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Muss der Antrag zur Reha immer in eine Erwerbsminderungsrente umgewandelt werden?

Muss der Antrag zur Reha immer in eine Erwerbsminderungsrente umgewandelt werden

 

Das Wichtigste vorab:

Fordert Ihre Krankenkasse Sie zur Reha auf, kann dieser Antrag im Nachhinein zur Erwerbsminderungsrente umgewandelt werden. Doch das ist nicht immer der Fall. Wann Sie mit solch einem Automatismus rechnen müssen und an welcher Stelle Sie besonders aufpassen sollten – mehr dazu in diesem Beitrag.

 

Wird jeder Reha-Antrag automatisch zur EM-Rente?

 

Ein sehr großer Teil aller Menschen, die unsere Sozialberatung in Schleswig-Holstein nutzen, hat mit langwierigen Erkrankungen zu tun. Oft sind es Frauen und Männer, die zum ersten Mal in ihrem Leben richtig krank sind. An der Wirbelsäule, dem Herz oder psychisch. Zwar gibt es in Deutschland ein relativ starkes soziales Auffangnetz – gleichzeitig lauern allerdings eine Menge Stolperfallen. Wer Pech hat, kann jetzt richtig viel Geld verlieren.

 

Der klassische Weg eines Menschen mit Langzeit-Erkrankung beginnt mit der Lohnfortzahlung. Bis zu sechs Wochen zahlt Ihr Chef auch bei Krankheit weiter. Anschließend muss die Krankenkasse für Ihren Lebensunterhalt aufkommen. Das sogenannte Krankengeld ersetzt Ihren Lohn allerdings nicht in voller Höhe – durchschnittlich 20 Prozent weniger haben Sie bereits ab diesem Zeitpunkt weniger in der Tasche.

 

Krankenkasse kann das Gestaltungsrecht einschränken

Sobald das Krankengeld läuft, berichten viele unserer Mitglieder über Probleme. Häufig sind zum Beispiel Anrufe der Krankenkasse, selten kommen sogar regelrechte „Gesundschreibungen“ vor. Falls Sie Krankengeld erhalten, sollten Sie sich jedoch auf jeden Fall darauf vorbereiten, dass Sie irgendwann einen Brief mit der Aufforderung zu einer Reha erhalten.

 

Keine Panik. Im Normalfall haben Sie nun zehn Wochen Zeit, dem Wunsch der Krankenkasse nachzukommen. In vielen Fällen ist so eine Reha gar keine schlechte Idee. Sie sollten jedoch über einige wichtige Punkte informiert sein.

 

Reha vor Erwerbsminderungsrente

 

Lesen Sie den Brief der Krankenkasse gewissenhaft durch. Falls Sie Schwierigkeiten haben, die manchmal komplizierten Briefe der Behörde zu verstehen, lassen Sie sich bitte helfen. Denn schon bei der Aufforderung zur Reha kommt es auf die Details an: Schreibt die Krankenkasse in dem Brief etwas von Gestaltungsrecht oder Dispositionsrecht?

 

Dispositionsrecht vor der Krankenkasse sichern

Warum ist das wichtig? Spulen wir den Zeitlauf ein wenig nach vorn – Sie haben die Reha bei der Rentenversicherung beantragt und einige Monate später auch angetreten. Normalerweise verbringen Sie drei Wochen in einer stationären Einrichtung der Rentenversicherung. Und am Ende bekommen Sie einen Abschlussbericht in die Hand gedrückt.

 

Das sogenannte Dispositions- oder Gestaltungsrecht wird wichtig, wenn in Ihrem Abschlussbericht von weniger als drei Stunden Restleistungsvermögen die Rede ist. Mit anderen Worten: Die Ärzte der Rentenversicherung kommen zu der Meinung, dass Sie voraussichtlich auf Dauer weniger als drei Stunden täglich irgendeiner Arbeit nachgehen können. Damit haben Sie die medizinischen Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente erfüllt.

 

Reha in Rente umwandeln

Wenn Sie ohnehin vorhaben, eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen, können Sie sich nun entspannt zurücklehnen. Schwieriger wird es, wenn Sie noch unsicher sind oder sich überhaupt nicht vorstellen können, in die EM-Rente zu gehen. Gerade aus finanziellen Gründen kann der Schritt in die Erwerbsminderungsrente ein großer Verlust sein.

 

Wenn die Krankenkasse in dem Schreiben zur Reha das Gestaltungsrecht für Sie eingeschränkt hat, können Sie über diese Entscheidung leider nicht mehr mitreden. Der Reha-Antrag würde in diesem Fall automatisch in einen Antrag zur Erwerbsminderungsrente umgewandelt. Anders sieht die Lage aus, wenn die Krankenkasse nichts von Disposition oder Gestaltung erwähnt hat – Sie hätten nun die Möglichkeit, von einer Umwandlung zum Rentenantrag abzusehen.

 

Was kann ich selbst tun, um mich gegen meine Krankenkasse zu wehren?

Nicht immer schränkt die Krankenversicherung in dieser Situation Ihr Dispositionsrecht sein. Sie können also einfach Glück haben. Wenn Sie sich jedoch nicht darauf verlassen wollen, gibt es noch einen anderen Weg. Diese Strategie sollten Sie jedoch niemals allein ohne sozialrechtliche Beratung einschlagen – es gibt einfach zu viele Hindernisse, die an vermeintlichen Einzelheiten entschieden werden.

 

Grundsätzlich ist es möglich, dass Sie selbst – ohne Aufforderung der Krankenkasse – einen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung zur Reha stellen. Lassen Sie sich im Schriftverkehr mit dem Rententräger schriftlich bestätigen, dass Sie nicht auf das Gestaltungsrecht verzichten möchten. Auf diese Weise kann die Krankenkasse das Dispositionsrecht auch nicht im Nachhinein für Sie einschränken.

 

Aber wie gesagt: Immer persönlich beraten lassen. Auch bei anderen Fragen rund um den Übergang von Kranken-, Arbeitslosengeld und Rente. Es steht einfach zu viel Geld auf dem Spiel.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

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2 Gedanken zu „Muss der Antrag zur Reha immer in eine Erwerbsminderungsrente umgewandelt werden?

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