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Neuer ALG-Anspruch durch Krankengeld?

Aktuelles Gesundheit

Nicht jeder, der langfristig erkrankt, hat davor lange gearbeitet. Doch was bedeutet das für die Zeit nach dem Krankengeld? Wenn es für die meisten Menschen bei der Arbeitsagentur weitergeht? Haben die dann trotzdem einen Anspruch auf ALG I?

Neuer ALG-Anspruch durch Krankengeld?

In Deutschland ist fast alles bis ins Detail geregelt - also natürlich auch ein Szenario, in dem Sie wirklich langfristig erkranken. In den ersten sechs Wochen muss Ihre Firma weiter Gehalt zahlen, wir sprechen hier von der sogenannten Lohnfortzahlung. Im Anschluss bekommen Sie von Ihrem Chef kein Geld mehr. Jetzt ist die Krankenkasse in der Verantwortung und überweist Ihnen das Krankengeld.

An dieser Stelle müssen Sie peinlich genau darauf achten, dass Sie lückenlos krankgeschrieben sind. Denn nur für diese Zeiträume bekommen Sie Kohle. Falls in diesem Zeitrahmen ein Loch entsteht - etwa, weil Ihr Facharzt im Sommerurlaub ist - müssen Sie sich anderswo um eine Folgebescheinigung kümmern. Sonst gibt es für diesen Zeitraum kein Geld. Erst wieder im Anschluss, sobald eine offizielle Krankmeldung vorliegt.

Lohnfortzahlung, Krankengeld, Arbeitsamt

Nach spästestens 78 Wochen ist das Krankengeld ausgeschöpft, man spricht auch von der "Aussteuerung". In aller Regel geht es nun bei der Arbeitsagentur weiter. Für viele Menschen ist das überraschend, da häufig noch ein Arbeitsvertrag besteht. Aber wenn Sie auch nach dem Krankengeld Miete und Versicherungen zahlen müssen, sollten Sie sich rechtzeitig um das Arbeitslosengeld kümmern. Und das gibt es bei der Arbeitsagentur, nicht im Jobcenter - ein wichtiger Unterschied, der bei Laien nicht immer bekannt ist.

Doch an dieser Stelle stehen wir vor einer wichtigen Frage. Denn Arbeitslosengeld können Sie nur beziehen, wenn Sie bestimmte Kriterien erfüllen. Und eine wesentliche Voraussetzung ist, dass Sie zuvor ausreichend Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben.

Mindestens zwölf Monate müssen es schon sein. Falls Sie weniger eingezahlt haben, sehen Sie kein Arbeitslosengeld. Wenn man seinen Job verliert und zuvor immer über den Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge abgeführt hat, ist die Sache natürlich klar. Aber wie ist es, wenn Sie in den 78 Wochen vor der Aussteuerung auf Krankengeld angewiesen waren?

Anspruch auf ALG nach dem Krankengeld?

Hier können wir Sie schnell beruhigen: Denn Ihre eingezahlten Beiträge haben bis zu vier Jahre lang Bestand. Erst im Anschluss verjähren diese, so dass erst wieder neue Beiträge an die Arbeitslosenversicherung gezahlt werden müssen. Wer also ein oder anderthalb Jahre Krankengeld erhält und vorher lange genug als Angestellter beschäftigt gewesen ist, wird trotzdem Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Auch wenn zwischen der aktiven Beschäftigung und dem Antrag bei der Arbeitsagentur eine lange Zeit durch Krankengeld überbrückt werden musste.

Doch nicht jeder Bezieher von Krankengeld hat unmittelbar vor dem Beginn einer Erkrankung lange genug gearbeitet, um allein durch diese Beschäftigung einen Anspruch auf ALG I zu erhalten. Betrachten wir einmal folgendes Beispiel:

Matthias aus Norderstedt ist gerade mit seinem Studium zum Maschinenbau durch. Nach kurzer Suche hat er einen Job in Hamburg gefunden und arbeitet seit sieben Monaten als Angestellter.

Jetzt erkrankt Matthias an einer schweren Depression. Nach der Lohnfortzahlung springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein. Dieses muss der Ingenieur bis zum Ende ausreizen, da die Erkrankung nicht besser wird.

Hat Matthias nach den 78 Wochen Krankengeld Anspruch auf Arbeitslosengeld? Oder muss er sich schon vorher um eine alternative Lösung bemühen? Trotz schwerer Krankheit?

Die Antwort lautet: Matthias sollte sich rund zwei Monate vor dem Ende des Krankengeldes bei der Arbeitsagentur melden und ALG beantragen. Er hat zwar nicht lange genug als Angestellter gearbeitet, um damit einen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu rechtfertigen. Dennoch wird die Agentur zahlen müssen. Denn während des Bezugs von Krankengeld überweist die Krankenkasse Beiträge an die Arbeitslosenversicherung. Über diesen Weg entsteht nach langem Krankengeld-Bezug ein Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Fazit

Egal ob Sie direkt aus einem langjährigen Arbeitsverhältnis ins Krankengeld gerutscht sind oder nicht: Wenn Sie Krankengeld beziehen, werden Monat für Monat Beiträge an die Arbeitslosenversicherung überwiesen. Nicht von Ihnen direkt, sondern über die Krankenkasse. Das mindert zwar Ihre Netto-Auszahlung, dafür sichern Sie sich jedoch Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld. Und der kann nach der Aussteuerung noch einmal richtig wichtig werden. Insbesondere dann, wenn Sie auf Ihre Erwerbsminderungsrente warten.


Kommentare (2)

  • user
    Webma
    am 01.07.2022

    Zunächst ganz herzlichen Dank für die interessanten Artikel und Videos zum Thema Sozialrecht.

    Das Thema der Generierung eines ALG-Anspruchs betrifft mich persönlich.

    Ich wurde nach 40 Jahren Berufstätigkeit im Alter von 58 Jahren arbeitslos. Nachdem ich 19 Monate ALG1 bezogen hatte, erkrankte ich und bin seit vier Monaten arbeitsunfähig geschrieben. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit noch länger andauert.

    Was passiert wenn ich nach einem Jahr nicht mehr krankgeschrieben werde? Verlängert sich dann mein Anspruch auf ALG1 um weitere 6 Monate (Restanspruch 5 Monate plus weitere 6 Monate), oder bleibt es bei den 6 Monaten Restanspruch?

    • user
      Christian Schultz
      am 04.07.2022

      Hallo Webma, in diesem Fall würde Ihr Anspruch auf ALG auf sechs Monate steigen. Sie haben noch den alten Anspruch von fünf Monaten. Durch den Bezug von Krankengeld über ein Jahr erwächst per se zwar ebenfalls ein Anspruch von sechs Monaten - diese werden aber nicht addiert. Der Restanspruch wird lediglich aufgestockt. Dann auf die sechs Monate, die Sie auch durch den Bezug von Krankengeld allein hätten.

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