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Jetzt arbeitslos - welche Folgen hat das für meine spätere Rente?

Aktuelles Rente

Arbeitslosigkeit sucht sich niemand aus. Okay, mit Ausnahme vielleicht direkt vor der Rente, um sich etwas früher aus dem offiziellen Arbeitsleben verabschieden zu können. Aber welche Auswirkungen hat es für die Rente generell, wenn man arbeitslos wird?

Jetzt arbeitslos - welche Folgen hat das für meine spätere Rente

Zu Beginn müssen wir einen wichtigen Punkt klären: Arbeitslos ist nicht gleich arbeitslos. Und Rente ist nicht gleich Rente. Je nach bevorzugter Rentenart spielen die drei Formen der Arbeitslosigkeit unterschiedliche Rollen.

Arbeitslosengeld I, "Hartz IV" und Arbeitslosenhilfe

Zunächst einmal werfen wir also einen Blick in die Vergangenheit. Falls Sie also einmal Ihren Job verloren haben - welche Lohnersatzleistung haben Sie in dieser Zeit erhalten? Arbeitslosengeld I ist eine sogenannte Versicherungsleistung. Das bekommen Sie nur, wenn Sie zuvor auch eingezahlt haben. Sind Sie länger als ein Jahr ohne Job - bei älteren Arbeitslosen gelten längere Fristen - muss die Bundesagentur für Arbeit nicht mehr zahlen. Falls Sie und Ihr Partner über keine nennenswerten weiteren Einkünfte verfügen, käme an dieser Stelle Arbeitslosengeld II (ALG II) in Frage.

ALG II, im Volksmund auch "Hartz IV" genannt, ist also insbesondere bei Langzeitarbeitslosen sowie sehr jungen Menschen, die direkt aus der Schule oder der Universität kommen, verbreitet. Die Arbeitslosenhilfe gibt es nicht mehr. Um es uns so einfach wie möglich zu machen, können wir aber sagen, dass sie eine Art Vorläufer von "Hartz IV" war.

Welche Rentenart soll's denn sein?

In diesem Beitrag soll es ausschließlich um die Altersrente gehen. Aber selbst hier stehen uns vier große Varianten gegenüber.

Jeder Rententyp ist einzigartig. Außerdem gelten für jeden Jahrgang unterschiedliche Einstiegsvoraussetzungen. Und in dem Moment, in dem wir uns den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Rente anschauen, wird es tatsächlich etwas unübersichtlich.

Dröseln wir die Szenarien am besten anhand der vier Rentenarten auf.

Regelaltersrente

Hier sind Zeiten der Arbeitslosigkeit unproblematisch - zumindest dann, wenn diese beim Rententräger dokumentiert sind. Sie müssen ohnehin auf gerade einmal fünf Jahre Wartezeit kommen. Die erreichen Sie ziemlich sicher - ob mit Arbeitslosigkeit oder ohne. Wer sich an dieser Stelle Gedanken machen muss, ist vermutlich ohnehin ein Fall für die Grundsicherung im Alter.

Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 können Sie zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze in die Rente - und zwar ohne Abzug. Es ginge auch früher, doch dann wird Ihre Rente gekürzt. Für uns ist nun wichtig: Der Schwerbehindertenausweis ist nicht die einzige Voraussetzung für diese Rentenart.  Darüber hinaus müssen Sie auch 35 Jahre Wartezeit in der Deutschen Rentenversicherung nachweisen können.

Welche Bedeutung hat es an dieser Stelle, wenn Sie im Laufe Ihres Lebens arbeitslos waren? Keine - zumindest nicht für die Erfüllung der Wartezeit. Sowohl Zeiten der Arbeitslosigkeit, in denen Rentenbeiträge gezahlt wurden, als auch sogenannte Anrechnungszeiten ("Hartz IV" seit 2011) zählen für die 35-jährige Wartezeit mit.

Altersrente für langjährig Versicherte

Es hat sich noch nicht zu allen rumgesprochen: Aber die Altersrente für langjährig Versicherte ist mittlerweile die einzige Rentenart, mit der Sie auch ohne SB-Ausweis zum 63. Geburtstag Ihren Ruhestand antreten können. Zwar mit verhältnismäßig happigen Abschlägen, aber immerhin. Bei der Rente nach 45 Versicherungsjahren ist dies nicht mehr möglich.

Auch bei dieser Rentenart benötigen Sie 35 Jahre Wartezeit. Und auch hier sind Phasen der Arbeitslosigkeit keine Gefahr, um dieses Ziel zu erreichen. Unser Tipp: Machen Sie ein paar Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn unbedingt eine Kontenklärung bei der Rentenkasse. Es kommt immer wieder vor, dass einige Etappen aus Ihrem Lebenslauf beim Rententräger nicht erfasst wurden. Durch die Kontenklärung können Sie diese Zeiten dann nachträglich "offiziell machen". Voraussetzung ist natürlich, dass Sie noch Belege darüber haben.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Als diese Rentenform vor einigen Jahren eingeführt wurde, konnten einige Jahrgänge noch mit 63 abschlagsfrei in die Rente. Das geht heute nicht mehr. Wer 45 Versicherungsjahre auf dem Buckel hat, kommt aber immer noch ohne Abzüge in die Altersrente - allerdings erst zwei Jahre vor der Regelaltersrente.

Und das Thema Arbeitslosigkeit? Hier ist es etwas komplizierter.

Denn bei der 45-jährigen Wartezeit ist nur das eigentliche Arbeitslosengeld eine Phase, die mitgerechnet wird. Weder "Hartz IV" noch Arbeitslosenhilfe bringen Sie auch nur einen Tag näher an die 45 Jahre heran. Und selbst beim Arbeitslosengeld gilt es, eine gefährliche Stolperfalle zu überwinden: Denn die letzten 24 Monate vor Ihrem Rentenstart werden rentenrechtlich anders behandelt und zählen bei der Erreichung der 45 Jahre nicht mit. Wie Sie in diesem Fall trotzdem ohne Abzug in die Rente kommen, können Sie hier nachlesen.

Noch ein Wort zur Grundrente

Um die Aufstockung zur Grundrente zu erhalten, ist ebenfalls eine besondere Wartezeit zu erfüllen. Diese beträgt 33 Jahre - besser 35, um den kompletten Zuschlag zu erhalten. Doch auch hier kann Ihnen die Arbeitslosigkeit einen Strich durch die Rechnung machen: Denn wer seinen Job verliert, sammelt in dieser Phase des Lebens keine Grundrentenjahre. Egal ob ALG I oder II - diese Zeiten zählen nicht mit.

Fazit

Falls Sie darüber nachdenken, eine vorgezogene Altersrente zu beantragen, sollten Sie zunächst einen Termin zur Kontenklärung machen. Anschließend haben Sie einen guten Überblick über Ihre Möglichkeiten. Je nachdem wie lange Sie in Ihrem Leben arbeitslos waren, kann es sein, dass Sie Ihre Pläne überdenken müssen.

Und für den Fall, dass es bei Ihnen noch ein paar Jahre bis zur Rente sind: Auch wenn Sie aktuell ALG II oder eine Erwerbsminderungsrente beziehen, können Sie Ihr Einkommen unter bestimmten Umständen mit einem Minijob aufbessern. Viel wichtiger ist jedoch: Diese Phase gilt dann als Pflichtversicherungszeit.

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Behinderung.

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