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45 Versicherungsjahre: Zählt Erwerbsminderungsrente hier mit?

Behinderung Armut Gesundheit

Wer sich schon vor der Regelaltersrente in den Ruhestand verabschieden möchte, kann dies tun. Die Deutsche Rentenversicherung kennt verschiedene Formen der vorgezogenen Altersrente – die meisten davon mit Abschlägen. Ganz ohne Abzug funktioniert es entweder mit Schwerbehinderung oder nach dem Erreichen von 45 Versicherungsjahren. Eine Frage, die uns immer wieder beschäftigt: Zählt bei diesen 45 Jahren die Erwerbsminderungsrente mit?

Ein Mann blickt auf das Meer

Altersrente für besonders langjährig Versicherte und Erwerbsminderungsrente

Diese Fragen beantworten wir in diesem Beitrag:

  1. Mit welchem Alter kann ich nach 45 Jahren ohne Abschlag in Rente?
  2. Wenn doch mit Abschlag – wie hoch wäre der?
  3. Ich bekomme eine Erwerbsminderungsrente – was bedeutet das für mich?

Mit welchem Alter kann ich nach 45 Jahren ohne Abschlag in Rente?

Bei der Einführung der sogenannten Altersrente für besonders langjährig Versicherte wurde großspurig verkündet: Nach 45 Versicherungsjahren können Sie mit 63 ohne Abzug in die Rente. Und damals entsprach diese Aussage tatsächlich der Wahrheit. Das bedeutet aber nicht, dass die Regel auch heute noch Bestand hat. Hintergrund ist die individuelle Regelaltersgrenze, die für jeden Jahrgang etwas später einsetzt.

Wie Sie in der Tabelle sehen können, gehen Versicherte mit Geburtsjahrgang 1957 erst mit 63 Jahren und zehn Monaten abschlagsfrei in die Altersrente. Ein Jahr später sind es bereits 64 Jahre, die man erreichen muss. Voraussetzung für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte ist jedoch immer das Erreichen von mindestens 45 Versicherungsjahren.

Welche Zeiten hier Berücksichtigung finden, haben wir in diesem ausführlichen Beitrag zusammengefasst. Ob die Erwerbsminderungsrente zur Erfüllung der 45 Jahre beiträgt, klären wir gleich.

Wenn doch mit Abschlag – wie hoch wäre der?

45 Versicherungsjahre sind eine hohe Hürde. Viele Menschen, die lange gearbeitet oder Kinder erzogen haben, scheitern an diesem Hindernis. In der Regel machen ihnen Zeiten der Arbeitslosigkeit einen Strich durch die Rechnung. Einen wichtigen Beitrag dazu finden Sie hier.

Doch selbst wenn: Eine vorgezogene Altersrente ist auch schon mit 35 Versicherungsjahren möglich. Wenn Sie bereit sind, Abzüge in Kauf zu nehmen, können Sie sich tatsächlich schon mit 63 von Ihren Kollegen verabschieden.

Denn neben der Altersrente für besonders langjährig Versicherte gibt es noch zwei weitere Varianten eines vorgezogenen Ruhestands. Die erste steht Ihnen nur mit dem Status der Schwerbehinderung offen. Wenn Sie keinen Grad der Behinderung von 50 vorweisen können, bleibt noch die Altersrente für langjährig Versicherte – dann allerdings mit Abschlag. Jeder Monat, den Sie sich vor der Regelaltersgrenze sparen, wird mit einem Abzug von 0,3 Prozent bestraft.

Sie können also nach wie vor mit 63 in Rente gehen. Voraussetzung ist, dass Sie 35 Versicherungsjahre vorweisen können und es sich finanziell leisten können.

Ich bekomme eine Erwerbsminderungsrente – was bedeutet das für mich?

Kommen wir zurück zur Rente nach 45 Versicherungsjahren. Welche Rolle spielt hier die Erwerbsminderungsrente? Rentenrechtlich sprechen wir in diesem Fall von „Zurechnungszeiten“. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann und eine EM-Rente erhält, erwirbt jetzt Zurechnungszeiten.

Das Problem: Diese Zurechnungszeiten sorgen zwar dafür, dass Ihre tatsächliche Erwerbsminderungsrente höher ausfällt. Und auch für eine vorgezogene Altersrente nach 35 Versicherungsjahren bedeutet die Zurechnungszeit nur Positives. Wenn es jedoch um die Rente nach 45 Versicherungsjahren geht – also um die Altersrente für besonders langjährig Versicherte – kann die Erwerbsminderungsrente problematisch sein.

Denn die dazugehörige Zurechnungszeit zählt bei den wichtigen 45 Versicherungsjahren nicht mit. Wer also über längere Zeit eine EM-Rente bezieht, erfüllt aus diesem Grund nicht immer die Voraussetzungen zur Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

Fazit

Wenn Ihre Gesundheit nicht mehr mitmacht und Sie nach dem Auslaufen des Krankengeldes nicht mehr arbeiten können – dann sollten Sie schon einmal anfangen zu rechnen. Denn wenn Sie die Altersrente nach 45 Versicherungsjahren anstreben, ist die Erwerbsminderungsrente problematisch. Die Schlacht ist in diesem Fall jedoch nicht verloren. Haben Sie die Möglichkeit, im Rahmen eines 450-Euro-Jobs zu arbeiten? In diesem Fall können Sie neben der EM-Rente etwas dazuverdienen und eigene Pflichtbeiträge an die Rentenversicherung abführen. Über diesen Weg machen Sie aus der Zurechnungs- eine Pflichtbeitragszeit.


Kommentare (10)

  • user
    D. Hohmann
    am 10.06.2022

    Ich habe eine volle Erwerbsminderungrente. Die 45 Beitragsjahre habe ich auch ohne die O.g. Rente erreicht. Ich bin außerdem zu 60% schwerbehindert. Kann ich ohne weitere Abschläge in die Altersrente übertreten. Geb. 1960 .

  • user
    randolf tschirpke
    am 03.04.2021

    hallo , folgende frage: eine erwerbsunfähigkeitsrente würde mir nach heutiger antragstellung anschließend genehmigt. 45 beitragsjahre sind bei mir erst zum dezember 2021 erfüllt. ist es sinnvoll den antrag auf eu-rente im dezember 2021 zu stellen? bin 1960 geboren.

    • user
      Christian Schultz
      am 06.04.2021

      Hallo Randolf, wie habe ich das zu verstehen: Sie wissen bereits, dass Sie eine EM-Rente erhalten würden? Haben den Antrag aber noch nicht gestellt? Das kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen.

      In Bezug auf die 45 Jahre Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte zählt der Bezug von EM-Rente allein nicht mit - so wie es im Beitrag steht. Wenn Sie die Versicherungsjahre noch nicht voll haben, müssten Sie also z.B. noch einen Minijob ausüben.

  • user
    Annemarie Schröder
    am 24.01.2021

    Hallo

    Ich erhalte Teilerwerbsminderungsrente und gehe noch 22, 5 Wochenstunden arbeiten.

    30% Gdb gleichgestellt mit 50%.

    Jetzt kommt es zu betriebsbedingten Kündigungen.

    Ich habe ein Auszeitkonto und würde dies gerne nutzen.

    Baujahr 01/1963 besonders langjährig Versicherte 08/2024.

    Kann ich vor dem Alter 63 *mit* Abzügen in die Altersrente gehen oder besteht vor 63 gar keine Rentenmöglichkeit?

    Vielen Dank.

  • user
    Christian Schultz
    am 14.09.2020

    Hallo Cornelia, leider ist es so: Wer nahtlos von der Erwerbsminderungs- in die Altersrente wechselt, muss die bisherigen Abschläge übernehmen. Haben Sie die Zusicherung des Rententrägers schriftlich? Dann sollte man sich das noch einmal ansehen: www.sovd-sh.de/2020/01/07/erwerbsminderungsrente-in-altersrente-umwandeln-das-sollten-sie-wissen/

  • user
    Cornelia F.
    am 12.09.2020

    Habe freiwillige Beiträge auf Anraten des Rentenberater gezahlt (18 Monate, beantragt und genehmigt während der Erwerbsminderungsrente)

    Nach der Erwerbsminderungsrente habe ich die Rente für besonders langjährig Versicherte beantragt,

    Bewilligt, aber mit den Abschlägen der EWR!!

    Obwohl die Zusicherung der DRV war, das dann keine Abzüge sind.

    Also, da ist was faul!!

  • user
    Christian Schultz
    am 11.09.2020

    Hallo Andrea, theoretisch ist das ab Erreichen des 50. Lebensjahres möglich, siehe hier: www.sovd-sh.de/2020/03/05/welche-moeglichkeiten-gibt-es-um-zusaetzlich-in-die-gesetzliche-rentenversicherung-einzuzahlen/

  • user
    Andrea
    am 10.09.2020

    Hallo Herr Schultz,

    wäre es denn nicht auch eine Lösung, während des Bezuges von Erwerbsminderungsrente freiwillige (Mindest)-Beiträge zu leisten, falls man sich diese leisten kann und mag? Soweit ich informiert bin, zählen diese bei den 45 Jahren mit?

    Vielen Dank und beste Grüße

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