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Wann kann ich frühestens in Rente gehen?

Rente Armut

So früh wie möglich in Rente. Das ist der Traum von vielen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland – bei jung und alt. Die Hintergründe sind bei jedem Menschen anders. Häufig stehen jedoch massive gesundheitliche Probleme im Vordergrund, die das Arbeiten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze unmöglich erscheinen lassen.

Aber ab wann ist es eigentlich möglich, eine Altersrente zu beziehen? Welche Rolle spielen Abschläge dabei? Und wie sieht es aus, wenn man so krank ist, dass man gar nicht mehr arbeiten kann? In diesem Beitrag beantworten wir die wichtigsten Fragen zur vorgezogenen Rente.

Ab welchem Alter kann ich in Deutschland eine Altersrente beziehen?

Wie so oft im Leben, hängt die Beantwortung dieser Frage von einigen Faktoren ab. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass Sie mit 63 in Rente gehen könnten, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. In diesem Fall handelt es sich um die sogenannte Rente für langjährig Versicherte. Prüfen Sie zunächst Ihr Rentenkonto. Haben Sie die notwendige Wartezeit von 35 Jahren erfüllt? Welche Etappen im Lebenslauf hier Berücksichtigung finden, können Sie im verlinkten Artikel der DRV nachlesen. Wenn Sie ohne längere Unterbrechungen immer sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, nehmen Sie diese Hürde jedoch ohne Probleme.

Der Absprung mit 63 gelingt in diesem Fall aber nicht ohne Abschläge. Jeder Monat vor der Regelaltersgrenze bedeutet für Sie ein Minus von 0,3 Prozent. Im „worst case“ müssten Sie also auf bis zu 14,4 Prozent Ihrer angesammelten Rentenansprüche verzichten – und zwar für immer.

Es gibt doch diese Regelung mit 45 Beitragsjahren. Da kann man doch auch ohne Abzüge mit 63 in Rente gehen, oder?

Das ist korrekt, wir sprechen hier von der Rente für besonders langjährig Versicherte. Das Quorum in diesem Fall erfordert 45 Jahre. Ihre erste Hausaufgabe wäre also wieder zu prüfen, ob Sie diese Wartezeit erfüllen. Etwas knifflig ist es bei der Anrechnung von Zeiten, in denen Sie arbeitslos waren. Grundsätzlich wird der Bezug von Arbeitslosengeld I berücksichtigt. Spannend sind die letzten zwei Jahre vor Ihrem beabsichtigten Einstieg in die Rente für besonders langjährig Versicherte. Wenn Sie hier ganz klassisch in die Arbeitslosigkeit rutschen, etwa durch eine einvernehmliche Auflösung Ihres Arbeitsvertrags, kann das zu einem Problem werden.

Für diese Art der vorgezogenen Altersrente unschädlich ist Ihre Arbeitslosigkeit direkt vor der Rente nur, wenn Ihr Arbeitgeber Insolvenz anmeldet oder der Betrieb schließen muss. Andernfalls müssen Sie handeln, um doch noch mit 63 ohne Abschläge in Rente zu gehen.

Ich bin schwerbehindert. Ab wann kann ich in Rente gehen?

Wenn Sie eine amtlich festgestellte Schwerbehinderung (GdB von mindestens 50) vorweisen können und zudem die Wartezeit von 35 Versicherungsjahren erfüllen, dann haben Sie die Chance auf einen noch früheren Renteneinstieg. Je nach Jahrgang ist dies bereits mit 60 Jahren möglich, dann allerdings mit Abschlägen. Auf der Website der Deutschen Rentenversicherung finden Sie einen einfach zu handhabenden Rechner, der Ihnen exakt ausrechnen kann, wann genau Sie diese Regelung nutzen könnten.

Attraktiv wird die Altersrente für schwerbehinderte Menschen vor allem deswegen, weil betroffene Bürgerinnen und Bürger zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen können – und zwar ohne Abschläge. Wenn Sie noch früher die Segel streichen wollen, müssen Sie dafür Abschläge in Kauf nehmen – pro Monat 0,3 Prozent. Maximal kann Sie das am Ende dauerhaft 10,8 Prozent kosten.

Ich bin so krank, dass ich nicht mehr arbeiten kann. Kann ich auch vor 60 in Rente gehen?

Nicht über den Weg der Altersrente. Für diesen Fall gibt es allerdings die Erwerbsminderungsrente. Wenn ein Gutachter der Deutschen Rentenversicherung feststellt, dass Sie täglich weniger als drei Stunden irgendeiner Tätigkeit nachgehen können und darüber hinaus die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllen, steht Ihnen diese Frührente offen. Wie hoch diese wäre, finden Sie in der sogenannten Renteninformation, die Sie einmal im Jahr per Post von der Rentenversicherung zugeschickt bekommen.

Sehr häufig müssen Sie bei der EM-Rente jedoch bedeutende finanzielle Abstriche machen. Der Durchschnitt für alle vollen Erwerbsminderungsrenten, die 2018 zum ersten Mal ausgezahlt wurden, betrug gerade einmal 735 Euro. Falls Sie also noch Krankengeld beziehen und nicht genau wissen, wie es mittelfristig weitergeht, sollten Sie zunächst diesen Artikel lesen. Es kann sinnvoll sein, vor der EM-Rente zunächst andere Optionen auszuschöpfen.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

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Kommentare (17)

  • Helmut Uder
    Helmut Uder
    am 17.09.2019
    Nach 45 Versicherungsjahren kann man nicht mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen, sondern 2019 erst mit 63 Jahren und 8 Monaten.
  • Niedergesäß , klaus
    Niedergesäß , klaus
    am 23.07.2020
    Mein Sohn geb. am 26.07.71 ,ist seit Aug.2019 krankgeschrieben. Seit Dez.2019 steht fest ,er ist an Huntingthon ( Erbkrankheit) erkrankt.Die Krankheit schreitet stetig fort.Keine Heilung.Welche Möglichkeiten hat er auf vorzeitigen Rentenbezug ???
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 24.07.2020
    Hallo Klaus, eine vorgezogene Altersrente gibt es frühestens Anfang 60, und zwar mit dem Schwerbehindertenstatus. Siehe hier: https://www.sovd-sh.de/2020/06/02/rente-und-behinderung/ Wenn Ihr Sohn jedoch auf Dauer nicht mehr arbeiten kann, sollten Sie sich für den Moment mit der Erwerbsminderungsrente auseinandersetzen: https://www.sovd-sh.de/2020/05/12/erwerbsminderungsrente-antrag-und-voraussetzungen-volle-und-teilweise-rente-hinzuverdienst-und-versteuern/
  • Krämer Gisela
    Krämer Gisela
    am 30.08.2020
    Hallo, ich bin am 05.01.1957 geboren und darf ab 01.12.2020 ohne Abschläge in Rente (besonders langjährig Versicherte).
    Stehe noch im Arbeitsverhältnis und wollte noch den Dezember 2020 als Hinzuverdienst machen.
    Wie schaut das mit Kündigung aus (in meinem Vertrag steht: Keine Kündigung nötig wenn die Regelaltersgrenze erreicht ist), ist in meinem Fall ja keine Regelaltersgrenze.
    Für den Dezember evtl. ein neuer Arbeitsvertrag und wie sieht das mit der Besteuerung aus, gibt es da eine Sonderregelung, da ich ja auf die Rente schon Abgaben zahlen muss?
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 31.08.2020
    Hallo Gisela, Sie haben es bereits selbst beantwortet: Laut Arbeitsvertrag müssen Sie eine ordentliche Kündigung einreichen, wenn Sie eine vorgezogene Altersrente in Anspruch nehmen wollen. Am besten fragen Sie in der Personalabteilung nach, wann der beste Zeitpunkt dafür ist. Mehr dazu hier: https://www.sovd-sh.de/2020/04/09/muss-ich-kuendigen-wenn-ich-in-rente-gehe/
    Zu der steuerlichen Frage kann ich Ihnen leider nicht helfen, hier ist der SoVD der falsche Ansprechpartner.
  • Fenchel
    Fenchel
    am 05.10.2020
    Hallo ich bin im mai 1962 geboren arbeite seit 40 Jahren
    Plus 3 Jahre Lehrzeit habe 2 Kinder die 1984 und 1991 geboren sind wann kann ich frühestens in Rente gehen
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 05.10.2020
    Hallo Barbara, ich denke mal, dass Sie 45 Jahre Wartezeit für eine Altersrente für besonders langjährig Versicherte beisammen haben. Schauen Sie nochmal in Ihre Rentenauskunft, da steht es ganz genau drin.

    Wenn dem so ist, können Sie mit Ihrem Jahrgang mit 64 Jahren und acht Monaten ohne Abschlag in die Altersrente. Wenn Sie bereit sind, einen Abzug in Höhe von 13,2 Prozent auf Ihre Rente hinzunehmen, ginge es auch schon zum 63. Geburtstag. Mehr dazu hier: https://www.sovd-sh.de/2019/12/05/welche-abschlaege-gelten-bei-der-rente-mit-63/
  • Sylvia Fiedler
    Sylvia Fiedler
    am 04.11.2020
    Guten Tag, ich bin im Mai 1958 Geboren im Oktober habe ich bereits 45 Jahre gearbeitet
    ein Anruf bei der Rentenkasse erhielt ich die Antwort ich kann im Juni 2022 ohne Abzüge in Rente gehen , möchte aber schon 2021 gehen , werden mir da obwohl ich meine Jahre schon voll habe diese 10,8 % trotzdem Abgezogen ?
    Was könnte sonst für mich noch infrage kommen. Ich würde mich über eine Antwort freuen. Vielen Dank ! Sylvia
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 05.11.2020
    Hallo Sylvia, mit Jahrgang 1958 können Sie zum 64. Geburtstag abschlagsfrei in die Rente - wenn Sie 45 Versicherungsjahre komplett haben. Wenn Sie früher in Rente gehen möchten, käme die Altersrente für langjährig Versicherte in Frage. Damit ginge es schon mit 63. In Ihrem Fall müssten Sie dann allerdings tatsächlich 10,8 Prozent Abzug hinnehmen, siehe hier: https://www.sovd-sh.de/2019/12/05/welche-abschlaege-gelten-bei-der-rente-mit-63/
  • Angela Scheepers
    Angela Scheepers
    am 05.11.2020
    Hallo, ich bin im Dez. 1956 geboren, seit 1971 ohne Unterbrechung berufstätig. Mein Arbeitsverhältnis habe ich zum 31.03.2021 (6 Monate vorher) gekündigt, letzte Woche habe ich Rente beantragt - rückwirkend ab September 2020 mit dem Gedanken, dass mein Halbtagsgehalt unterhalb der Hinzuverdienstgrenze liegt. Kann mein Arbeitgeber erzwingen, dass ich früher aufhöre zu arbeiten? Er wird ja jetzt eine Mitteilung der DRV über meinen Antrag erhalten...
    Vielen Dank, mit freundlichem Gruß A. S.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 05.11.2020
    Hallo Angela, was für eine Rente haben Sie denn beantragt? Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte? Dann unterliegen Sie ab dem nächsten Jahr einer Hinzuverdienstgrenze von 6300 Euro - wegen Corona ist diese im Jahr 2020 deutlich höher. Mehr dazu hier: https://www.sovd-sh.de/2020/10/06/rente-und-nebenverdienst-wann-wird-gekuerzt-wann-nicht/

    Mit Ihrem Arbeitgeber müssen Sie nun auf jeden Fall eine Lösung finden. Ich empfehle Ihnen, so schnell wie möglich das Gespräch mit der Personalabteilung zu suchen.
  • Angela Scheepers
    Angela Scheepers
    am 06.11.2020
    Vielen Dank für die zeitnahe Beantwortung!
    Wieso "muss" ich schnellstmöglich das Gespräch mit der Personalabteilung suchen? Ich bin doch bereit, bis zum 31.03.2021 völlig normal meiner Arbeit nachzukommen.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 06.11.2020
    Sie beziehen jetzt eine Altersrente. Damit ändert sich unter anderem die Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen.
  • Uwe.dungs
    Uwe.dungs
    am 08.11.2020
    Hallo ich bin im Mai 1959 geboren habe bereits 46 Versicherungsjahre werde im Mai 2021 Arbeitslos .wegen Betriebsbedingter Kündigung Wann kann ich ohne Abzüge in rente
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 09.11.2020
    Hallo Uwe, mit Jahrgang 1959 wäre die Altersrente für besonders langjährig Versicherte (nach 45 Jahren Wartezeit) ab 64 Jahren und zwei Monaten möglich. Mehr dazu hier: https://www.sovd-sh.de/2019/12/05/welche-abschlaege-gelten-bei-der-rente-mit-63/
  • Miebach juergen
    Miebach juergen
    vor 6 Tagen
    Hallo, ich bin 08/1959 geboren und habe einen gdb 50 Ausweis. Ich würde gerne im Ende 2022 Anfang 2023 In Rente gehen. Ich bin seit 1979 ununterbrochen berufstätig. Lehrzeit von 1979 an 3 Jahre, danach im im angestelltenverhältnis tätig.
    Wie würde sich das auswirken wenn ich Mitte 2022 kündigen würde und dann bis ende der Zeit arbeitslos wäre und dann übergangslos in Rente ohne Abzüge ginge. Wie sehen sie dass ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen miebach
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 5 Tagen
      Hallo, Jürgen, bei der Altersrente für schwerbehinderte Menschen ist Arbeitslosigkeit kurz vor der Rente kein Problem. Wichtig ist, dass Sie zum Rentenstart Ihre 35 Jahre Wartezeit erfüllen (das sieht gut aus). Außerdem rate ich Ihnen davon ab, jetzt noch auf den letzten Metern einen "Verschlimmerungsantrag" zu stellen. Das kann - wenn es schlecht läuft - den SB-Status gefährden: https://www.sovd-sh.de/aktuelles/meldung/artikel/altersarmut-behinderung-gesundheit-sozialberatung-verschlechterungsantrag-kurz-vor-der-rente

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