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Arbeitslos kurz vor der Rente: Muss ich mich noch bewerben?

Armut

Wann in die Rente? Eine Frage, die viele Menschen in Deutschland beschäftigt. Ob man bis zur Regelaltersgrenze arbeitet oder eine der Varianten zur vorgezogenen Altersrente nutzt, hängt nicht zuletzt von den finanziellen Voraussetzungen ab. Im Durchschnitt treten die Deutschen im Westen des Landes zurzeit mit 64,2 Jahren ihren Ruhestand an. In Ostdeutschland liegt dieser Wert rund sechs Monate davor.

Arbeitslos kurz vor der Rente: Muss ich mich noch bewerben?

Der Weg in die Rente ist nicht immer gleich. Im besten Fall gelingt der Übergang unmittelbar aus dem letzten Arbeitsverhältnis. Menschen mit starken gesundheitlichen Einschränkungen müssen oft schon vorher eine Erwerbsminderungsrente in Kauf nehmen oder hangeln sich über das Krankengeld bis in die Rente. Wieder andere verlieren einige Jahre vor dem geplanten Ruhestand ihren Job – und beziehen Arbeitslosengeld.

In unserer Übersicht sprechen wir die wichtigsten Fragen und Antworten dazu an.

Wie lange kann ich vor der Rente Arbeitslosengeld beziehen?

Wie lange Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, hängt von zwei Faktoren ab. Da ist zum einen die Frage danach, wie lange Sie vor dem Verlust Ihres Jobs Beiträge zur Arbeitslosenversicherung abgeführt haben. Solange Sie im Angestelltenverhältnis arbeiten, geschieht dies ganz automatisch. Außerdem spielt Ihr Alter eine entscheidende Rolle: Wer jünger als 50 Jahre alt ist, kann maximal zwölf Monate lang Arbeitslosengeld erhalten.

Ab dem 50. Geburtstag steigt die maximale Bezugsdauer an – auf bis zu 24 Monate ab Erreichen des 58. Lebensjahres. Diese zwei Jahre Arbeitslosengeld gibt es aber nur, wenn Sie zuvor 48 Monate oder länger versicherungspflichtig beschäftigt waren.

Ab wann kann ich frühestens in die gesetzliche Altersrente?

Wenn Sie keine Schwerbehinderung – also einen Grad der Behinderung von mindestens 50 – haben, ist der Renteneintritt frühestens mit 63 Jahren möglich. Und dann auch nur mit Abschlägen. Falls Sie 45 Versicherungsjahre voll haben, kann der Renteneinstieg um Ihren 64. Geburtstag herum auch ohne Abzüge gelingen. Das genaue Datum hängt von Ihrem Jahrgang ab.

Anders sieht es aus, wenn Sie schwerbehindert sind. In diesem Fall können Sie zurzeit theoretisch schon an Ihrem 61. Geburtstag in die Altersrente starten. Allerdings nur, wenn Sie bereit sind, hohe Abschläge in Kauf zu nehmen.

Der Weg in die Altersrente hängt also von mehreren Faktoren ab. Prüfen Sie vor allem, ob eine Schwerbehinderung vorliegt. Wichtig ist außerdem die Anzahl Ihrer Versicherungsjahre. Ab dem 55. Lebensjahr bekommen Sie diese über die Rentenauskunft übermittelt.

Muss ich bei Arbeitslosigkeit vor der Rente irgend etwas beachten?

Grundsätzlich können Sie sich an den oben beschriebenen Parametern orientieren: Wann kann ich in die Rente – und unter welchen Bedingungen? Und wie lange besteht mein Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Es gibt jedoch ein Szenario, das Sie für Ihre Pläne auf jeden Fall kennen sollten. Falls Sie in Ihrem Leben lange gearbeitet haben und die Altersrente für besonders langjährig Versicherte anpeilen, kann es mit dem Arbeitslosengeld ein Problem geben. Denn die letzten beiden Jahre unmittelbar vor dem Renteneinstieg gelten hier nicht als Versicherungszeit. Falls Sie also nur 44 Jahre voll haben und dann Arbeitslosengeld beziehen, kommen Sie auf diese Weise allein nicht auf die nötigen 45 Jahren.

Wie Sie in solch einem Fall trotzdem wie geplant in die Altersrente für besonders langjährig Versicherte einsteigen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

Muss ich offen für einen neuen Job sein, wenn ich kurz vor der Rente stehe?

Wer Arbeitslosengeld bezieht, muss dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Dieser Maßstab gilt immer, und zwar unabhängig vom Alter. Selbst wenn Sie Arbeitslosengeld nach der Aussteuerung erhalten und aus gesundheitlichen Gründen eigentlich gar nicht arbeiten können, bleibt der Arbeitsmarkt das theoretische Ziel.

Vor diesem Hintergrund können Sie sich neuen Stellenangeboten also nicht verschließen. Auch wenn es nur noch sechs Monate bis zum Rentenstart sind. In der Praxis wird es selten vorkommen, dass Ihr Arbeitsvermittler Sie kurz vor der Rente mit ständigen Vermittlungsvorschlägen versorgt. Aber falls doch, müssen Sie sich bewerben. Oder zumindest einen guten Grund angeben, warum Sie es bei diesem bestimmten Job gar nicht erst versuchen können.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

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Kommentare (29)

  • Holger Zander
    Holger Zander
    am 30.04.2020
    Danke für weitere Infos. Mit freundlichen Grüßen H. Zander
  • monaucu
    monaucu
    am 04.12.2020
    Hallo, ab 01.01.2021 bin ich Arbeitslos, habe die Kündigung von meiner Firma erhalten. Habe die Möglichkeit mit 63 in Rente mit Abzüge zu gehen
    und die 2 Jahre bis dahin möchte ich so gut wie möglich nicht mehr arbeiten. Habt ihr solche Erfahrungen?
    • Karla Schall
      Karla Schall
      am 12.11.2021
      Hallo,

      im Moment stehe ich vor der gleichen Frage. Können Sie mir Ihre Erfahrung mitteilen.
      Vielen Dank im voraus für Ihre Rückmeldung.
      Mit freundlichen Grüßen
      Karla
  • Anneliese Herfurt
    Anneliese Herfurt
    am 21.01.2021
    Ich bin 63 Jahre beziehe ALG 2 und bin Arbeitsunfähig geschrieben , muss ich mich während der Arbeitsunfähigkeit bewerben ?
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 22.01.2021
      Hallo Anneliese, solange Sie nur für bestimmte Tätigkeiten krankgeschrieben sind, müssen Sie sich theoretisch um Arbeit bemühen. Erst eine Erwerbsminderung (für den kompletten Arbeitsmarkt) befreit Sie davon.

      Aber ich denke, dass kein Mitarbeiter im Jobcenter Sie mit Stellenangeboten bombardieren wird, wenn Sie einige Zeit krank sind.
  • Buchalik Miroslaw
    Buchalik Miroslaw
    am 30.01.2021
    Ich will mit 61 Jahren Jahrgang1962 Rente für Schwerbehinderte bekommen.Ab 01.11.2023.Vor her aber24 Monate Arbeitslosengeld 1 bezihen.Meine Frage .Muss ich mir dem Arbeitsamt gegenüber als vermittelbar stellen um Arbeitslosengeld1 24 Monate zu bekommen ,und wie sieht's das mit dem Job überhaupt aus.
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 01.02.2021
      Hallo Miroslaw, Ihre Frage habe ich bereits in dem anderen Beitrag beantwortet. Dort haben Sie dieselbe Frage gestellt.
  • Egon Noge
    Egon Noge
    am 20.02.2021
    Zitat:
    "Falls Sie also nur 44 Jahre voll haben und dann Arbeitslosengeld beziehen, kommen Sie auf diese Weise allein nicht auf die nötigen 45 Jahren."

    Kann ich in diesem Fall selber ein Jahr lang in die Rentenversicherung einzahlen? Um so die 45 Jahre voll zu bekommen.
  • Martin T
    Martin T
    am 27.05.2021
    Ich bin Okt. 1958 geboren.
    Seit Juni 2018 AU. Seit Jan. 2019 Arbeitslos im Sinne Nahtlosigkeit.
    35 Jahre Versicherungszeit erfüllt.
    DRV erkennt geminderte EU-Rente an.
    Zahlt die Agentur bei geminderter EU-Rente bis zum Ende der 2-jahrigen Bezugszeit weiter?
    D.h. ich würde für das letzte halbe Jahr 2021 Rente plus Al-Geld erhalten?
    Jan. 2022 in Altersrente mit Abschlag? oder
    da SB 50GdB ab Jan.2022 Rente wegen Schwerbehinderung?
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 27.05.2021
      Hallo Martin, bei voller Erwerbsminderungsrente zahlt die Arbeitsagentur nicht mehr. Dann gibt es nur noch Rente.
  • Hoeltmann
    Hoeltmann
    am 25.06.2021
    Hallo hr Schulz nach meiner aussteuerung bin ich jetzt arbeitslos 2 Jahre vor meiner Rente ich bin am23. 2.57.geb.werden rentenbeitraege von der Agentur weiterhin gezahlt? Ich habe Anspruch auf 24 monate
  • Hans L
    Hans L
    am 29.07.2021
    Hallo, ich bin 60 Jahre und bekomme seit 2 Monaten ALG 1 (hätte Anspruch auf 24 Monate), jetzt EMR bis 63 jahre. Hätte ich nach diesen 3 Jahren noch Anspruch auf die letzten 22 Monate ALG1?
  • Franziska Iskra
    Franziska Iskra
    am 11.10.2021
    Ich bin 62 habe vom Arbeitsamt ein Vermittlung bekommen aber mir geht es zurzeit nicht so gut was kann ich machen danke jetzt schon mal
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 12.10.2021
      Hallo Franziska, das sollten Sie dann klar ansprechen. Das Schlimmste, was Sie machen können, ist nichts machen. Dann wird man Ihnen mangelnde Mitwirkung vorwerfen.
  • Frank Schumann
    Frank Schumann
    am 13.11.2021
    Hallo,
    Ich bin 64 Jahre alt (15.07.1957)und erhalte ALG 1.
    Möchte nächstes Jahr zum 01.08.2022 vorzeitig in Rente gehen.
    Wieviel Bewerbungen muss ich monatlich erbringen um nicht das ALG1 Geld gekürzt bzw. gestrichen zu bekommen ? Was ist zumutbar? Soll 75km zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und Vollzeit arbeiten
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 15.11.2021
      Hallo Frank, was für wen zumutbar ist, kann man leider nicht allgemein beantworten. Grundsätzlich sind Sie natürlich in der Pflicht, sich um Arbeit zu bemühen. Ist die Firma, von der Sie sprechen, denn auch an einer Zusammenarbeit mit Ihnen interessiert?
  • Annett Meier
    Annett Meier
    am 18.11.2021
    Hallo,
    ich bin 63 Jahre alt und habe im April 2022 45 Arbeitsjahre voll. ab November 22 könnte ich vorzeitig in Rente gehen. Ich arbeite im Einzelhandel, nun schließt unsere Firma bis 31.03.2022 alle Filialen in Deutschland. wir sind zum 31.03.2022 gekündigt. Ich würde mich im Januar schon mal beim Arbeitsamt melden. Die Zeit vom April bis November möchte ich mit geringfügiger Beschäftigung, neben dem Arbeitslosengeld, überbrücken. Im Juni stelle ich den Rentenantrag. Wäre das so möglich?

    Vielen Dank für eine Antwort
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 18.11.2021
      Hallo Annett, die 45-jährige Wartezeit hätten Sie dann ja bereits erfüllt, bevor Sie arbeitslos werden. Diese Voraussetzung wäre also schon einmal abgehakt.

      Wenn Sie jetzt 63 sind, wurden Sie vermutlich 1958 geboren? Eine abschlagsfreie Rente wäre dann zum 64. Geburtstag möglich. Vor diesem Hintergrund sollte Ihr Plan also aufgehen. Sprechen Sie das am besten aber noch einmal mit einem Berater der Deutschen Rentenversicherung durch.
  • Konni T.
    Konni T.
    am 18.12.2021
    Hallo, eine Frage: Ich habe im Mai 2021 wegen Umstrukturierung des Büros meinen Job verloren und war - auch schon vorher - wegen einer Handverletzung bis Nov. 2021 krankgeschrieben, die ich berufsbedingt verschleppt hatte. Ich habe vorzeitig ab 2/22 Rentenantrag (mit Abschlägen) gestellt. Muss ich für die Monate Dez. 21 und Jan. 22 noch Bewerbungen schreiben?
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 20.12.2021
      Hallo Konni, theoretisch schon. Aber ich denke nicht, dass Ihr Arbeitsvermittler darauf bestehen wird.
  • Dagmar voigt
    Dagmar voigt
    vor 3 Wochen
    Hallo, mein Arbeitsvertrag wir zum 01.03.22 durch Beurlaubung aufgehoben. Ich habe seit 2014 alterteilzeit durchgeführt. 22 Monat aktiv 22 passiv und dan ab dem 60 bis 63 die Beurlaubung. Ich würde gerne Anschlagsfrei in 2023 im mai abschlagsfrei in Rente gehen. Dafür muss ich mich ab März 2022 arbeitslos melden. Muss ich da noch Bewerbungen schreiben?
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 2 Wochen
      Hallo Dagmar, ja, grundsätzlich schon. Ob Ihr Arbeitsvermittler das aber auch konkret von Ihnen erwartet, ist eine andere Frage.
  • Gerald Zähler
    Gerald Zähler
    vor 3 Wochen
    Hallo
    Ich bin 60 Jahre alt, bis jetzt 40 Jahre gearbeitet ,habe auch jetzt 40 Rentenpunkte ,und Schwerbehindertenausweis .gehe mit 61,8 Jahren in Rente mit 10,8 % Abzug .
    Was heisst Abzug, habe dann 42 Rentenpunkte ,mit 61.8 Jahren, Bekomme ich meine 42 Rentenpunkte ausgezahlt ,oder wird mir davon noch 10,8 % abgezogen.
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 2 Wochen
      Hallo Gerald, der Abzug bezieht sich auf Ihre Bruttorente. Würde die zum Beispiel bei 1000 Euro liegen, würden Sie bei 10,8 Prozent 108 Euro weniger bekommen - also 892 Euro. Von diesem Betrag müssten Sie dann noch Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.
  • Wolfgang B
    Wolfgang B
    vor 1 Woche
    Guten Abend,
    ich werde im April 62 (geb.04.1960) und habe letztes Jahr im August meine 45 Arbeitsjahre voll gehabt.
    Nachdem ich dreimal einen Antrag auf Altersteilzeit gestellt habe, der jedesmal abgelehnt wurde, trage ich mich nun mit dem Gedanken, im September 2022 in die Arbeitslosigkeit zu gehen, da ich gesundheitlich stark angeschlagen bin und da es dann nur noch 2 Jahre bis zum offiziellen Rentenbeginn sind.
    FRAGE 1: Ab wann kann ich den Antrag auf Rente einreichen?
    Meine große Sorge ist, dass ich als Berufskraftfahrer sofort an irgendeinen Betrieb vermittelt werde oder mich wöchentlich bei irgendwelchen Firmen vorstellen muss.
    Frage 2: Gibt es Regelungen, wie oft ich mich bewerben muss oder zu Vorstellungsgesprächen gehen muss??
    Vielen Dank
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 1 Woche
      Hallo Wolfgang, Ihre Altersrente beantragen Sie rund drei Monaten vor dem geplanten Start. Beim Bezug von ALG I stehen Sie der Vermittlung zur Verfügung. Grundsätzlich müssen Sie also mitwirken. Mit gesundheitlichen Einschränkungen und einem gewissen Alter wird man Ihnen aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht viel zumuten.

      Eine allgemeine Mindestanzahl von Bewerbungen gibt es nicht. Das klären Sie individuell mit Ihrem Arbeitsvermittler.

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