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Erwerbsminderungsrente: Das können Sie tun, damit der Gutachter die Rente befürwortet!

Erwerbsminderungsrente - das können Sie tun, damit der Gutachter die Rente befürwortet

 

Sie haben Ihre Erwerbsminderungsrente beantragt, die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen sind bereits erfüllt. Nun kommt es nur noch auf den Termin beim Gutachter an. Viele Mitglieder des Sozialverbands werden nervös, wenn die Einladung zum Gutachtertermin ins Haus flattert. Wie kann ich mich am besten vorbereiten? Welche Strategie ist die richtige? Welche Fehler sollte man unbedingt vermeiden?

 

In diesem Beitrag geben wir Ihnen fünf wertvolle Tipps an die Hand. Wenn Sie sich an unseren Hinweisen orientieren, holen Sie das optimale Ergebnis aus Ihrem Termin beim Gutachter heraus.

 

Wenn es um die Rente geht: Erfahrungen des SoVD zum Termin mit dem Gutachter

 

Wenn es um die Erwerbsminderungsrente geht, können Sie ziemlich sicher sein, dass Sie im Laufe des Verfahrens irgendwann persönlich zum Gutachter eingeladen werden. Hier unterscheidet sich die Vorgehensweise bei der EM-Rente deutlich vom Schwerbehindertenrecht. Denn wer seinen Schwerbehindertenausweis beantragt, muss nur in sehr seltenen Fällen einen Gutachter aufsuchen.

 

Seien Sie also nicht überrascht, wenn einige Wochen nach Ihrem Antrag ein Brief der Deutschen Rentenversicherung im Briefkasten liegt. Nach unserer Erfahrung laufen mehr als 90 Prozent aller Anträge zur EM-Rente über den Gutachter. Nicht immer wird Sie ein veritabler Amtsarzt untersuchen. Sehr häufig arbeitet der Rententräger mit niedergelassenen Fachärzten zusammen, die sich über solche Gutachten etwas dazuverdienen.

 

Also, lehnen Sie sich entspannt zurück. Hier kommen unsere fünf Tipps zum Termin mit dem Gutachter.

 

1. Die Untersuchung spielt sich nicht nur im Behandlungszimmer ab

Sie sitzen im Wartebereich. Irgendwann werden Sie aufgerufen, und der Arzt bittet Sie ins Zimmer, wo er Sie begutachten kann. Solche Termine variieren der Länge nach stark. Einige Mitglieder berichten von wirklich eingehenden Untersuchungen, andere beschweren sich, dass sich der Mediziner überhaupt keine Zeit genommen hat. Lassen Sie sich hiervon nicht beirren, Sie haben es nicht in der Hand.

 

Was aber wichtig ist: Immer wieder bekommen wir mit, dass sich der Arzt die Freiheit nimmt, Sie nach dem Termin weiterhin im Auge zu behalten. Kann er zum Beispiel aus seinem Fenster den Parkplatz sehen, sollten Sie es sich zweimal überlegen, trotz starker Sehschwäche mit dem eigenen Auto nach Hause zu fahren.

 

2. Nicht jeder nette Gutachter befürwortet Ihre Rente

Es ist der Klassiker. Nach dem Termin rufen Mitglieder bei unseren Beratern für Sozialrecht an und schwärmen von der „guten Chemie“, die zwischen ihnen und dem Arzt spürbar gewesen sei. „Endlich mal jemand, der meine Beschwerden ernst nimmt“ – solche Beschreibungen hören wir häufiger. Und natürlich ist das erst einmal ein Grund zur Freude: Ein sympathischer Mediziner, der auf den Patienten eingeht, ist immer besser als ein arroganter Fatzke.

 

Schließen Sie daraus aber bitte nicht, dass die Freundlichkeit des Arztes direkte Auswirkungen auf das Ergebnis hat. Jeder Gutachter macht zunächst einmal seinen Job. Wenn er dabei nett ist, sollten wir das begrüßen. Deswegen zu erwarten, dass er Ihren Antrag auf Erwerbsminderungsrente unterstützt, ist jedoch der falsche Ansatz. Im Zweifelsfall erleben Sie mit dem Bescheid eine große Enttäuschung.

 

Experte Erwerbsminderungsrente - Christian Schultz vom SoVD Schleswig-Holstein„Schildern Sie möglichst sachlich, wie es um Ihre Gesundheit bestellt ist. Für den Gutachter kann es schnell unangenehm werden, falls der Termin sehr emotional läuft. Denken Sie immer daran, dass der Arzt auch nur seine Arbeit macht.“

 

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

 

3. Haben Sie aktuelle Berichte? Bringen Sie die unbedingt zum Termin mit

Die meisten Befundberichte Ihrer Fachärzte haben Sie wahrscheinlich bereits zusammen mit dem Antrag eingereicht. Falls in der Zwischenzeit jedoch ein weiterer aktueller Bericht dazugekommen ist, sollten Sie diesen auf jeden Fall zum Gutachter mitbringen. Das gilt auch, wenn Sie ein neues MRT gemacht haben oder aktuelle Röntgenbilder vorliegen.

 

All diese Unterlagen helfen dem Amtsarzt, Ihren tatsächlichen Gesundheitszustand richtig einzuschätzen. Und je detaillierter die Informationen rund um Ihre Gesundheit sind, desto realistischer fällt am Ende auch das Ergebnis aus. Präzise beschriebene Berichte sind also auch für Sie persönlich ein großer Vorteil.

 

4. Drücken Sie nicht zu sehr auf die Tränendrüse!

Der Weg zur Erwerbsminderungsrente ist häufig lang und steinig. Daher ist es verständlich, dass ein Termin beim Gutachter eine emotional belastende Situation für Sie sein kann. Vermeiden Sie jedoch bitte Übertreibungen, wenn Sie Ihre gesundheitliche Situation beschreiben. Brechen Sie – wenn möglich – nicht in Tränen aus. Denn seien wir mal ehrlich: Würden Sie sich wohl fühlen, wenn eine fremde Person vor Ihnen zusammenbricht?

 

Bleiben Sie am besten sachlich. Der Gutachter macht nur seinen Job, also messen Sie dem Termin keine allzu große Bedeutung bei. Am angenehmsten verläuft Ihre Verabredung mit dem Gutachter, wenn Sie klar und deutlich aufzählen, wo die Probleme liegen. Lassen Sie nichts aus, aber übertreiben Sie auch nicht.

 

5. Sehen Sie davon ab, einen Schlachtplan oder eine Strategie für den Termin beim Gutachter zu entwickeln!

Die einzige Aufgabe des Gutachters besteht darin, Ihre medizinische Leistungsfähigkeit im Sinne des Rentenrechts einzuschätzen. Nicht mehr und nicht weniger. Vieles, was später in seinem amtlichen Gutachten stehen wird, hat der Mediziner bereits aus den Befundberichten Ihrer Ärzte erfahren. Der persönliche Termin dient zur Beantwortung offener Fragen und für eine individuelle Einschätzung.

 

Wie beweise ich Erwerbsminderung?

 

Seien Sie also Sie selbst. Verstellen Sie sich bitte nicht – das funktioniert in der Regel sowieso nicht (siehe Punkt 1). Sehen Sie dem Termin beim Gutachter möglichst entspannt entgegen und denken Sie daran, dass er auch nur seine Arbeit macht. Die zugegeben sehr strengen Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente hat nicht er, sondern die Politik zu verantworten.

 

Fazit

Sie müssen keine feuchten Hände bekommen, wenn nach Ihrem Antrag zur EM-Rente die Einladung zur persönlichen Begutachtung auf dem Küchentisch liegt. Der Termin beim Gutachter ist wichtig, das stimmt. Aber er ist in der Regel nicht kriegsentscheidend. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt sowie den relevanten Fachärzten über deren Befundberichte – hier haben Sie noch die Möglichkeit, auf das Verfahren Einfluss zu nehmen.

 

Noch eine letzte Sache, die man wissen muss: In der Regel bekommen Sie keine Kopie des Gutachtens. Irgendwann erhalten Sie den Bescheid der Rentenversicherung – was der Gutachter im einzelnen geschrieben hat, erfahren Sie nicht. Das geht nur über die Akteneinsicht. Falls Sie sich vom SoVD vertreten lassen, werden meine Kollegen das medizinische Gutachten im Laufe des Verfahrens zu Gesicht bekommen. Und wenn es Ihr Wunsch ist, erhalten Sie natürlich eine Kopie von uns.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

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