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Schwerbehinderung anerkannt - wann darf ich jetzt in Rente?

Aktuelles Rente Behinderung Gesundheit

Dass Sie mit einem Schwerbehindertenausweis früher in die Altersrente kommen, ist den meisten Menschen in Deutschland bewusst. Zu den tatsächlichen Voraussetzungen und Besonderheiten begegnet uns allerdings sehr häufig ein recht gefährliches Halbwissen. In diesem Beitrag finden Sie die wichtigsten Punkte im Überblick.

Schwerbehinderung anerkannt - wann kann ich jetzt in Rente?

Wussten Sie, dass es in Deutschland fast acht Millionen Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung gibt? Das sind knapp zehn Prozent der Bevölkerung. Wir reden hier also von einem Phänomen, das immer mehr Bürgerinnen und Bürger direkt betrifft. Und einer der wichtigsten Nachteilsausgleiche für Menschen mit Behinderung ist die Möglichkeit, eine vorgezogene Altersrente in Anspruch zu nehmen.

Früher in Rente - mit Behinderung

Kleiner Tipp am Rande: Heute soll es exklusiv um den frühesten Rentenbeginn mit Behinderung gehen. Noch viel mehr Informationen zur Altersrente für schwerbehinderte Menschen haben wir in diesem Beitrag für Sie zusammengefasst.

Für die Frage nach dem Rentenstart müssen Sie zwei Dinge verinnerlichen:

  1. Wann genau Sie mit SB-Ausweis eine "Frührente" erhalten können, hängt in erster Linie von Ihrem Geburtsjahr ab.
  2. Sie können ohne Abzug eine Rente beziehen.  Wenn Ihnen dieser Rentenbeginn aber zu spät ist, können Sie diesen mit einer Rentenkürzung vorziehen.

Schauen wir uns diese beiden Punkte nacheinander an.

Wann sind Sie geboren?

Das Jahr 1964 kann man an dieser Stelle durchaus als Wasserscheide bezeichnen. Falls Sie 1964 oder später geboren wurden, können Sie mit Ihrem SB-Ausweis frühestens mit 65 eine Altersrenten beziehen. Zumindest, wenn diese nicht gekürzt werden soll. Sollte Ihnen die Höhe der Rente nicht ganz so wichtig sein, wäre ein Rentenstart auch zum 62. Geburtstag drin. Oder irgendwo dazwischen - dann allerdings mit einer Kürzung in Höhe von 0,3 Prozent pro Monat.

Sollten Sie zu den etwas älteren Semestern gehören, ist auch ein früherer Rentenbeginn möglich. Wann genau das in Ihrem Fall machbar wäre, können Sie der Tabelle oben entnehmen.

Wichtiger Hinweis: Es spielt keine Rolle, ob Ihr Schwerbehindertenstatus befristet ist. Relevant ist einzig und allein die Frage, ob Ihr SB-Ausweis zum Zeitpunkt des Rentenbeginns aktuell ist. Läuft er ein Jahr später aus, wirft Sie das nicht aus der Rente. Schwierig kann es allerdings werden, wenn die Befristung kurz vor dem geplanten Rentenstart ausläuft. Wie Sie sich dann verhalten sollten, haben wir in diesem Beitrag erklärt.

Mit oder ohne Abzug?

Neben Ihrem Geburtsjahr ist außerdem wichtig, ob Sie sich eine Rente mit Abzügen vorstellen können. Der Schwerbehindertenausweis versetzt Sie in die komfortable Situation, dass Sie überaus flexibel entscheiden können, zu welchem Zeitpunkt Ihre Rente losgehen soll. Das ist ein wichtiger Unterschied zur vorgezogenen Rente ohne SB-Status - hier müssen Sie sich sehr strikt zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden: Entweder mit oder ohne Abzug. Dazwischen gibt es nichts, sehr zum Ärger der Betroffenen.

Als einfache Faustregel gilt: Mit anerkannter und aktueller Schwerbehinderung können Sie frühestens zwei Jahre früher in Rente. In diesem Fall ohne Abschlag. Wenn Sie also eigentlich bis 66 arbeiten müssten, würde es auf diese Weise schon mit 64 gehen.

Das reicht Ihnen nicht? Sie sind vielleicht so krank, dass Sie so schnell wie möglich eine Altersrente beginnen möchten? Dann kostet jeder Monat, der über diesen abzugsfreien Rentenbeginn hinausgeht, 0,3 Prozent Ihrer Brutto-Rente.

Wilma aus Ahrenviöl in Nordfriesland ist Baujahr 1958, ihre Regelaltersrente könnte Sie also mit 66 beziehen. Da sie aber einen unbefristeten SB-Ausweis hat, ist eine abschlagsfreie Rente bereits mit 64 machbar.

Doch Wilma würde gern schon ein halbes Jahr früher aufhören - mit 63 und sechs Monaten. Auch das ist möglich. Pro Monat würde sie das 0,3 Prozent kosten, insgesamt also 1,8 Prozent.

Der frühestmögliche Rentenbeginn über den Weg mit Abzügen steht immer bei genau fünf Jahren vor der Regelaltersgrenze. Falls Sie also bis 66 und acht Monaten arbeiten müssten, könnten Sie mit Schwerbehindertenausweis bereits mit 61 und acht Monaten eine Altersrente beziehen. Dann mit dem maximalen Abzug in Höhe von 10,8 Prozent.

2 Jahre früher ohne Abzug + 36 Monate x 0,3 Prozent = 10,8 Prozent

Fazit

Um den Zeitpunkt Ihres Rentenbeginns mit SB-Ausweis bestimmen zu können, müssen Sie also zwei Fragen beantworten: In welchem Jahr sind Sie geboren? Und wie wichtig ist Ihnen, dass die Rente ungekürzt gezahlt wird?

Nachdem Sie diese beiden Punkte bedacht haben, können Sie Ihre Altersrente für schwerbehinderte Menschen planen. Hierzu kann es erforderlich sein, eine Kündigung für Ihren Arbeitgeber zu schreiben. Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag.

Kommentare (2)

  • Thorsten Strese
    Thorsten Strese
    vor 2 Wochen
    Frage: Ich beziehe eine unbefristete Erwerbsminderungsrente und habe eine unbefristete anerkannte Schwerbehinderung. GdB 50
    Jahrgang 1967
    Ich könnte also mit 65 in Altersrente gehen.
    Was passiert, wenn ich früher die Altersrente beantragen? Muss ich erneut einen Abschlag von 10,8 % hinnehmen? Der wurde mir ja schon bei der Berechnung der EMR einmal abgezogen! MfG Thorsten
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 2 Wochen
      Hallo Thorsten, dazu sollten Sie sich individuell und kostenlos bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen. Auf jeden Fall kann der Abschlag nicht höher als 10,8 Prozent ausfallen, es kommt also kein weiterer Abzug hinzu.

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