
    Hätte ich die Konsequenzen vorher gekannt hätte ich die Wiedereingliederung abgelehnt.
    Viele Grüße
    Folko Stank
  • Matthias Matthiesen
    Matthias Matthiesen
    am 21.12.2020
    Sehr geehrter Herr Schultz,

    ein sehr guter Beitrag. Gut finde ich auch, dass Sie erwähnen, dass die Stufenweise Wiedereingliederung (HH-Modell) im Normalfall zwischen 6 Wochen und 6 Monate dauert. Vielen lassen sich hier (von der Krankenkasse und/oder auch dem Arzt) unter Druck setzen, dass die STWE nur 4 Wochen dauern darf. Die Steigerung der Belastung ist dann zu groß und die STWE muss abgebrochen werden.

    Wichtig ist auch, dass die STWE auch jederzeit angepasst werden kann! Sollte die (Stunden-)Steigerung des STWE-Plans zu groß/schnell sein, sollte man/frau auf jeden Fall den Arzt ansprechen, damit der Plan angepasst wird. Keine Scheu hiervor.

    Freundliche Grüße
    Matthias Matthiesen
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 3 Wochen
      Moin Herr Matthiesen. Schön, von Ihnen zu hören! Und vielen Dank für den Hinweis!

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