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Mit 63 in die Rente – aber vorher arbeitslos?

Mit 63 in die Rente - aber vorher arbeitslos

So früh wie möglich in Rente – und das ohne Abschläge. Davon träumen viele Menschen in Deutschland. In einem unserer letzten Beiträge haben wir darüber informiert, unter welchen Umständen dies in welchem Alter möglich ist. Bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte lauert allerdings eine Falle, auf die wir heute näher eingehen möchten.

 

Vor der Rente zwei Jahre arbeitslos – geht das?

 

Gerade Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit massiven gesundheitlichen Einschränkungen denken zum Ende des Erwerbslebens darüber nach, den Ruhestand früher zu beginnen. Eine Option kann sein, in den letzten zwei Jahren vor dem geplanten Rentenbeginn Arbeitslosengeld zu beziehen. Denn ab einem Alter von 58 Jahren kann ein Anspruch auf 24 Monate Arbeitslosengeld bestehen.

 

Welche Altersrente verlangt welche Beitragszeiten, um ohne Abschläge in Rente zu gehen?
Welche Altersrente verlangt welche Beitragszeiten, um ohne Abschläge in Rente zu gehen?

 

Wenn Sie mit 63 Jahren die erforderliche Wartezeit von 45 Jahren erfüllen, können Sie die Altersrente für besonders langjährig Versicherte beantragen. Wie in unserem Beitrag über den frühestmöglichen Renteneintritt erläutert, gibt es Konstellationen, in denen Sie Ihre Rente sogar früher antreten können.

 

Folgende Fragen sind nun für Sie wichtig:

 

1. Erreichen Sie die Wartezeit von 45 Jahren bereits mit 61?

Fällt Ihre Antwort positiv aus, können Sie ohne Bedenken in die Arbeitslosigkeit gehen. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, beziehen Sie in diesem Fall maximal zwei Jahre Arbeitslosengeld und gehen anschließend in die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Ohne Abschläge.

 

2. Ihnen fehlen mit 61 noch zwei Jahre Wartezeit und Sie werden nun arbeitslos. Liegt eine Insolvenz des Arbeitgebers vor? Wurde der Betrieb komplett liquidiert?

Auch in diesem Fall zählen Ihre 24 Monate Arbeitslosengeld als Wartezeit für die Rentenversicherung. Mit 63 gehen Sie ohne Abschläge in die Altersrente.

 

Mit welchem Jahrgang geht es wann in Rente?
Mit welchem Jahrgang geht es wann in Rente?

 

Knifflig wird es, wenn Sie die nächste Frage mit „ja“ beantworten:

 

3. Sie sind 61 und werden arbeitslos. Ihnen fehlen noch 24 Monate als Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Eine Insolvenz des Arbeitgebers liegt nicht vor.

Das Gesetz sagt in diesem Fall, dass Ihre Arbeitslosigkeit nicht als Wartezeit für den Eintritt in die vorgezogene Altersrente akzeptiert wird. Die damalige Bundesregierung wollte mit diesem Passus verhindern, dass sich eine Masse von gut qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Anfang 60 aus dem Berufsleben verabschiedet.

 

Was können Sie machen?

 

Sie beziehen Ihr Arbeitslosengeld 24 Monate und gehen mit 63 in Rente. Und zwar ohne Abschlag. Allerdings gelingt Ihnen das nur unter Zuhilfenahme eines wichtigen Details. Auch bei Arbeitslosigkeit haben Sie die Möglichkeit, einer Tätigkeit nachzugehen. Üben Sie zusätzlich zum Arbeitslosengeld einen Minijob aus und verzichten nicht auf eigene Beiträge zur Rentenversicherung, fließen diese auf Ihr Rentenkonto. Und plötzlich gelten die 24 Monate, in denen Sie Arbeitslosengeld beziehen, wieder als Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

 

 

Mit 63 ohne Abschläge in Rente zu gehen, ist also möglich, selbst wenn Sie zwei Jahre zuvor noch arbeitslos werden. Es kommt aber auf den Einzelfall an, in unserer Sozialberatung helfen wir Ihnen gern weiter.

 

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

 

Sie wollen regelmäßig über neue Beiträge in unserem Blog informiert werden? 

 

35 Gedanken zu „Mit 63 in die Rente – aber vorher arbeitslos?

  1. Ich würde deutlicher formulieren: AR für besonders langjährig Versicherte, 2019 in Rente, also 1956 geboren = AR mit 63 Jahren und 8 Monaten. AR für Behinderte: 2018 Rentenbeginn, also 1958 geboren = frühester Rentenbeginn mit 61 (und 10,8 % Abschlag).

    1. Warum wird also der 50 schwerbehinderte benachteiligt?
      Fall: Teil-Erwerbsminderungsrente seit 01.08.10 50%.
      Jetzt 50 schwerbehindert mit Ausweis. August 19 werde ich 63 Jahre.
      Arbeitslos durch keinen Job wegen Krankheit bzw, Schwerbehinderung.
      Warum muss ich länger warten für abschlagsfreie Altersrente als normale Bürger?
      Warum wird meine Arbeitslosigkeit ALG II NICHT angerechnet?
      Ich werde nach Ausage deusche Rentenvers. 10 Monate nach meinem 63sten Geburtstag in Rente gehen dürfen. Wobei die Erwerbsminderungsrente die schon um ca. 10% gekürzt ist eine Hälfte BLEIBT und nur der fehlende Teil aufgestockt wird.

      Wer kann und will Klarheit schaffen?

  2. Ich bin 60 Jahre alt und wurde am 13.03.2019 aus dem KG ausgesteuert, wenn ich jetzt 2 Jahre Alg 1 beziehe, fehlt mir ein Jahr um die Rente mit 63 mit Abschlägen zu beantragen. Weiß nicht was ich machen soll

  3. Fließen bei dieser letzten Arbeitslosigkeit Beiträge in die Rentenversicherung? Genauer gefragt entstehen während DIESER Arbeitslosigkeit noch Rentenpunkte, die in die Rentenberechnung einfließen?

  4. Ich habe eine Frage dazu- bin Jahrgang 1956 und habe lt. Auskunft der DRV am 30.04.19 45 Arbeitsjahre erreicht. Ab 01.12.19 könnte ich mit 10,2 % Abschlag in Rente gehen, ab 01.08.20 ohne Abschläge. Ist es möglich, ab 01.01.20 bis zum 31.07.20 ALG I zu beziehen? Dies wäre lt. Auskunft Renten unschädlich. Allerdings frage ich mich, was das AA dazu sagt und nicht evtl. fordert, dass ich mit Abschlägen in Rente gehen soll. Können Sie mir hier weiter helfen? Wie ist die Rechtslage?

    1. Hallo Mona, der Gesetzgeber sieht bei der Rente für besonders langjährig Versicherte vor, dass Arbeitslosigkeit innerhalb der letzten 24 Monate vor dem Renteneintritt nicht als Beitragszeit mitgerechnet wird. Dieses Problem können Sie nur umgehen, wenn Sie (siehe oben im Beitrag) zusätzlich zum Arbeitslosengeld I einen Minijob ausüben und für diesen eigene Rentenversicherungsbeiträge abführen.

    2. Hallo Mona,

      die Rentenauskunft ist korrekt, d. h. wenn die 45 Jahre erreicht sind (hier: am 30.04.2019), ehe Arbeitslosigkeit eintritt (hier: 01.01.2020), ist die Beitragszeit erfüllt und die Zeit der Arbeitslosigkeit nicht schädlich für die Rente für besonders langjährig Versicherte (sogen. Rente mit 63 – was ja nicht korrekt ist, denn der Jahrgang 1956 bekommt die Rente erst mit 63 Jahre + 8 Monaten).

      Eine Zwangsverrentung durch das Jobcenter ist m. W. nur für ALG 2=Hartz IV-Empfänger/Langzeitarbeitslose möglich und auch nur unter ganz bestimmten Umständen, d. h. es darf keine Unbilligkeit vorliegen, bspw. die vorzeitige Altersrente führt zum Verlust eines Anspruchs auf Arbeitslosengeld 1 (wenn trotz ALG 1 noch ALG 2/Hartz IV bezogen wird) oder eine abschlagsfreie Altersrente steht in nächster Zukunft bevor (i. d. R. innerh. von 3 Monaten) oder Erwerbstätigkeit oder bevorstehende Erwerbstätigkeit oder Hilfsbedürftigkeit im Alter (wenn diese Rente dazu führte, dass zusätzlich eine Grundsicherung nach dem SGB XII erforderlich wäre, um das Existenzminimum zu decken).

      Vielleicht einfach mal beim Jobcenter nachfragen, denn es ist bei Eigenkündigung ja u. U. mit einer Leistungssperre zu rechnen.

  5. Hallo habe am1. 08.19 meine 45 Jahre voll werde im Sept. 61 jahre
    Nachdem meine Rente nicht ausreicht,und Gesundheitlich angeschlagen bin plane ich noch 2 Jahre Arbeitslosigkeit damit noch in die Rentenversicherung eingezahlt wird
    Und dadurch meine Rente noch etwas aufgebessert wird. Ist richtig?

    1. Hallo Herb, wenn Sie die 45 Beitragsjahre vollhaben, sollte das funktionieren. Wenn nicht: Beachten Sie bitte, dass bei der vorgezogenen Altersrente für besonders langjährig Versicherte die zwei Jahre vor Rentenbeginn nicht als Beitragszeit gelten. In diesem Fall müssten Sie neben dem Arbeitslosengeld noch über einen Minijob in die Rentenversicherung einzahlen.

  6. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Meine Eckdaten: Jahrgang Dezember 57. Im September 2017 45jähriges Dienstjubiläum. Ich habe also die Regelung 45 Jahre vor dem 61. Lebensjahr erfüllt und könnte theoretisch im Oktober d. J. in die Arbeitslosigkeit und dann unschädlich mit 63 und 10 Monaten in die Rente gehen? Der einzige Verlust besteht dann in der Differenz zwischen AL Geld und dem vollen Gehalt bzw. in einem (geringfügigen?) Abschlag in der Rente, da die Rentenbeiträge während der AL Zeit nicht in der gleichen Höhe gezahlt werden. Bitte um Korrektur, wenn ich hier falsch liege. Herzlichen Dank!

    1. Hallo Savina, das klingt alles stimmig. Bevor Sie etwas in die Wege leiten, empfehle ich Ihnen allerdings dringend, alle Eventualitäten in einem kostenlosen Gespräch bei der Deutschen Rentenversicherung abzuklären.

  7. Hallo.
    Ich bin 61 Jahre alt und gehe noch 2 Jahte arbeiten.dann bin ich 63.
    Allerdings habe ich noch 7 Monate Restanspruch auf ALG1. Man müsste ja noch ein paar Monate dranhängen um die Rente zu bekommen.
    Ich werde mich dann nochmal mich erkundigen.

  8. Hallo, bin ALG 1 Bezieher. Das ALG 1 endet am 31.12.2019. Ich bin am 11.7.1958 geboren und am 1.8.2020 habe ich die 45 Jahre voll, so dass ich lt. Auskunft der Rentenstelle am 1.8.2021 mit Abzügen 10,8 % in Rente gehen könnte. Meine Frage: Muss ich zwingend nach Ablauf des ALG 1 am 31.12.19 weiterhin bei der Arbeitsagentur gemeldet bleiben, was ich nicht möchte bis zu dem ersten Renteneintritt am 1.8.2021? Würden mir, wenn ich nicht weiterhin gemeldet bleibe, obwohl keine Leistungen mehr an mich erfolgen, durch den Ausstieg rentenmässig hierdurch Nachteile entstehen? Besten Dank für Ihre Nachricht.
    Mit bestem Gruß

  9. Hallo, bin Jahrgang 1956 und habe meine 45 Jahre Beitragszahlung in die Rentenkasse geleistet. Ich werde im Oktober 63 Jahre und kann demnach am 1.7.2020 abschlagsfrei in Rente gehen. Nun habe ich vor 4 Wochen erfahren, das meine Firma teile der Produktion schliesst und ich zum 1.1.2020 arbeitslos werde. WL und BR verhandeln noch einen Sozialplan. Kann ich mich ab 1.1.2020 arbeitslos melden, bis zum 1.7.2020 Arbeitlosengeld beziehen und dann wie geplant abschlagsfrei in Rente gehen?

  10. Bin berufstätig, kinderlos und im Mai 60 geworden. Erfülle aber nur 35 Jahre Beitragszahlung in die Rentenkasse. Wenn ich mit 61 den Arbeitsvertrag kündigen würde, kann ich meine Rente mit 63 beantragen bzw. beziehen?
    Viele Grüße

  11. Hallo,
    ich bin 3/1963 geboren,also jetzt 56 Jahre alt. Meine 45 Beitragsjahre habe ich mit 61 Jahren erreicht. Ab wann kann ich ohne Abzüge in Rente gehen,und wie mache ich das?

      1. OK, und wie sieht es aus wenn man vor Eintritt in die reguläre AR Arbeitslos wird?
        Normalerweise muss ich bis 64 Jahre und 10 Monaten arbeiten, aber wenn ich dann 2 Jahre vorher arbeitslos werde hätte ich keinen, bzw nicht so großen Verlust?

        1. Siehe oben. Es kommt auf die „Art der Arbeitslosigkeit“ an. Die Aufgabe des Betriebs stellt kein Problem dar. Der Gesetzgeber wollte aber eine „Verrentungswelle“ verhindern, so dass eine „normale Arbeitslosigkeit“ kurz vor der Rente für besonders langjährig Versicherte nicht als Wartezeit anerkannt wird.

  12. Hallo, ich bin 12/1960 geboren, und habe meine 45 Jahre im 9/2020 voll. Also noch bevor ich 60 Jahre alt bin. Abschlagsfrei kann ich dann mit 64 und 4 Monate in Rente gehen.
    Das geht aber nur wenn ich nicht früher gehe! Wenn ich schon mit 63 gehen möchte, oder zwangsweise muss, dann nutzen mir die 45 Jahre gar nichts. Dann wird der Abschlag bis 66 Jahre und 4 Monate gerechnet. So wie der Stichtag auf meiner jährlichen Renteninformation ohne die 45 Jahre steht. Ist das so richtig?!
    Wenn man die 45 voll hat, wird dieser Stichtag dann in der Renteninformation erwähnt?

  13. Hallo,
    ich bin Jahrgang 1958 und werde wegen Kind die 45 Jahre bis zur Regelaltersrente nicht mehr voll bekommen. (Aber 35 Jahre hab ich). Habe vor nächstes Jahr (mit 62) zu kündigen, da ich gesundheitlich angeschlagen bin und möchte dann ALG 1 beantragen. Bekomme ich dann bis 64 Jahren ALG1 oder kann ich gezwungen werden mit 63 in Rente zu gehen. Dann hätte ich 10,8% Abschläge, ansonsten nur 7,2%. Evtl. 3 Monate Sperre würde ich in Kauf nehmen.

  14. Hallo!
    Ich bin am 11.02.1956 geboren und arbeite seit 01.08.1970 ohne Unterbrechung nun bekomme ich seit 01.08.2018 AlG1
    Habe ich das Recht auf 24 Monate Arbeitslosengeld oder kann mich das Jobcenter vorzeitig zur Rente zwingen?

    1. Hallo Gerald, wenn Sie Arbeitslosengeld I beziehen, ist nicht das Jobcenter für Sie zuständig, sondern die Arbeitsagentur. Und dort haben Sie (bei entsprechend langer Versicherungszeit) Anspruch auf 24 Monate Arbeitslosengeld.

  15. Hallo,
    ich bin 61 Jahre alt und werde mit 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen. Macht es jetzt noch Sinn als Minijober Beiträge in die Rentenkasse abzuführen ? (45 Jahre erreiche ich nicht mehr, 35 Jahre sind voll)
    Danke für die Infos.

  16. Hallo und guten Tag,
    Ich bin jahrgang 57.
    War wegen körperlicher Beschwerden ca 18monate im krankenstand, dann Kündigung vom Arbeitgeber. Danach alg1. Seit Mai 19 ohne Bezug aber weiterhin arbeitssuchend gemeldet beim Amt. EU Rente abgelehnt. Grad Behinderung eingereicht Mai 19.Antwort steht noch aus. Werden alle rentenpunkte angerechnet… Bzw welche. Möchte so bald wie möglich mein eigenes Einkommen und von niemandem abhängig sein.

  17. Hallo,bin Jahrgang 58 war 2018 wegen Schulter OP ca 12 Monate krankgeschrieben. Nach meiner Genesung habe 3 Monate weitergearbeitet Bin tiefbauer von Beruf. Meine 45 Jahren habe ich dieses Jahr erreicht. Leider sind bei mir weitere gesundheitliche Probleme aufgetreten. Meine Frage wäre: wenn ich von meiner Firma gekündigt würde und 2 Jahre AlG beziehen würde kann ich dann mit 63 Abschlagfrei in Rente gehen?J

    1. Hallo Jan, lesen Sie bitte noch einmal unseren Beitrag: Falls die Arbeitslosigkeit unmittelbar vor der vorgezogenen Rente mit 63 entsteht, gilt diese nicht als Wartezeit.

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