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Erwerbsminderungsrente: Abzüge

Erwerbsminderungsrente - Abzüge und was sie in der Praxis bedeuten

 

Wer aus gesundheitlichen Gründen eine Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen muss, verliert ab diesem Zeitpunkt fast immer viel Geld. Wenn die Alternative ein normales Beschäftigungsverhältnis ist, entsteht eine Lücke von mehreren Hundert Euro im Monat. Manchmal sogar noch mehr. Verschärft wird dieses Problem durch die Abzüge bei der Erwerbsminderungsrente.

 

Wichtige Fakten zu Abschlägen bei der Erwerbsminderungsrente:

 

  • Wer vor dem sogenannten „Referenzalter“ eine Erwerbsminderungsrente bezieht, muss Abzüge hinnehmen
  • Jeder Monat vor dem Referenzalter bedeutet einen Abschlag in Höhe von 0,3 Prozent – maximal kann der Abschlag 10,8 Prozent betragen
  • Wer lückenlos von der Erwerbsminderungs- in die Altersrente wechselt, hat eine Art Bestandsschutz: Die Altersrente ist mindestens genauso hoch wie die Erwerbsminderungsrente.
  • Abschläge aus der Erwerbsminderungsrente werden auf die Altersrente übertragen

 

Übersicht:

 

  1. Muss ich mit Erwerbsminderungsrente automatisch Abzüge in Kauf nehmen?
  2. Wie hoch sind die Abzüge bei der Erwerbsminderungsrente?
  3. Was passiert beim Übergang in die Altersrente?

 

Muss ich mit Erwerbsminderungsrente automatisch Abzüge in Kauf nehmen?

Wie bei so vielen Aspekten des Sozialrechts wird auch diese Frage durch Details entschieden. Anders als bei der Altersrente hängen die Abzüge bei der Erwerbsminderungsrente nicht mit den dazugehörigen Wartezeiten zusammen. Bei der EM-Rente müssen wir auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns schauen – und auf das Alter des Versicherten.

 

Erwerbsminderungsrente und Abschläge - Tabelle
Im Jahr 2020 müssen neue Erwerbsminderungsrentner mit Abschlägen rechnen, wenn sie ihre EM-Rente beziehen, bevor sie 64 Jahre und vier Monate alt sind.

 

Ähnlich wie bei der Regelaltersgrenze arbeiten wir auch beim sogenannten Referenzalter für die Erwerbsminderungsrente mit Zahlen, die sich Jahr für Jahr verändern. Aktuell, im Jahr 2020, führt die Erwerbsminderungsrente immer zu einem Abschlag, wenn Sie beim Rentenstart jünger als 64 Jahre und vier Monate sind. Jeder Monat davor kostet 0,3 Prozent – und mindert die Rente dauerhaft.

 

Das bedeutet für Sie: Wenn Sie so schwer erkranken, dass Sie eine Erwerbsminderungsrente beziehen müssen, kommt es vor allem auf das Alter an. Je älter Sie bereits sind, desto größer ist die Chance auf einen geringen Abschlag. Stehen Sie kurz vor der Altersrente, kann es sogar sein, dass Sie komplett um die Abzüge herumkommen. Anders herum bestraft die Politik mit den Abzügen insbesondere jüngere Erwerbsminderungsrentner. Diese müssen über viele Jahre hinweg hohe finanzielle Einbußen hinnehmen.

 

Wie hoch sind die Abzüge bei der Erwerbsminderungsrente?

Die maximale Kürzung der Erwerbsminderungsrente beträgt 10,8 Prozent. Die kommt allerdings bereits, wenn die Rente drei Jahre vor dem Referenzalter beginnt. 10,8 Prozent – das klingt erst einmal nicht viel. Wenn wir uns anschauen, wie hoch die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente in den letzten Jahren ausfiel, merken wir schnell, dass bei solchen Beträgen in vielen Fällen jeder Euro zählt.

 

Erwerbsminderungsrente: Durchschnittliche Höhe seit 2010
Die durchschnittlichen Auszahlungen bei der Erwerbsminderungsrente sind in den letzten Jahren leicht angestiegen. Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

 

In diesen Zahlen werden die Abzüge bereits berücksichtigt. Bei einem durchschnittlichen Zahlbetrag von knapp 831 Euro, den ein Mann 2019 bei der Erwerbsminderungsrente erwarten konnte, macht sich ein solcher Abschlag von rund zehn Prozent deutlich und schmerzhaft bemerkbar.

 

Dass Erwerbsminderungsrentner keine „Einzelschicksale“ in Deutschland sind, beweist folgende Grafik.

 

Wie viele Menschen bekommen in Deutschland eine Erwerbsminderungsrente?
Jedes Jahr kommen in Deutschland deutlich mehr als 150.000 Erwerbsminderungsrenten dazu. Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

 

Hunderttausende Menschen in Deutschland leben also von einer Erwerbsminderungsrente. Ein Großteil davon muss hohe Abzüge hinnehmen.

 

Was passiert beim Übergang in die Altersrente?

Wie sieht es aus, wenn die Erwerbsminderungsrente so lange läuft, dass ein Übergang in die Altersrente bevorsteht? Die gute Nachricht zuerst: Bei einem nahtlosen Wechsel besteht keine Gefahr, dass Ihre Altersrente niedriger ausfällt als die bisherige Rente wegen Erwerbsminderung. Es gibt jedoch auch eine schlechte Botschaft. Denn wer unmittelbar vor der Altersrente eine Erwerbsminderungsrente mit Abzügen erhielt, nimmt diese mit.

 

Wie bitte? Nochmal im Klartext: Die meisten Menschen, die eine Rente wegen Erwerbsminderung erhalten, müssen hierauf Abzüge in Kauf nehmen. Steht dann ein lückenloser Wechsel von der EM- in die Altersrente an, überträgt sich die bisherige Kürzung auch auf Ihre Altersrente. Das ist bitter. Insbesondere wenn Sie sich eigentlich auf eine abschlagsfreie Rente gefreut haben – zum Beispiel mit einer Schwerbehinderung.

 

Fazit

Bei der Erwerbsminderungsrente sind Abzüge leider gang und gäbe. Nur ein relativ hohes Alter kann Sie vor Kürzungen bewahren. Seien Sie sich außerdem bewusst, dass beim Wechsel in die Altersrente etwaige Abschläge übernommen werden. Mit weitsichtiger Planung ist es manchmal möglich, diesen Nachteil zu umgehen.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

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5 Gedanken zu „Erwerbsminderungsrente: Abzüge

  1. Guten Morgen
    Ich weiss es ist gerade eine schwierige Zeit,doch ich benötige Info in Punkto Erwerbsminderungsrente und würde gern Mitglied werden.
    Am liebsten wäre mir natürlich ein persönliches Gespräch.
    Würde mich freuen von Ihnen zu hören bzw zu lesen .
    Mit freundlichen Grüßen
    E.Kühl

    1. Hallo, Sie können jederzeit im Sozialverband Mitglied werden und unsere Sozialberatung in Anspruch nehmen. Aufgrund der Corona-Bestimmungen ist eine persönliche Beratung zurzeit allerdings nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Rufen Sie am besten in der Geschäftsstelle Ihres Kreises an: https://www.sovd-sh.de/kreisverbaende/

  2. Sehr geehrter Herr Schultz, ich beziehe seit 1993 Erwerbsminderungsrente, werde im November 62 Jahre alt, muss ich irgendwie mit um meine Altersrente beantragen?

    Mit freundlichen Grüßen Ingnes Biesterfeldt

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