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Aussteuerung und Urlaubsabgeltung

Aussteuerung und Urlaubsabgeltung

 

Spätestens nach 78 Wochen läuft das Krankengeld aus – man spricht in dieser Situation häufig von der Aussteuerung. In den meisten Fällen geht es für die Betroffenen nun direkt zum Arbeitsamt. Aber wie ist das eigentlich mit dem Resturlaub? Können Sie vor dem Beginn des Arbeitslosengeldes noch Ihren Urlaub nehmen?

 

Urlaub vor Beginn des Krankengeldes

Zunächst einen Schritt zurück. Wenn Menschen im Angestelltenverhältnis erkranken, greift zunächst die Lohnfortzahlung. In der Regel bis zu sechs Wochen. In dieser Zeit bekommen Sie Ihr übliches Gehalt. Erst im Anschluss übernimmt die Krankenkasse und zahlt das sogenannte Krankengeld. Ihnen steht ab diesem Zeitpunkt weniger Geld zur Verfügung, häufig handelt es sich um ein Minus von rund 20 Prozent im Vergleich zum letzten Nettogehalt.

 

Um diese Einbußen hinauszuzögern, nehmen viele Betroffene Urlaub, bevor das Krankengeld beginnt. Auf diese Weise erhalten Sie zunächst weiterhin Ihr Gehalt – auch wenn Ihr Anspruch auf Lohnfortzahlung bereits ausgeschöpft ist. Diese Form der Urlaubsabgeltung ist in der Regel unproblematisch.

 

Auch nach 78 noch arbeitsunfähig: Was mache ich jetzt?

Anders verhält es sich, wenn Sie bereits längere Zeit Krankengeld beziehen. In Deutschland kann für ein und dieselbe Erkrankung rund anderthalb Jahre Krankengeld fließen. Dann ist erst einmal Schluss – mindestens bis zum Beginn einer neuen Blockfrist.

 

Falls Sie zu diesem Zeitpunkt immer noch arbeitsunfähig sind, muss Ihr Hauptaugenmerk darauf liegen, weiterhin ein Einkommen zu erzielen. Eine Möglichkeit wäre die Erwerbsminderungsrente. Bevor Sie einen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen, sollten Sie sich diesen Schritt jedoch genau überlegen. Fordern Sie am besten zunächst eine Rentenauskunft an. Auf diese Weise erfahren Sie, wie hoch Ihre EM-Rente überhaupt ausfallen würde. Rechnen Sie nicht damit, dass die Erwerbsminderungsrente Ihr bisheriges Einkommen auch nur ansatzweise ausgleichen kann.

 

Alternativ können Sie nach der Aussteuerung zunächst Arbeitslosengeld beantragen. Mir ist bewusst, dass das unlogisch klingt: Es besteht noch ein Arbeitsvertrag. Darüber hinaus sind Sie noch krankgeschrieben. Dennoch ist die Bundesagentur für Arbeit in diesem Szenario für Sie die beste und einzige Anlaufstelle, um zumindest vorübergehend eine Lohnersatzleistung zu erhalten. Wie Sie sich bei diesem Gespräch verhalten sollten, lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Aussteuerung droht: Ist Urlaubsabgeltung noch möglich?

Das Arbeitslosengeld wird voraussichtlich auch noch einmal niedriger ausfallen als Ihr Krankengeld. Bei der Aussicht, nun ein bis zwei Jahre von rund 60 Prozent Ihrer üblichen Einkünfte zu leben, kann schon einmal folgender Gedanke aufblitzen: Kann ich nicht vor dem Beginn des Arbeitslosengeldes meinen Resturlaub abgelten? Ich würde mich also nicht mehr krankschreiben, da das Krankengeld ohnehin ausgelaufen ist. Wenn mein Chef mitmacht, nehme ich dann einfach noch ein paar Wochen Urlaub und bekomme in dieser Zeit mein normales Gehalt.

 

Dieser Plan erscheint natürlich verlockend. Erstens aus finanzieller Sicht, weil für einige Wochen wieder das volle Gehalt winkt. Zweitens könnte man nach dem ganzen Stress mit der Krankenkasse nun noch einmal durchatmen und im Anschluss ganz entspannt zum Arbeitsamt.

 

Doch dieser Ansatz ist ein Trugschluss. Sobald Sie sich nicht mehr krankschreiben lassen, entfällt der Grundsatz des Leistungsbezugs. Ein Anspruch auf Krankengeld liegt zwar ohnehin nicht mehr vor, doch warum sollte man Ihnen bei der Arbeitsagentur nun Geld auszahlen? In den letzten Wochen waren Sie gesund. Es spricht also nichts dagegen, an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren.

 

Fazit

Wenn Sie nach der Aussteuerung Arbeitslosengeld beantragen möchten, sollten Sie sich in der Zwischenzeit weiterhin krankschreiben lassen. Andernfalls stehen Sie am Ende ohne Einkommen da. Die Situation kann anders betrachtet werden, wenn Sie nach dem Krankengeld eine Altersrente beantragen möchten. In diesem Fall spricht erst einmal nichts dagegen, nach der Aussteuerung noch einmal den Urlaub in Anspruch zu nehmen. Vorausgesetzt, Ihr Chef spielt mit.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

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